Gewalt gegen Kinder

Paul Gundert, Pastor
Vergangene Woche ist zu meinem Entsetzen auch Bischöfin Maria Jepsen zurückgetreten. Sie übernahm die Verantwortung für einen nicht strafrechtlich verfolgten sexuellen Missbrauch eines Pastors an Kindern. Es ist ungeheuerlich, was da im Bereich der Kirchen, evangelisch wie katholisch an sexuellem Missbrauch gegenüber Kindern in der Vergangenheit vorkam, und was da vertuscht wurde. So, damit kann ich mich in meinen Sessel zurücklehnen und sagen: die anderen waren es. Aber, so billig will ich es mir und ihnen nicht machen. Sexueller Missbrauch ist ja nur eine Form der Gewalt gegenüber Kindern. Es gibt andere, genau so schlimme Gewalt gegenüber Kindern und: es gibt ein Klima der Ablehnung und Unterdrückung von Kindern. Noch immer steckt in den Hirnen von Erwachsenen, dass Kinder sich unterordnen und anpassen müssen, dass die Erwachsenen über die Kinder hinweg entscheiden dürfen. Noch immer ist in diesem Land ein Kind ein Armutsrisiko. Über eine Million Kinder leben am sozialen Rand der Gesellschaft. Kinder tauchen in den Statistiken der Herrschenden als Rentengarantiepotential auf , und in der Werbung wird gezielt auf Kinderwünsche Produkte hin angepriesen, um Kinder den Marktstrategien und damit der Gewinnmaximierung der Unternehmen anzupassen. Offene oder versteckte physische oder psychische Gewalt gegenüber Kindern sind an der Tagesordnung, fast hat man sich daran gewöhnt. „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, so gehört ihr nicht in das Reich Gottes“, sagt Jesus. Wenn ihr nicht lernt Gott zu vertrauen, so wie Kinder ihren sie liebenden Eltern trauen, dann habt ihr im Reich Gottes keinen Platz. Jesus erinnert in seinem Umgang, wie wertvoll das Vertrauen ist, das Kinder Erwachsenen entgegenbringen, ist. Es liegt an uns allen, ob wir uns dieses Vertrauen als Erwachsene würdig erweisen.