Fürchtet euch nicht

Weihnachtsmarkt an der Elisabethkirche. Klirrende Kälte, Schnee und trockenes Wetter. Genau richtig für die Aventsstimmung in winterlicher Schönheit. Wer sich aufwärmen wollte, suchte gern die Kirche auf. Sie war in warmen Kerzenschein getaucht. Adventslieder und Musikstücke gaben der Seele Raum. Zwischendurch war auch Zeit, sich die Kirche anzuschauen und ihre besondere Atmosphäre zu genießen.
Für eine Weile gesellte ich mich zu der Gruppe, die bei den Figuren im Seitenschiff der Kirche stand. Eine Wüstenlandschaft war abgebildet, Ochs und Esel und das Feuer, der Stall – aber weitgehend noch leer. „Vielleicht hatten sie es nicht mehr geschafft, rechtzeitig alles aufzubauen“, sagte jemand, und in den Gesichtern der dabeistehenden Kinder sah ich auch etwas Enttäuschung. Doch dann blitzte es in ihnen auf. Es ist ja noch gar nicht Weihnachten. Das Kind in der Krippe ist noch gar nicht da. Es wird vielmehr erwartet. Das leuchtet ein.
Und nun kommt die Heilige Nacht. Ein Kind wird geboren. Kein Donnerhall kündigt es an. Die Nachrichtensendungen der Welt sind mit anderen Themen befasst. Schon nach wenigen Tagen sollte sich das Kind auf der Flucht befinden, geschützt von seinen wachen und liebenden Eltern. Ein Kind, angewiesen darauf, dass es jemand nährt, mit ihm spricht, es umsorgt. Das Gotteskind braucht also diese bergende Nähe, wie jedes Kind der Welt.
Das ist es, was uns wohl ganz besonders zu Herzen geht, wenn Weihnachten naht. Schließlich wissen wir alle, wie es ist, ein Kind zu sein. So nahe kommt uns Gott, weil er uns liebt. Er selbst wird Mensch, lebt das Leben. Alles begann im Abseits der Welt.
Gott hat diesen Ort ausgesucht. Dort will er zuerst sein, auf den Schattenseiten des Lebens. Sie taucht er in ein großes Licht, so dass sich der Himmel öffnet und drei Worte immer wieder den Raum erfüllen: “Fürchtet euch nicht.“
Diese Worte sind in der Bibel wie eingewebt, sie tauchen immer wieder auf, schon in den ganz alten Überlieferungen.
Heiligabend nun wird die Krippe aufgebaut sein, das Jesuskind darin liegen. Und in den Liedern werden die alten Melodien der Sehnsucht wach, wie sie schon seit Generationen gesungen werden: dass dieses Kind auch unser Herz erwärme. Dass wir Mut gewinnen, selbst zu lieben, wie wir von Gott geliebt sind. In diesem Sinn warte ich Jahr für Jahr gern auf Weihnachten und lasse mich von der Geschichte der Geburt anrühren. Und stimme, wie man so sagt, „mit Leibeskräften“ in das Halleluja ein.

Martin Bergau, Superintendent