Flugverläufe sind nachvollziehbar

Betriebsleiter Hans Joachim Seelig erleutert die technischen Verfahren zum An- und Abflug am Flughafen Hannover-Langenhagen. Foto: D. Lange

Flugsicherung stellt neuen Internetauftritt vor

Langenhagen (dl). „Sehr informativ und auch spannend“ – Marco Brunotte, SPD-Landtagsabgeordneter aus Langenhagen, war sichtlich beeindruckt. Er und der SPD-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Marc Köhler, besuchten am Montag die Flugsicherung im Tower des Flughafens. „Bisher habe ich mich mit dem Thema Luftverkehr eher allgemein befasst“, so Brunotte, „deshalb war es gut, mal einen genaueren Einblick in die Arbeit der Fluglotsen zu bekommen.“
Vor dem Hintergrund der aktuellen Lärmschutzdiskussion und der vom Land Niedersachsen unter Mitwirkung der Fluglärmschutzkommission neu festgelegten Lärmschutzbereiche erklärten Betriebsleiter Hans Joachim Seelig und der Chef des Towers, Willehad Hellmann, die Zusammenhänge von Flugbewegungen und Lärmschutz – auch der Lärmschutz ist Teil des gesetzlichen Auftrages an die Deutsche Flugsicherung (DFS) zur Abwicklung des Luftverkehrs. Wie bislang wurden mit der neuen Festlegung zwei Schutzzonen für den Tag eingerichtet, darüber hinaus erstmals auch eine Schutzzone für die Nacht. Die Fluglärmkommission setzt sich zusammen aus Vertretern der Flughafen-Anliegerkommunen, des Flughafens, der Bundesvereinigung gegen Fluglärm, des BUND und der AG Fluglärm Großraum Hannover, um nur einige zu nennen. Insgesamt sind es 20 Mitglieder.
Beim Start entwickelt ein Flugzeugtriebwerk bekanntlich aufgrund der hohen Belastung besonders viel Lärm. Das erfordert eine sorgfältige Gestaltung und Festlegung der Abflugstrecken unter Berücksichtigung der gesetzlichen Bestimmungen seitens der internationalen zivilen Luftfahrtorganisation. Grundsätzlich folgt der Abflug den festgelegten Standardverfahren. Dies gilt ebenfalls für die Anflugstrecken, dabei spielen Aspekte der Lärmbelastung eine große Rolle, damit sogenannte Lärmminderungsstrecken ermittelt werden können. Optimal wäre ein kontinuierliches Sinkflugverfahren von der Reiseflughöhe bis zum Boden, bei der die Triebwerke quasi im Leerlauf bei geringster Lärmentwicklung und geringstem Verbrauch arbeiten. Dieses Verfahren lässt sich aber nur unter bestimmten Voraussetzungen anwenden, dazu gehören wenig Luftverkehr und eine ausreichend lange Anflugstrecke. Allerdings gibt es für dieses Verfahren keine einheitliche Definition.
Der neue Internetauftritt der Deutschen Flugsicherung, der am Montag vorgestellt wurde, dient in erster Linie der ausführlichen Information über alle Bereiche des Luftverkehrs. Zum anderen können sich Interessierte auf der Internetseite der DFS die Flugverläufe und die Flugverlaufsspuren auf den An- und Abflugstrecken im Bereich des Flughafens darstellen lassen. Mit deren Veröffentlichung bietet die DFS Informationen, wo und wie geflogen wird; sie möchte damit zur Versachlichung in der Diskussion mit Fluglärmbetroffenen beitragen. Die Flugverlaufsdarstellung arbeitet quasi live mit einer Zeitverzögerung von 30 Minuten und geht zurück auf die Anforderungen des regionalen Dialogforums im Mediationsverfahren zum Ausbau des Flughafens in Frankfurt.
Die Darstellung der Flugspuren zeigt deutlich, wo die Eindrehpunkte vom und zum Flughafen Langenhagen liegen, nämlich über Burgdorf im Osten und Wunstorf im Westen in Abhängigkeit von der Windrichtung, denn Starts und Landungen erfolgen stets gegen den Wind. Mitunter gibt es Beschwerden darüber, dass den ganzen Tag lang ein Flugzeug über Langenhagen kreist. Der Grund sind Messflüge, für die mittlerweile leisere Flugzeuge verwendet werden als früher, und die etwa alle sechs bis acht Wochen vorgenommen werden, um das Instrumentenlandesystem (ILS) zu aktualisieren.
Dies sei aus Sicherheitsgründen notwendig und hänge mit den Veränderungen des Erdmagnetfeldes und der Stellung der Erdachse zusammen, erklärte Willehad Hellmann. Flugzeuge werden beim Anflug vom Tower in das ILS integriert und empfangen so das Signal, auch wenn sie sich noch nicht direkt über dem Leitstrahl befinden. Willehad Hellmann und Hans Joachim Seelig räumten auch gleich noch mit einem alten Vorurteil auf: Ausschließlich Langstreckenmaschinen besitzen die technischen Voraussetzungen zur Verringerung des Gewichts Kerosin abzulassen – solche Flugzeuge starten jedoch nicht in Langenhagen. Eine Boeing 747 beispielsweise mit maximalem Startgewicht wäre kaum in der Lage, bei einem Problem nach dem Start gleich wieder zu landen. Deshalb würden die Piloten dieser Maschine über dünn besiedeltem Gebiet in großer Höhe einen Teil des Treibstoffes fein zerstäubt ablassen um anschließend gefahrlos landen zu können.