Flugzeugabsturz und Ostern

Entsetzt und betroffen, voll Schmerz und voller Trauer waren neben den Angehörigen und Freunden der Opfer viele Menschen in Deutschland und der ganzen Welt über den jüngsten Flugzeugabsturz. Immer wieder hört man Stimmen wie: „Wo ist Gott eigentlich bei einem solchen Unglück wie dem Absturz der Germanwings-Maschine vor zwei Wochen? Wenn Gott ein liebender Gott ist, wie kann er solche Katastrophen überhaupt zulassen?“
Ich glaube, dass Gott nicht der Auslöser solcher Situationen ist. Würde er unmittelbar in die Lenkung unseres Alltages eingreifen, würde er die Menschen zu „Marionetten“ machen. Der Mensch und sein freier Wille fielen unter den Tisch. Als Christen glauben wir, und dies‘ zeigt uns u.a. der Karfreitag, Gott hat im Kreuzestod menschliches Leid selbst erfahren, er ist bei den Leidenden und Verzweifelten in ihren dunkelsten Stunden. Gott leidet mit uns. Unsere Verzweiflung bringt Jesus am Kreuz ins Wort: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Hier darf es nicht um billige und vorschnelle Trostworte gehen. Es geht um den stammelnden Versuch aus dem tiefsten Vertrauen auf Gott heraus zu vermitteln, dass er uns nicht allein lässt und alle Wege, auch die schwierigsten, mit uns geht.
Ein Absturz, der, wie die Ermittlungen es sagen, durch den Co-Piloten absichtlich herbei geführt wurde. Auch wenn Gott derjenige ist, der in unserem Leben wirkt, so gibt es daneben immer wieder das zum Teil unberechenbare Handeln des Menschen. Menschen, die schwere Schuld auf sich laden, die aus Verzweiflung und Ausweglosigkeit reagieren. Welcher Mensch kann schon ergründen, was in der Seele eines anderen Menschen vorgeht?
Gerade die vergangene Woche, die Karwoche, hilft uns in der Erinnerung an das Leiden und Sterben Christi, das Leiden und den Tod in der Gesellschaft nicht zu verdrängen. An die Karwoche schließt sich das Osterfest – das Fest der Freude, der Hoffnung und der Auferstehung. Der Tod, das Leid hat nicht das letzte Wort. Als Christen glauben wir, der Karfreitag ist nicht das Ende, es gibt etwas über den Tod hinaus. Trotz allen Leides dürfen
wir von Hoffnung und Zuversicht getragen sein. Stimmen wir in den ostkirchlichen Ruf ein: Christus ist wahrhaft auferstanden!

Klaus-Dieter Tischler, Pfarrer