Gregor Brill nannte Zahlen

Gregor Brill informierte zum Thema Pflege beim Treffen der Senioren-Union. (Foto: G. Gosewisch)

Vortrag bei der Senioren-Union überraschte

Krähenwinkel (gg). Oft geht es bei den Gesprächstreffen der Senioren-Union im Jägerhof um gesellschaftliche Probleme. Theorie und Praxis sollen bei Lösungsvorschlägen unter einen Hut gebracht werden, das wäre der Idealfall. Nun hatte Eckhardt Keese, Vorsitzender der hiesigen Senioren-Union, das Thema Pflegereform vorgegeben und den Pflege-Experten Gregor Brill als Referenten eingeladen. Er erteilte der politischen Betrachtung eine gehörige Absage. Auf Eckhardt Keeses Hinweis, Minister Hermann Gröhe fordere genügend Personal für fachgerechte und menschenwürdige Pflege, entgegnete Gregor Brill schlicht: „Alle fordern das, aber keiner tut was dafür“. Schnell wurde klar, dass er als Geschäftsführer des Seniorenheims Bachstraße prägnant informiert, frei von Worthülsen. Es gelang ihm, die Pflege-Reform in wenigen Sätzen zu erklären, und er benannte unverblümt den Dreh- und Angelpunkt: Beträge in Euro. Wie hoch ist das Pflegegeld je Pflegegrad? Wie viel Geld bekommt ein beauftragter Pflegedienst und wie viel Geld bekommt ein Pflegeheim je Patient. Gregor Brill nannte Zahlen und zeigte auf, dass jeder gefordert sei, je nach eigenem Budget zu rechnen, was buchbar ist und was nicht. „Die Pflegeversicherung ist wie eine Teilkasko“, sagte er und jedem Zuhörer war sofort klar, wie das System funktioniert. Mehr noch, er rüttelte auf. Mit Sätzen wie „Der eigene körperliche Zustand ist nicht planbar“ und „keiner verändert im Alter freiwillig seine persönliche Situation“ regte er das Nachdenken über die eigene Situation an. Gregor Brill erklärt: „Ich freue mich immer, wenn ich Menschen über das Thema Pflege informieren kann, bevor sie in die Verlegenheit kommen. Wir erleben in unserer täglichen Beratung immer wieder, dass die Menschen gar keine Ahnung haben und wir immer wieder bei Null anfangen.“ Er empfiehlt, eine geeignete Pflegeeinrichtung auszusuchen, wenn man körperlich dazu noch in der Lage ist. Eine Entscheidung auf Hörensagen sieht er kritisch. Sein Tipp: „Jede Einrichtung hat Vor- und Nachteile, die individuell anders beurteilt werden. Gehen Sie dahin, wo Sie für sich ein gutes Gefühl haben.“