Franz Müntefering plauderte mit

Regionspräsident Hauke Jagau und Franz Müntefering machten bei kleinen Ballübungen mit, die als Koordinationstraining empfohlen wurden. (Foto: D. Lange)
 
Claudia Koch (links), Quartiermanagerin in Wiesenau informierte Christa Röder, Seniorenbeirat Langenhagen, über die Quartiersentwicklung im Langenhagener Stadtteil. (Foto: D. Lange)

Aktionstag „Gesund älter werden in der Region“

Hannover (dl). „Sind ja nur alte Leute hier.“ Dieser in letzter Konsequenz durchaus zutreffende, aber sicher so nicht gemeinte Ausspruch eines offensichtlich genervten Besuchers gleich beim Betreten des Regionshauses sagte nicht nur etwas über dessen Gemütszustand aus, sondern beschrieb zudem auch präzise die altersmäßigen Mehrheitsverhältnisse an diesem Tag. Die Regionsverwaltung präsentierte im Rahmen ihrer Seniorenarbeit Infos und Tipps zu Themen rund um das gesunde Älterwerden. Konzipiert mit Partnern wie den Seniorenbeiräten der Region und aufgefächert in die Bereiche Quartiersentwicklung, Bürgerschaftliches Engagement, Gesundheitsfördendes Verhalten sowie den Umgang mit Gesundheit und Krankheit bot das Gesundheitsplenum „Region Hannover – Ein guter Ort zum Älterwerden“ den rund 250 Besuchern die Gelegenheit, sich zu informieren und selbst aktiv zu werden. Was den Senioren heute offenbar wichtiger ist denn je, denn die Veranstaltung im Haus der Region war binnen Kurzem ausgebucht. Großer Andrang also, auch dank des Gastredners Franz Müntefering. Der ehemalige SPD-Vorsitzende und Bundesminister ist seit 2015 Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen und laut „Die Süddeutsche“ als „Vortragsreisender in Sachen Demografie“ unterwegs. Der 77-Jährige sprach über die Herausforderung der alternden Gesellschaft an die Politik als auch an jeden Einzelnen. „Solange Dein Kopf noch klar ist, bist Du auch mitverantwortlich für die Gesellschaft. Nur im Liegestuhl liegen und Meckern reicht da nicht“. Zudem plädierte er für einen realistischen Blick auf die Veränderungen, die das Älterwerden nun mal so mit sich bringen. „Das Leben im Alter ist nicht schlechter als vorher, nur anders“. Wobei Müntefering auch die Kehrseite der Medaille im Blick behält wie das Thema Rente und Altersarmut. Für ihn geht es dabei um das Gesamtpaket. Sinkende Durchschittslöhne aufgrund schlecht bezahlter Minijobs führen zwangsläufig zu negativen Auswirkungen auf das Rentenniveau. Hinzu komme die ungleiche Güterverteilung in Deutschland und meint damit die krassen Gegensätze von „sittenwidrig hohen Gehältern wie die ebenso sittenwidrig niedrigen Löhne“. Ein Riesenproblem für die Rentenversicherung, so Müntefering, der sich auch für die Abschaffung des unflexiblen Renteneintrittsalters stark macht. Ein fester Termin werde der Lebenswirklichkeit vieler älterer Menschen nicht mehr gerecht. Der demografische Wandel bringt es mit sich, dass entsprechend ihrem Bevölkerungsanteil zunehmend mehr Senioren am Straßenverkehr teilnehmen. Deren Erhaltung ihrer Mobiltät als ihre Sicherheit als Verkehrsteilnehmer zukünftig zu gewährleisten, hat sich unter anderem der Langenhagener Seniorenbeirat zur Aufgabe gemacht. Die Vorsitzende Christa Röder verweist in diesem Zusammenhang auf die guten Erfahrungen mit den Auffrischungskursen zur theoretischen Führerscheinprüfung. Gewissermaßen als Gegenentwurf zu verpflichtenden Nachschulungen unterstützen die Polizei, die Landesverkehrswacht und das Niedersächsische Innenministerium sowie die Langenhagener Fahrschule Grünke als Kooperationspartner diese Aktion des Seniorenbeirats. Die Teilnahme an den Kursen nach Anmeldung ist für die Senioren kostenlos.