Freundschaften unterschiedlicher Klassen?

Die Texte auf den Hinweisschildern sind sicherlich verbesserungsbedürftig. Foto: K. Raap

Auf den Langenhagener Webseiten nur Infos in der Landessprache

Langenhagen (kr). Eine Gruppe engagierter Bürger will wie das ECHO berichtete frischen Wind in das Thema Städte-Partnerschaften bringen. So ist für Montag, 13. April, ab 18 Uhr im Rathaus die Gründungsversammlung eines Vereins geplant, auf der sich ein neu zu wählender Vorstand und verschiedene Arbeitsgruppen etablieren wollen. Ziel ist es, die vorhandenen Gegebenheiten zu analysieren und neue Konzepte zu erarbeiten. Da gilt es sicherlich auch, einige „Altlasten“ der Verwaltung zu korrigieren, wenn es um die öffentliche Darstellung partnerschaftlichen Verbindungen der Kernstadt mit Southwark, Novo mesto, Glogow, Joinville, Bijeljina und Rodewisch geht. Denn die Schilder an den Einfallsstraßen unter dem Motto „Langenhagen Partnerstadt von…“, die dort schon seit vielen Jahren hängen, beinhalten nur die drei Partnerstädte, und es gibt einige Ungereimtheiten. Das obere Schild kündigt offensichtlich London als Langenhagener Partnerstadt an, darunter wesentlich kleiner ist „Borough of Southwark“ zu lesen“. Verständlicher wäre die Formulierung „Southwark“ mit dem Zusatz Bezirksstadt von London. Auch die Bezeichnung auf der nächsten Tafel „Obcina Novo mesto“ ist irreführend, denn Obcina bedeutet nichts anders als Kommune. Als Partnerstadt sollte nur der Schriftzug Novo mesto erscheinen, darunter als nützliche Hinweis der Name des Landes Slowenien. Auch das dritte Schild ist nicht korrekt. Denn die polnische Partnerstadt heißt nicht Glogau, sondern, wie es im Vertrag verbindlich heißt, Glogow. Und der Zusatz Polen sollte hinzugefügt werden. Warum fehlen auf den Schildern die Namen der Städte Joinville, Bijeljina und Rodewisch, die die Stadtverwaltung als „Städtefreundschaften“ eingestuft hat? Bedeutet es, dass es in Langenhagen Freundschaften erster und zweiter Klasse gibt? Die Offiziellen der Stadt Langenhagen haben in der Öffentlichkeit zu diesem Thema bisher nicht klar Stellung bezogen. Wenn beispielsweise Musiker aus Joinville und Bijeljina in Langenhagen beim internationalen Musikschultreffen begrüßt wurden, waren es plötzlich Vertreter zweier Partnerstädte. Wie das ECHO kürzlich ausführlich berichtete, wurde Regina Colin, für ihre 40-jährigen Aktivitäten für die Städtefreundschaft ihrer Heimatstadt Joinville mit Langenhagen mit dem deutschen Bundesverdienstkreuz geehrt. Wenn sie allerdings Langenhagen besucht, wird sie bei der Einfahrt in die Flughafenstadt den Namen Joinville auf den Schildern, die die Langenhagener Partnerstädte anzeigen, vergeblich suchen. Joinville unterhält übrigens Kontakte mit insgesamt fünf Kommunen. Sie werden ausnahmslos unter der Bezeichnung „Cidades irmas“ geführt, was übersetzt „Schwesterstädte“ bedeutet.
In der Kritik befindet sich auch der Internet-Auftritt der Stadt in Sachen Städtepartnerschaften. Die Interessenten, die sich unter www.langenhagen.de über die einzelnen Städte informieren wollen, erleben schnell eine negative Überraschung. Wenn sie die angegebenen Adressen anklicken, erhalten sie zwar eine Fülle von Informationen über die Kommunen, allerdings nur in der Landessprache. Wer da etwas verstehen will, muss schon Englisch, Slowenisch, Polnisch, Bosnisch und Portugiesisch beherrschen. Es wäre sinnvoll, wenn für die Langenhagener Webseiten auch Kurzporträts der einzelnen Städte in deutscher Sprache erstellt würden.