Frauen fehlen häufiger im Job

Stellten den DAK-Gesundheitsreport vor (von links): Manuela Schulz (DAK), Michael Neubauer und Benjamin Kusch (DAK). (Foto: O. Krebs)

DAK-Studie hat die geschlechterspezifischen Krankheitsprofile untersucht

Langenhagen. Der DAK-Gesundheitsreport, den die Krankenkasse bei ihren Versicherten erhoben hat, zeigt es: Der Krankenstand in der Region Langenhagen, die aus Sicht der DAK-Gesundheit die nördliche Region Hannover umfasst, ist 2015 gestiegen; die Ausfalltage wegen Erkrankungen nahmen im Vergleich zum Vorjahr um 0,3 Prozenttage zu: Aber: Mit 3,9 Prozent gab es in der Region einen niedrigeren Krankenstand als im Landesdurchschnitt (4,1 Prozent). Bildhaft gesehen: Von 1.000 Arbeitnehmern waren damit an jedem Tag des Jahres 39 krankgeschrieben. Was auffällt: Wenige Arbeitnehmer sind sehr lange krankgeschrieben.
An der Spitze der Gründe für die Ausfalltage stehen nach wie vor Muskel-Skelett-Erkrankungen und Rückenschmerzen. Trotz eines Rückgangs von 9.3 Prozent waren sie für fast ein Fünftel der Fehltage verantwortlich. Nach Einschätzung von Michael Neubauer, Chefarzt an der Paracelsus-Klinik eine Folge dessen, dass wir unser Muskel-Skelett-System nicht mehr so intensiv trainieren. Auf Platz zwei landeten erneut psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angstzustände. Sie nahmen um 15 Prozent zu und waren die Ursache für 18,8 Prozent der Krankschreibungen. Atemwegserkrankungen wie Erkältungen und Bronchitis hatten einen deutlichen Zuwachs von 27, 5 Prozent, was Platz drei bedeutet, gefolgt von Vergiftungen und Verletzungen. Warum überhaupt der Report? „Wir informieren regelmäßig über den Krankenstand. Unternehmen können aus der Analyse wichtige Impulse für ihr betriebliches Gesundheitsmanagement gewinnen“, sagt Benjamin Kusch von der DAK-Gesundheit. Seit Kurzem bietet die Krankenkasse eine Beratung per Videochat an. Schwerpunktmäßig hat die DAK in diesem Jahr den Unterschied von Frauen und Männern unter den Mitgliedern bei den Krankheitsprofilen und beim Umgang mit Krankschreibungen unter die Lupe genommen. Fazit: Frauen in Langenhagen und Umgebung fehlen häufiger im Job als Männer, ihr Krankenstand lag im vorigen Jahr um 26 Prozent höher; niedersachsenweit waren es lediglich 15 Prozent. Die Krankheitsunterschiede: In der Region Langenhagen leiden Männer häufiger (plus 65 Prozent) an Herz-Kreislauf-Erkrankungen.Landesweit sind das weniger Hier sind es 59 Prozent mehr Erkrankungen bei den Männern. Bei psychischen Erkrankungen wie beispielsweise Depressionen haben Frauen in Langenhagen 56 Prozent mehr Ausfalltage (Niedersachsen-Durchschnitt 64 Prozent). Auch bei den Krebsleiden liegen sie mit 76 Prozent deutlich über denen der Männer, was mit dem vergleichsweisen frühen Auftreten von Brustkrebs zusammenhängt. Viele Frauen stünden dann noch im Erwerbsleben und würden erfasst. Die häufigste Krebserkrankung bei Männern ist Prostatakrebs, der häufig erst ab 60 auftrete und deshalb in der Statistik nicht mehr auftauche.
Auffällig ist der so genannte Präsentismus: Obwohl bei Frauen der höhere Krankenstand zu verzeichnen sei, schleppen sie sich sogar noch häufiger als Männer krank zur Arbeit. 70 Prozent der Frauen in Niedersachse waren 2015 mindestens einmal krank bei der Arbeit, bei den Männern nur 50 Prozent. Hauptgründe: Die Frauen wollten ihre Kollegen nicht hängen lassen (84 Prozent) oder müssten auch ihre Arbeit fertigstellen (70 Prozent). Dazu komme: Wenn ihre Kinder krank seien, meldeten sich viele Frauen selbst krank. Fast ein Drittel der Frauen in Niedersachsen sagte in der Befragung, dass sie manchmal so vorgehen müsse, weil sie sich nicht anders zu helfen wisse. Bei den Männern sagten das nur 17,5 Prozent. Im Klartext: Frauen betreuten ihre kranken Kinder deutlich häufiger als Männer.