Fremdkörper im Landschaftsschutzgebiet?

Gabriele Spier und Steffen Hunger (CDU-Ortsratfraktion) bereiten sich auf die Diskussion vor. Ortsbürgermeister Andreas Hartfiel (hinten) zweifelt am Sinn der LSG-Erweiterung und wünscht sich weitere Informationen. (Foto: G. Gosewisch)

Rodelberg soll Beitrag zur Biotopvernetzung leisten

Krähenwinkel (gg). „Allseits anerkannt und notwendig“ sind Attraktionen wie Streichelzoo, Hüpfburg oder Musikbühne, um dem Ausflugslokal Waldkater mehr Gäste und damit eine Basis für eine wirtschaftliche Gastronomie zu geben – das ist die Erläuterung in aktuellen Drucksachen der Region und der Stadtverwaltung, die eine Änderung der Grenzen des Landschaftsschutzgebietes (LSG-H-12) vorsieht. Für keinen Behördenvertreter sei heute die LSG-Grenzziehung aus dem Jahr 1998 nachvollziehbar. Diese verhindere bauliche Erweiterungen, die aber für die Bewirtschaftung des Waldkaters nötig seien. Seit Anfang des Jahres 2012 arbeiten nun die Region, die Regionsfraktionen, die Stadtverwaltung und der Betreiber des Waldkaters an einer Lösung, die in der nächsten Sitzung des Ortsrates Krähenwinkel (25. September, 19.30 im Dorfgemeinschaftshaus, Auf dem Moorhofe) diskutiert werden soll: Teilflächen des Waldkatergrundstücks (5.000 Quadratmeter) werden aus dem LSG genommen, eine andere Teilfläche (1.600 Quadratmeter) zugeschlagen. Das rechnerische Defizit wird dadurch ausgeglichen, dass der Rodelberg und eine Wegefläche in das LSG neu aufgenommen werden; in der Gesamtbilanz eine Vergrößerung um 10.212 Quadratmeter. Es wird eine Ersatzaufforstung in der Gemeinde der Stadt Burgwedel geplant. Die untere Naturschutzbehörde befürwortet dieses Konzept, um den Betrieb des Waldkaters im öffentlichen Interesse langfristig zu sichern. Der Rodelberg diene durch den Gehölzbestand der Biotopvernetzung und präge das Landschaftsbild der Wietzeaue.
Zweifel an der Sinnhaftigkeit der Maßnahme äußert Krähenwinkels Ortsbürgermeister Andreas Hartfiel im Gespräch mit dem ECHO. Der Rodelberg, Liegenschaft im Besitz der Stadt, ist derzeit viel benutzter Sport-, Spiel und Lagerplatz. Mit typischem Lärm, auch vom benachbarten TSV KK, nutzen sehr viele Sportler und Spaziergänger, auch sehr viele Kinder, den weiteren Bereich rund um den Waldsee, der nicht ohne Grund bisher kein LSG-Teil ist. Nach §3 des LSG-H-12 sind Sport-, Spiel- und Lagerplätze verboten, die Natur durch Lärm zu stören ebenfalls. Der Weg am Rodelberg stellt die Zufahrt für den Wietzesee. Kann sich dabei eine Biotopvernetzung, das eigentliche Ziel der LSG-Ausweitung, einstellen? Aufschüttungen sind im LSG-H-12 verboten, denn Ziel ist der Erhalt des natürlichen Bodenreliefs. Der Rodelberg an sich ist aber eine künstliche Aufschüttung - wie kann der das Landschaftsbild der Wietzeaue prägen? Andreas Hartfiel möchte das diskutieren und wünscht sich weitere Informationen. Juliane Stahl, Sprecherin der Stadtverwaltung, betont auf Nachfrage nur, dass sich in Bezug auf die mögliche Naherholung nichts ändert. Ebenso die Region, Sprecher Nils Meyer erklärt: „Die Schutzzwecke (Sicherung des Biotopverbundes und Naherholung) waren Auslöser dafür, den Rodelberg mit seinen gut ausgeprägten waldartigen Gehölzbeständen mit in das LSG-H-12 aufzunehmen. Es wird keine Einschränkungen für die Naherholung geben, die über das hinausgehen, was nicht ohnehin schon durch andere Gesetze geregelt ist. Kerninhalt des LSG-Schutzes nach der Schutzgebietsverordnung Wietzetal sind unter anderem das Verbot, bauliche Anlagen zu errichten, und das Verbot, Gehölze zu beseitigen oder zu schädigen.“ Beides war bisher ohnehin nicht möglich.