Flüchtlinge als Gastgeber

Sprachlerner in ihren neuen T-Shirts sowie drei ehemalige Schüler der Sprachlernklasse mit ihrer Klassenlehrerin Romy Bierwirth und dem ehrenamtlichen Helfer Johannes Smolnik. (Foto: A. Strothlücke)

Umgekehrte Willkommenskultur am Gymnasium

Langenhagen. Nun feierte die Sprachlernklasse des Gymnasiums ihr einjähriges Bestehen. Die 16 Schüler der Klasse, vorrangig Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak, organisierten ein rauschendes Fest. Verfehlen konnten die Gäste dies auf keinen Fall. Farbenfrohe Einladungsplakate mit den Fotos der Schüler sowie Stellwände mit selbstgebastelten Collagen über die Heimatorte der Schüler wiesen den Weg zum Klassenraum, der zum Party-Raum wurde. Noch dazu waren schon von weitem arabische Klänge zu hören.
Auf Arabisch, aber auch Kurdisch, Bulgarisch und Russisch wurden die eintretenden Gäste zunächst begrüßt und schließlich auf Deutsch in das Programm eingeführt.
Die Sprachschüler hatten in ihrem bunt dekorierten Raum verschiedene Stationen vorbereitet und als Höhepunkt entpuppte sich dabei der arabische Tanzkreis, in dem sie ihre Gäste zum Schwitzen brachten. Doch nicht nur das Tanzbein wurde geschwungen, auch die Köpfe rauchten, denn die deutschen Mitschüler und Lehrer hatten mit der arabischen und kurdischen Schrift an der Lernstation ganz schön zu tun. „Deutsch ist eindeutig einfacher!“, hörte man einen deutschen Schüler an der Tafel raunen. Umso größer war die Begeisterung, als Schulleiter Matthias Brautlecht seinen Namen auf Arabisch an die Tafel übertrug.
Für Stärkung zwischendurch sorgte ein reichhaltiges orientalisches Büfett mit syrischen und irakischen Spezialitäten, das die Sprachschüler mithilfe ihrer Eltern vorbereitet hatten.
Doch nicht nur die Gäste wurden bei diesem Fest überrascht, auch die Sprachlerner durften sich über schöne Geschenke freuen. So stattete sie ihr Mentor Arnold Strothlücke, der sich sehr vielfältig ehrenamtlich in der Klasse engagiert, mit T-Shirts mit dem Aufdruck „Wir sind SLK“ aus. Neben Geburtstagsständchen mit der Gitarre freuten sich die Sprachlerner über viele Buchgeschenke zum Deutschlernen.
Überraschungsbesuch gab es von der zum neuen Schulhalbjahr eingerichteten Sprachlernklasse der IGS.
Ganz gerührt am Ende der Feier äußerte sich Dounia, eine Schülerin der Sprachlernklasse: „Es war einer der schönsten Tage in meinem Leben.“ Und auch die anderen Sprachlerner waren ganz begeistert von ihrem Fest.
14 Jugendliche haben die Sprachlernklasse bereits hinter sich gelassen und besuchen mittlerweile eine Regelklasse am hiesigen Gymnasium oder anderen weiterführenden Schulen. Ahmad, ein ehemaliger Schüler der Sprachlernklasse, resümierte: „Auch wenn ich zu Beginn nur 25 Prozent vom Unterricht verstanden habe, hatte ich von Anfang an das Gefühl, Teil einer Familie zu sein.“ Und genau dieses Gefühl hier willkommen und sicher zu sein, möchte Klassenlehrerin Romy Bierwirth mit ihren Schülern der Sprachlernklasse auch weiteren ankommenden Flüchtlingen vermitteln. Denn, so sagt sie: „die geflüchteten Schüler müssen zunächst im Geist hier ankommen, um wirklich offen zu sein für das Deutschlernen, dem Schlüssel zur Integration in unsere Gesellschaft.“