Fredermann holt sich Direktmandat

Sonntagabend, 21 Uhr: Rainer Fredermann (links) bei der Wahlparty der Burgwedeler CDU. Der Vorsitzende der CDU Großburgwedel, Hans-Werner Rottmann, beglückwünscht ihn zum Gewinn des Direktmandats im Wahlkreis 31. Foto: H.H. Schröder
 
Marco Brunotte (3. von rechts) bedankt sich bei "seinem" jungen Team und den übrigen Genossen für einen engagierten Wahlkampf.Foto: O. Krebs
 
Die Ortsverbandsvorsitzenden Rolf Linnhoff und Andrea Bunn freuen sich über das gute Ergebnis der Grünen.Foto: O. Krebs

Brunotte übernimmt mit SPD Regierungsverantwortung

Langenhagen (ok). Ein Duo wird auch in Zukunft die Interessen der Langenhagenerinnen und Langenhagener im Leineschloss in Hannover vertreten: CDU-Kandidat Rainer Fredermann hat das Direktmandat geholt und zieht damit das erste Mal in den Landtag ein, aber auch Marco Brunotte (SPD) ist wieder im Parlament. Allerdings mit einem kleinen aber feinen Unterschied zu 2008: Brunotte gehört der Regierung an, kann mitgestalten, wie er es sich erhofft hat. Der Burgwedeler Fredermann erhielt 45,1 Prozent der Stimmen in den drei Wahlkreiskommunen. Er tritt damit die Nachfolge von Emil Brockstedt an, der dieses Direktmandat in den beiden vergangenen Legislaturperioden für die Christdemokraten innegehabt hat.
Fredermann erreichte in Burgwedel sein bestes Ergebnis mit 52,8 Prozent, in Isernhagen 48,1 Prozent und in Langenhagen 39,6 Prozent.
Am Wahlabend noch antwortete er auf die Frage, worin er die Ursachen dafür sehe, dass er die guten Ergebnisse seines Vorgängers Brockstedt nicht erreicht habe, gelassen: Er sei mit dem Erreichten vollkommen zufrieden und habe schließlich das Mandat erreicht und freue sich darüber, dass das gleich im ersten Anlauf gelungen sei. Ihm habe der Bonus des Amtsinhabers gefehlt, zumal der Wahlkampf über die Feiertage sehr kurz gewesen sei. Er dankte allen Parteikollegen, die bei jedem Wind und Wetter seinen Wahlkampf unterstützt haben.
Rainer Fredermann gab sich angesichts der ambivalenten Lage der Wahlauszählung an diesem Abend vorsichtig. Es gebe zwar Grund, sein Erreichen des Direktmandats zu feiern, aber über einen Wahlsieg solle man erst reden, wenn er sicher sei, riet er von verfrühtem Jubel ab. Er könne sich noch gut an einen Wahlkampf erinnern, an dessen Wahlabend der Bundeskanzler Edmund Stoiber wahrscheinlich war. Am nächsten Morgen hieß der Bundeskanzler dann definitiv Gerhard Schröder. Und in der Tat: Montagmorgen war Stephan Weil, Kandidat der SPD, der designierte Ministerpräsident Niedersachsens.
Was den Kampf ums Direkmandat angeht, hatte der junge Sozialdemokrat Brunotte keine Chance, holte aber im Vergleich zu 2008 deutlich auf und in seiner Heimat die meisten Erststimmen. Im gesamten Wahlkreis 31, zu dem auch noch Burgwedel und Isernhagen gehören, hatte Rainer Fredermann aus Wettmar dann aber mit etwa zehn Prozent die Nase vorn. Brunotte durchlebte wie seine Parteigenossen am Abend ein Wechselbad der Gefühle und hatte am Ende des Abends recht mit seiner Einschätzung, dass Stephan Weil der richtige Spitzenkandidat gewesen sei. Mit seinem persönlichen Ergebnis sei er sehr zufrieden, er habe im Wahlkreis zugelegt und damit habe sich sein Engagement der vergangenen fünf Jahre ausgezahlt. Verstehen könne er allerdings nicht, wie eine FDP „ohne Profil und eigene Leistung“ auf zehn Prozent kommen könne. Sein Glückwunsch geht an Rainer Fredermann, mit dem er sich durchaus auch bei dem einen oder anderen Thema, das den gemeinsamen Wahlkreis angeht, austauschen wolle. Angesichts der persönlichen Wahlniederlage spricht Brunotte von einem „lachenden und weinenden Auge“ nach der Wahl, freut sich jetzt aber umso mehr, fünf Jahre in Regierungsverantwortung zu stehen und umsetzen zu können, was im Programm steht. „Jetzt geht’s voran. Wir haben die Chance zu zeigen, dass wir es besser können, und daran werden wir selbstverständlich auch gemessen“, sagt Brunotte. Jetzt müssten die Themen schnell angefasst werden, damit es Veränderungen geben könne.
Der Liberale Joachim Balk wertete das Ergebnis als „Trotzreaktion“ auf die Attacken gegen den Niedersachsen Philipp Rösler. Ganz so weit wollte der Stadtverbandsvorsitzende Wolfgang Kosanke dann doch nicht gehen, gab aber zu, dass Äußerungen Rainer Brüderles in den vergangenen Tagen „recht unglücklich“ gewesen seien. Viele Niedersächsinnen und Niedersachsen wollten Rösler wohl nicht im Regen stehen lassen. Das Wort Leihstimmen lasse er nicht gelten; kleinere Parteien lebten von Zweitstimmen und Langenhagen liege im liberalen Landestrend. Aus diesem Grunde sei eine taktische Wahl durchaus legitim.
Nicht zufrieden sein konnte die CDU mit ihrem Ergebnis in Langenhagen: Im Vergleich zur SPD (37,1 Prozent) kam sie nur auf 32,9 Prozent und lag damit unter dem Landestrend. Gerade im Neubaugebiet Weiherfeld sei es den Christdemokraten nicht gelungen, ihre Wählerinnen und Wähler zu mobilisieren, gestand ein selbstkritischer Helmut Decker aus dem Kaltenweider Ortsverband ein. In den Seestädten dagegen habe es ganz anders ausgesehen. Der Austritt des ehemaligen Ortsverbandsvorsitzenden Gerriet Kohls habe nichts mit dem relativ schlechten Ergebnis seiner Partei zu tun, so ein etwas enttäuschter Helmut Decker. Kohls hat es in seinem Wahlkreis in Ostfriesland übrigens auch nicht geschafft, für die Freien Wähler in den Landtag einzuziehen, landete am Ende bei etwas mehr als zwei Prozent. Der Stadtverbandsvorsitzende Marco Zacharias ist „wahnsinnig enttäuscht“ über das Ergebnis, hat auch ein Wechselbad der Gefühle erlebt. Stolz ist er aber auf den „Wahnsinnserfolg“ Rainer Fredermanns, der aus seiner Sicht trotz der Niederlage in Langenhagen mit etwa sieben Prozent Differenz bei 37 zu 44 Prozent der Erststimmen ein beachtliches Ergebnis erreicht habe. Das sei Zeichen eines wirklich engagierten Wahlkampfes.
Eine ganz andere Stimmung herrschte natürlich bei Rolf Linnhoff und Andrea Bunn, die Vorsitzenden des Langenhagener Ortsverbandes der Grünen. Ihre Partei sei mit mehr als 13 Prozent – in Langenhagen lagen die Grünen mit 11,8 Prozent knapp drunter – der eigentliche Wahlgewinner, denn die Grünen hätten es geschafft, auch ohne fremde Hilfe das beste Ergebnis aller Zeiten bei einer Landtagswahl zu schaffen – fast doppelt so viele Stimmen wie 2008. „Die Grüne Jugend hat Hervorragendes geleistet, und wir haben an den Ständen eben nicht nur Kugelschreiber, sondern auch Informationen verteilt“, sagt eine strahlende Annemarie Schacherer, die sich übrigens wie alle anderen Parteien auch über eine Wahlbeteiligung von rund 60 Prozent freut. Allerdings hätte sie sich gewünscht, dass der Koalitionspartner noch etwas zulegt, am Ende hat es dann aber ja doch noch ganz knapp gereicht.