„Gelernter Katholik in Italien“

Wolfgang Kuschel hat bei seiner Radrundreise in Italien tiefgründige Erfahrungen gesammelt, von denen er in einem Vortrag am 24. November in Hannover berichten wird. (Foto: G. Gosewisch)

Wolfgang Kuschel pilgerte vier Monate und berichtet

Langenhagen (gg). 7.382 Kilometer geradelt ist Wolfgang Kuschel. Nach 24 Dienstjahren als Schulleiter der IGS und seiner Verabschiedung in den Ruhestand war er vier Monate lang unterwegs: von Langenhagen, über die Alpen, bis zur äußersten Südspitze Italiens (Sizilien) und zurück. Auf dem Hinweg fuhr er an der Westküste, auf dem Rückweg an der Ostküste Italiens. „Um Abstand von Berufsleben zu bekommen, war die Tour genau das richtige“, sagt er zu seinen Beweggründen. Fasziniert habe ihn die Begegnung mit einer Langstrecken-Radlerin vor einigen Jahren, die ein Freiheitsgefühl verkörpert habe. Mit geweckter Neugier auf das Pilgern in einer abgewandelten Form, mit einer großen Lust am Erkunden der italienischen Kultur und nur 20 Kilo Gepäck fuhr er los. Mulmig sei ihm schon gewesen, räumt er ein, denn diese Art zu Reisen sei mit Ungewissheit verbunden. „Finde ich die richtige Route, Verpflegung und einen Zeltplatz für die Nacht? Aber die Sorgen verschwanden schon nach wenigen Reisetagen, denn es funktioniert ja“, berichtet Wolfgang Kuschel. Alleine unterwegs zu sein, sei die wesentliche Herausforderung gewesen. Dass die Einsamkeit nützlich sein kann, weil sie Antrieb für Begegnungen ist, gehöre zu seinen neuen Erfahrungen. „Ich habe noch nie so viele fremde Menschen einfach so angesprochen“, sagt Wolfgang Kuschel. Auf herkömmliche Weise hat er Italien schon 35 Mal in seinem Leben bereist, kennt schon viele der klassischen Sehenswürdigkeiten, kann sich auf Italienisch gut verständigen. Die Wahrnehmungen beim Reisen mit dem Rad seien für ihn sehr intensiv gewesen. „Da werden sogar Kleinigkeiten am Wegesrand wichtig“, sagt er. Der Blick auf die Landschaft verändere sich und viel enger sei die Beziehung zu den Menschen, die er getroffen habe. „Wer allein reist, hat viel Zeit, darüber nachzudenken“, ergänzt Wolfgang Kuschel. Und so habe bei ihm, „Kommunalpolitiker und gelernter Katholik“, die Religiosität und das Politikverständnis der Italiener sehr kritische Gedanken, aber auch Lebensfreude und Humor geweckt.
In einem privaten Erinnerungsbuch hat er seine Erlebnisse aufgeschrieben. Von seinen Wahrnehmungen berichtet er in einem VHS-Vortrag am Freitag, 24. November, von 18 bis 20.15 Uhr an der Burgstraße 14 in Hannover. Die VHS-Dozentin Leonarda Del Nobile wird ihre Perspektive als Italienerin beisteuern. Es ist kein Radreisebericht, sondern eine Beschreibung der Kultur. Um formlose Anmeldung wird gebeten: Telefon (0511) 168 43 475 oder E-Mail anneguilaine.andre@hannover-stadt.de.