Giftige Lichtquellen

Umweltschutzbeauftragte rät zur Sachlichkeit

Langenhagen (gg). Sie wird Öko-Birne genannt und ist eine Quecksilber-Schleuder, so die Botschaft der jüngsten TV-Sendung ZDFzoom, die eine multimediale Welle geschlagen hat. Seit dem 1. September ist die Glühbirne endgültig vom Markt verbannt. So hat es die Europäische Kommission beschlossen und damit den Umsatz der Hersteller von Energiesparlampen immens angekurbelt. Autorin Alexandra Pfeil hat herausgefunden, dass die Sparlampe zu ernsten Gesundheitsschäden führen kann. Fällt sie herunter und zerbricht, wird hochgiftiges Quecksilber freigesetzt, das über die Atemwege ins Gehirn gelangt. "Jedes bisschen Quecksilber macht ein bisschen dümmer", weiß Chemiker Gary Zörner in ZDFzoom und rät entschieden davon ab, sich Energiesparlampen in die Wohnung zu hängen.
Bekannt ist die Energiesparlampe für ihr flimmerndes Licht in grell weißer Farbe und daher für viele Verbraucher unattraktiv.
Umgehend und überraschend gab der Niedersächsische Umweltminister Stefan Birkner eine Stellungnahme ab: „Das Verbot von Glühlampen ist der falsche Weg“, sagt er und weiter, „es ist Ausdruck ökologischer Symbolpolitik, aktionistisch, bevormundend und überzogen. Die Alternative zu herkömmlichen Glühlampen bedeutet derzeit einen höheren Produktionsaufwand, mehr Giftstoffe und ein erhöhtes Sondermüllaufkommen“, so der Minister. „Die EU hat an der falschen Schraube gedreht: Kein Bürger hat etwas gegen energiesparende Geräte, aber es muss auch zur Glühlampe eine gleichwertige Alternative geben, dann kann jeder die Vor- und Nachteile selber abwägen.“ Weiter fordert Stefan Birkner: „Die Beleuchtung der Zukunft muss auch bezahlbar sein.“ Neben quecksilberhaltigen Energiesparlampen stehen jetzt noch Halogenlampen und LED-Lampen als Leuchtmittel zur Verfügung. Halogenlampen sollen gemäß europäischer Vorgaben bis 2016 ebenfalls vom Markt genommen werden. LED-Lampen haben einen sehr geringen Stromverbrauch und eine sehr lange Lebensdauer von mehr als 10.000 Stunden, sie sind aber noch recht teuer.
Auf Anfrage des ECHO rät die Umweltschutzbeauftragte der Stadt Langenhagen Marlis Finke zu einer kritischen Abwägung: „Aus Umweltsicht haben die Energiesparlampen klare Vorteile durch die erhöhte Energieeffizienz und bei normaler Anwendung sind wirkliche Gesundheitsgefahren nicht gegeben. Die „Panikmache“ in einigen Medien klärt leider nicht neutral auf, sondern schürt unnötig die Ängste der Verbraucher.“
Der Quecksilbergehalt in Energiesparlampen hat sich in den letzten Jahren stark reduziert auf derzeit unter 2 mg pro Lampe, so die Information von Marlis Finke. Trotz des sehr geringen Quecksilbergehalts sei die Umweltbilanz von Energiesparlampen positiv: Selbst wenn eine 11 Watt-Lampe am Ende ihres Lebens zerbricht, setzt sie nach Berechnungen der deutschen Umwelthilfe etwa ein Drittel weniger Quecksilber frei als eine vergleichbare 60 Watt-Glühbirne durch die Stromerzeugung aus Kohle.
Wegen der Bruchgefahr ist die Entsorgung über die Sondermüllsammelstellen sehr wichtig.
Zum Thema Recycling der Energiesparlampen gibt es in Langenhagen mehrere Annahmestellen für das zum Sondermüll gehörende Produkt: Hellweg Baumarkt (Westfalenstraße), REAL (Hans-Böckler-Str.), dm (Walsroder Str.) und Expert im CCL. Auch alle Wertstoffhöfe von aha und Baumärkte in Nordhannover nehmen die ESL zurück.
Tipp: Unter www.lightcycle.de erhält man die entsprechenden Annahmestellen für seinen Ort. Es wird nur ein kleiner Teil der Energiesparlampen als Sondermüll eingelagert, das Quecksilber wird vollständig recycelt.