Freiheit und Menschlichkeit

Es entwickelte sich eine rege Diskussion auf dem Podium.

Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust an der IGS

Langenhagen. 27. Januar 2017 – zum 72. Mal jährte sich die Befreiung des Konzentrationslagers in Auschwitz und der zehnte Jahrgang der IGS Langenhagen gedachte aus diesem Anlass in einer Feierstunde der Opfer des Holocausts.
Die Schülerinnen und Schüler des zehnten Jahrgangs waren an diesem Morgen nicht allein, sondern der Gedenktag wurde zusammen mit Ingrid Willing begangen, einer Zeitzeugin, deren Familie zu großen Teilen unter der Naziherrschaft ermordet wurde. Willing hatte sich dankenswerter Weise bereit erklärt, zusammen mit den Schülerinnen und Schülern zu gedenken, so dass alle im Saal Geschichte und vor allem Erinnern hautnah erleben konnten.
Still war es, als bewegende Zeichnungen von Helga Weissova, die als Kind gezwungen wurde, im Konzentrationslager Theresienstadt und anderen Konzentrationslagern zu leben, gezeigt wurden – entstanden unter Lebensgefahr sind sie bis heute eindrückliche Dokumente der Unmenschlichkeit und der Unfreiheit.
Doch warum soll sich ein junger Mensch heute diese Bilder ansehen, sich mit dem Holocaust befassen? Schließlich war keiner dabei, trägt keiner persönliche Schuld am damaligen Geschehen und außerdem war Zeugnistag, ein Tag also, der in die Zukunft und nicht in die Vergangenheit weist. Als Antwort wurde in der Feierstunde zunächst der 2016 verstorbene Max Mannheimer zitiert, der im Dritten Reich die Schrecken des Konzentrationslagers mitgemacht hatte und sich dennoch nach dem Krieg in Deutschland zur Aufgabe gemacht hatte, vor allem. die Jugend zu sensibilisieren und an sie appellierte, stets an die Menschheit zu glauben und sich für Frieden, Freiheit und Humanität einzusetzen.
Wie wichtig dieser Appell ist, zeigten die nachfolgend verlesenen Textausschnitte aus dem Buch „Auschwitz: Zeugnisse und Berichte“ (herausgegeben von H.G. Adler, H. Langebein und E. Lingens-Reiner): „Frauen in Auschwitz“ von Grete Salus und „Standgericht“ von Jan Pilecki – gelesen von Marie, Jan-Niklas und Luca. Beide Texte zeigten wie die Bilder deutlich, dass Unmenschliche jener Zeit und sind zugleich Aufforderung an jeden von uns, die Verantwortung dafür wahrzunehmen, dass solches Geschehen sich niemals wiederholt.
Eingerahmt von dem Nocturne in c minor B.49 von F. Chopin sowie Maybe von Yiruma, am Flügel gespielt von Daniel, fand auf der Bühne eine Gesprächsrunde statt, in der Ingrid Willing von ihrer persönlichen Familiengeschichte erzählte und mit Luca, Chantal, Baran, Alayca, Vanessa S. und Bastian als Vertreter der sechs Klassen unter der Moderation von Krechting ins Gespräch kam.
Die sechs Schülerinnen und Schüler sprachen mit Ingrid Willing vor dem Hintergrund eines zuvor in jeder Klasse erarbeiteten Fragenkatalogs zur Lebenswirklichkeit damals und heute. In teils sehr persönlichen Antworten und kurzen Geschichten aus ihrem Leben holte Ingrid Willing die Geschichte, aber auch die Gefühle von damals in die Aula und konnte so den Schülerinnen und Schülern des Jahrgangs die Geschehnisse buchstäblich unter die Haut bringen.
Willing richtete anschließend das Schlusswort an den gesamten Jahrgang und forderte alle auf, sich für die Menschlichkeit und die Freiheit einzusetzen, gerade auch angesichts aktueller politischer Ereignisse. Insbesondere lag ihr auch sehr daran, dass alle das Besondere am vereinten Europa erkennen mögen und sich für dessen Erhalt einsetzen sollten.
Frau Willing möchte ich noch einmal sehr für Ihr Mitwirken am Holocaustgedenktag des zehnten Jahrgangs der IGS Langenhagen danken, ebenso für ihre offenen und persönlichen Worte, denn dadurch ist es Schülerinnen und Schüler wie auch uns Lehrern sicher leichter geworden, den Mut immer wieder zu fassen, sich über die Erinnerung immer wieder der persönlichen Verantwortung im eigenen kleinen Umfeld für die Bewahrung von Freiheit und Menschlichkeit bewusst zu werden und für beides einzutreten.