Gewissheit, gewünscht zu sein

Wollen in die Zukunft investieren (von links): Elke Zach, Frank Diemert, stellvertretender Leiter, Birgit Niendorf, Leiterin der Fabrik, Marco Brunotte und Andreas Strauch.Foto: D. Lange

Fabrik: Hilfe für benachteiligte Jugendliche

Langenhagen (dl). „Bildung ist nicht alles, aber ohne Bildung ist alles nichts“:
Dieser Maxime fühlt sich seit 1980 das Aus- und Weiterbildungszentrum in der Fabrik Langenhagen verpflichtet. Deren Träger ist das Bildungswerk Niedersächsischer Volkshochschulen (BNVHS) , ein gemeinnütziges Dienstleistungsunternehmen für berufliche Fortbildung und Beschäftigungsförderung. In die Fabrik kommen in aller Regel benachteiligte Jugendliche und junge Erwachsene, die häufig keinen Schulabschluss oder keine Berufsausbildung besitzen, oft auch auf Grund mangelnder Unterstützung im Elternhaus, dazu Sprachprobleme und mitunter bereits eine Drogen- oder Alkoholkarriere, verbunden mit Schulden, hinter sich haben und die deshalb auf dem normalen Arbeitsmarkt chancenlos sind. Viele dieser Jugendlichen haben Defizite in den schulischen Fähigkeiten und es fällt ihnen schwer, sich zu konzentrieren und ein Gruppengefühl zu entwickeln. In der Fabrik haben sie die Möglichkeit einen Beruf zu erlernen, um auf Dauer ihr Leben selbst gestalten zu können. Dazu bietet die Fabrik Ausbildungsplätze, Umschulungen und Qualifizierungen an in den Bereichen Dienstleistungen und kaufmännische Berufe, Lagerlogistik, Garten- und Landschaftsbau und sie verfügt zudem über Ausbildungswerkstätten für die Holz- und Metallverarbeitung. Die Auszubildenden werden in der Fabrik in ihren Gruppen von dem Ausbilder, einem Lehrer und einem Sozialpädagogen begleitet, gehen zur Berufsschule, machen Betriebspraktika und erfahren über die Berufsausbildung hinaus auch Unterstützung bei der Wohnungssuche, der Schuldnerberatung und anderen Fragen. Die Stellenvermittlung für die Berufsanfänger im Anschluss an ihre Ausbildung und auch die Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsalltag und deren persönliche Stabilisierung in Bezug auf einen strukturierten Tagesablauf sind weitere Aufgaben des Fortbildungszentrums. Am Dienstag sprachen die SPD- Abgeordneten der Region, Elke Zach und Andreas Strauch und Marco Brunotte, SPD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag mit Birgit Niendorf, der Leiterin der Fabrik und ihrem Stellvertreter, Frank Diemert, um sich über die Arbeit der Fabrik zu informieren. Sie erfuhren dabei auch etwas über die zukünftigen Perspektiven des Fortbildungszentrums, die einigen Anlass zur Besorgnis geben. Zum einen sind das die Kürzungen im Bundeshaushalt für den Bereich Bildung in der Größenordnung eines zweistelligen Milliardenbetrags, wo doch gerade hier eher eine Erhöhung der finanziellen Mittel dringend geboten sei. Denn nicht nur in finanzieller Hinsicht ist es wesentlich sinnvoller, den Menschen ein selbstständiges Leben zu ermöglichen mit einem Einkommen, das sie ernährt, als eine Daueralimentierung von Arbeitslosen. Schließlich verschaffen eine Berufsausbildung und ein Arbeitsplatz den Menschen einen gewissen Lebensinhalt, stärken erheblich das Selbstwertgefühl und geben ihnen die Gewissheit, gewünscht zu sein. Das stellen die Ausbilder immer wieder fest bei den Auszubildenden, die am Ende ihrer Ausbildung die Einrichtung verlassen. Sie kommen aufgrund ihrer bisherigen Erfahrungen im Leben oft nur widerwillig. Aber am Ende wollen sie häufig gar nicht mehr weg. Für Marco Brunotte sind solche Einrichtungen deshalb zwar sehr wichtig, andererseits sind sie aber auch so etwas wie Reparaturbetriebe für gesellschaftliche und bildungspolitische Fehlentwicklungen und Versäumnisse. Außerdem werden die Berufsbildungsmaßnahmen zwar von der Agentur für Arbeit und den Jobcentern der Region ausgeschrieben, dennoch sind viele Ausschreibungen so gefasst, dass sie nur für Hannover gelten und sich deshalb die Fabrik mit Sitz in Langenhagen- also in der Region- nicht darauf bewerben kann. Das alles führe dazu, dass die Fabrik derzeit viel weniger Auszubildende hat, als es von ihrer Kapazität her möglich sei, damit aber auch weniger Einnahmen, was wiederum auf lange Sicht die Qualität der Arbeit der Fabrik beeinträchtigen könne, befürchtet Birgit Niendorf, die Leiterin und sie fragt sich, ob sich Investitionen in die Bildung in Zukunft noch rechnen würden.