Früherer Schurke gestaltete Gottesdienst

Josef Müller, zu Gast in der Elia-Kirchengemeinde, stellt sich den Geboten der Bibel.

Geläuterter Betrüger in der Elia-Kirchengemeinde

Langenhagen. „Mich hatte die Gier gepackt,“ bekannte Josef Müller reumütig vor rund 200 Besuchern. Sie wollten diesen Mann live in der Aula des Schulzentrums erleben, der zu seiner besten Zeit 40 Millionen auf seinem Girokonto hatte. Josef Müller, Autor des sehr erfolgreichen Buches „Ziemlich bester Schurke“, sprach zum Thema „Habgier, Wahnsinn, Reuegefühle“. Musikalisch umrahmt wurde der Abend von der Elia-Jugendband „Ælianer“. Stilvoll begrüßt wurden die Gäste mit einem kleinen Sektbüfett. Und weil das nicht reichte, gestaltete Josef Müller am Folgetag auch noch den Gottesdienst der Elia-Kirchengemeinde.
Josef Müller, bekannt durch eine Vielzahl von Auftritten im Fernsehen, erzählte aus seinem aufregenden Leben: Seit seinem 17. Lebensjahr ist Josef Müller infolge eines Verkehrsunfalls querschnittsgelähmt. Dieses Handicap führte dazu, dass er anderen zeigen wollte, wozu er trotz Behinderung in der Lage ist. Er stieg die Karriereleiter zum erfolgreichen Steuerberater mit vier Steuerkanzleien und 50 Mitarbeitern hoch. Er hatte ein Haus am Gardasee und ein eigenes Boot. Er hatte es geschafft. Doch von der Macht des Geldes gepackt, wollte Josef Müller mehr. Heute steht er zu seinen Verfehlungen. In fast 300 Vorträgen, die er in den letzten zwei Jahren bundesweit gehalten hat, warnt er vor der Verführung des Reichtums: Sein Lebensstil wurde immer kostspieliger. Schließlich bediente er sich am Geld seiner Mandanten, die ihm das zur lukrativen Anlage anvertraut hatten. Das ging auf Dauer nicht gut. Nach monatelanger Verfolgungsjagd durch LKA und FBI wurde Josef Müller im Jahr 2006 zu einer Gefängnisstrafe von fünf Jahren und vier Monaten verurteilt.
Mit seiner unvergleichlichen bayrischen Art, viel Witz und Humor berichtete Josef Müller von der Wende seines Lebens: Im Gefängnis fiel ihm das Neue Testament in die Hände, und er begann darin zu lesen. Diese Lektüre brachte ihn zu der Selbsterkenntnis, im Leben falsch abgebogen zu sein. Ihm wurde klar, dass sein bisheriges Leben wie ein Kartenhaus zusammengefallen war. Von der guten Nachricht von Jesus Christus und der Liebe Gottes zu den Menschen berührt, entschied er sich unter Tränen zur Lebensübergabe an Jesus. Seit diesem Zeitpunkt hat der Geläuterte eine lebendige Beziehung zu dem Sohn Gottes. Seine Lebensgeschichte geht unter die Haut. Die Einnahmen aus seinem Buch gehen an seine Gläubiger, die er um zehn Millionen Euro geprellt hatte. Zum Schluss seines Vortrags wies Josef Müller darauf hin, dass es nicht wichtig sei, was Menschen im Leben finanziell erreichen. Entscheidend sei vielmehr, wo es hingeht, wenn das Leben vorbei ist. So ging ein spannender Abend und ein interessanter Gottesdienst im Doppelpack zu Ende. Viele, die dabei waren, werden aber noch lange über die Gedanken, Worte und Eindrücke von Josef Müller nachdenken - so der Bericht von Uwe Homt aus der Elia-Kirchengemeinde.