Für einen Tag Müllwerker

Kollegen für einen Tag: Landtagsabgeordneter Rainer Fredermann mit Laderin Nicole Niechciol und Fahrer Niclas Lück.

Landtagsabgeordneter Rainer Fredermann schlüpft in die Rolle des Laders

Langenhagen. Mittwochmorgen. 7 Uhr. Die Sonne scheint. Nicht unbedingt üblich in diesem Sommer. Rainer Fredermann tritt seinen Dienst bei der Remondis-Betriebsstätte in Langenhagen an, um für einen Tag in die Rolle des Müllwerkers zu schlüpfen. „Als Regionsabgeordneter bin ich langjähriges Mitglied im Abfallausschuss der Region Hannover und gestalte die abfallpolitische Zukunft mit. Da ist es hilfreich zu wissen, worüber man spricht. Deshalb möchte ich einmal für Remondis gelbe Säcke sammeln“, sagt Fredermann, der seit 2013 für die CDU im Niedersächsischen Landtag für den Wahlkreis Langenhagen sitzt, lässt Taten folgen.
Nach der Sicherheitsunterweisung tauscht der Politiker die Jeans gegen die orange Arbeitskleidung. Danach geht es ab in die Tour. Treffpunkt ist ein Edeka-Markt im Sammelgebiet. Hier warten Fahrer Niclas Lück und Laderin Lisa Niechciol schon auf den neuen „Kollegen“. „Klasse, eine Frau als Laderin. Das gibt es bei dem kommunalen Entsorger aha nicht. Leider“, stellt Fredermann fest. Bei der „Gleichberechtigung auf dem Müllwagen“ sei Remondis ohnehin Vorreiter. Die Niederlassung in Hannover hatte die erste Fahrerin in Norddeutschland und aktuell gleich zwei weibliche Laderinnen im Team.
Straßenzug um Straßenzug sammelt der 58-Jährige die gelben Säcke ein, schaut seiner Kollegin auf dem Trittbrett über die Schulter, guckt sich was ab und optimiert seine Sammeltechnik: Mehrere Säcke zeitgleich greifen. Schon mal vorlaufen, um vor allem in kleinen Stichstraßen Säcke zusammenzutragen, damit es schneller geht. „Das Tempo ist schon beachtlich bei Remondis“, sagt Fredermann, schwingt sich wieder aufs Trittbrett, lässt sich vom Fahrtwind die Schweißperlen trocknen, winkt hier und winkt da Bekannten zu und wirft ein „Hallo“ hinterher.
Bei der aktuellen Diskussion um die Einführung kleinerer Müllfahrzeuge in der Region Hannover hat Fredermann eine klare Position: „Das kommunale Entsorgungsunternehmen hätte gerne kleinere Müllwagen, weil der Straßenraum durch das Zuparken immer breiterer Autos am Rand immer schmaler wird. Das wäre eine Investition, die zu Lasten der Gebührenzahler ginge. Ich bin dagegen und befürworte stattdessen ein absolutes Halteverbot an den Abfuhrtagen, gekoppelt mit einem rigorosen Durchgreifen der Polizei“, sagt Fredermann und betont: „Wer einmal abgeschleppt wurde, versperrt kein zweites Mal parkend die Durchfahrt. Das wirkt.“
Hinzu komme, dass „die Halteverbotsschilder deutlich preiswerter als kleine Müllwagen sind, die ja auch schneller voll wären, häufiger zum Entladen zur Deponie fahren müssten und damit mehr Kraftstoff verbraucht würde als notwendig. Außerdem müsste vermutlich dann auch mehr Personal eingestellt werden, was weitere Kosten nach sich zieht“, sagt Fredermann. In Zeiten von Dieselgate, Stickoxydbelastungen, dauerhaft überschrittenen Grenzwerten und möglichen Fahrverboten für Diesel-PKW votiert der CDU-Politiker für pragmatische und effiziente Lösungen, die zielführend sind.
9 Uhr. Die Sonne brennt. Die Trinkpause ist beendet. Weiter geht es. Erst gut eineinhalb Stunden im Einsatz, und schon sind Fredermann und Niechciol ein eingespieltes Team. Großcontainer werden gemeinsam aus den Verschlussboxen geholt. Die Säcke werden auf beiden Straßenseiten zeitgleich eingesammelt. Liegt vor einem Haus einmal ein größerer Berg, unterstützt der eine den anderen. Um 10 Uhr zieht der Politiker die Container alleine vor, entlädt sie, bringt sie zurück und verschließt die Boxen während Lisa Niechciol vorläuft und schon mal wieder Säcke zusammenträgt.
Vorausschauend zu den Grundstückeingängen schauen, um die kleinen gelben 50 Liter-Säcke inmitten der ebenfalls zur Abfuhr bereitgestellt und übereinander liegenden blauen und schwarzen Abfallsäcke frühzeitig zu sichten – das ist nicht ganz einfach. In der Region Hannover werden alle Abfall-Fraktionen in Säcken gesammelt. Das ist bundesweit einmalig. Auch die LVP-Säcke rund um die Landeshauptstadt sind eine Sondergröße und ein Unikat. Im Rest der Republik sind 80-Liter Säcke Standard. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Müllwerker müssen beim Sammeln nicht so tief runter, können die Säcke bequemer greifen. Das erhöht den Arbeitsschutz. „So weit sind wir hier noch nicht“, sagt Fredermann, der die Vorteile zu schätzen gewusst hätte. Denn: „Die Müllwerker leisten richtig was. Das merkt man, wenn man einen Vormittag lang selbst die Säcke gesammelt hat. Hochachtung“, sagt Fredermann, der um 11.30 Uhr abbrechen muss, weil der nächste Termin im Kalender steht. Es geht zur Bundeswehr.