Groß oder klein: Die Probleme ähneln sich

Eintrag ins Gästebuch der Stadt Langenhagen: Christian Ude, umringt von Genossen aus Langenhagen und der Region sowie Stadtbaurat Carsten Hettwer (4. von links).Foto: O. Krebs

Münchener Oberbürgermeister Christian Ude besucht Amtskollegen Friedhelm Fischer

Langenhagen (ok). Zwei Münchener in Hamburg – eine Fernsehserie mit Uschi Glas und Elmar Wepper, die Anfang der 90er-Jahre ausgestrahlt worden war, und die Erfahrung zweier Bajuwaren im hohen Norden unterhaltsam thematisierte. Für einen anderen Münchener ging es mit dem Flieger nicht ganz so weit in den Norden – Stadtoberhaupt Christian Ude (SPD) schaute in Langenhagen vorbei, und auch hier entwickelte sich im Rathaus eine locker-flockige Plauderei zwischen dem Bürgermeister aus dem tiefen Süden der Republik, unserem Bürgermeister aus Krähenwinkel, Verwaltungsmitarbeitern sowie diversen Genossen aus Langenhagen und der Region. Mit dabei: Stefan Schostok, der sich anschickt, Oberbürgermeister Hannovers zu werden. Nicht völlig überraschend die Meinung Udes, dass Schostok fast schon im Chefsessel des Rathauses der Landeshauptstadt und „seine“ SPD die „Verpflichtung“ habe, die Wahl im Januar zu gewinnen. Er selbst muss übrigens im Spätsommer in die Bütt, will Horst Seehofer als bayerischen Ministerpräsidenten beerben und als erster sozialdemokratischer Landesvater seit mehr als 55 Jahren ins Maximilianeum einzuziehen. Auf jeden Fall gehen für den 65-Jährigen dann 20 Jahre an der Spitze der drittgrößten Stadt Deutschlands zu Ende.
Zwei Jahrzehnte, in denen er eine Menge Erfahrungen in der fast 1,5 Millionen Einwohner zählenden Metropole gemacht hat, die er nach dem Vorgeplänkel in Sachen Wahlkampf mit belastbaren Fakten und Statements untermauerte. Und dabei wurde deutlich, dass die große Stadt im Süden der Republik und die Stadt am Rande Hannovers, die etwa drei Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner Münchens hat, oft vor ähnliche Probleme gestellt sind. Stichwort sozialer Wohnungsbau: Sowohl in Langenhagen als auch in München fehlt bezahlbarer Wohnraum für eine gewisse Klientel – ein Problem, dass die Kommune nach Ansicht der beiden Verwaltungschefs letztendlich ausbaden müsse. Landtagsabgeordneter Marco Brunotte brachte Beispiele aus ganz Niedersachsen, die durchaus auch für Bayern gelten. Denn: So wie in Niedersachsen gibt es auch da Boomtown-Regionen und strukturschwache Regionen. Sind es hier vornehmlich Harz, Küste und das Wendland, sind die Sorgenkinder im Süden große Teile Frankens. Zurück nach Niedersachsen: „150.000 Wohneinheiten fehlen bis 2031 auf der einen Seite, auf der anderen Seite müssten aber auch 120.000 Einheiten eigentlich vom Markt genommen werden“, sagt Brunotte mit Blick auf den demografischen Wandel. Thema frühkindliche Betreuung ­ in einer Stadt wie München anscheinend noch viel drastischer als hierzulande. München will bis zum 1. August dieses Jahres– also dem Stichtag, ab dem es einen gesetzlichen Anspruch auf Betreuung gibt – eine Quote von 63 Prozent erreichen, in Langenhagen werden es nach Aussage Friedhelm Fischers wohl etwa 35 Prozent sein. Sein Amtskollege Christian Ude hat festgestellt: „Je größer das Angebot ist, desto schneller steigt auch die Nachfrage.“
Und im Norden wie im Süden heißt es unisono: Fachkräfte Mangelware. Was die Ganztagsbetreuung angeht, so sieht Ude in Bayern noch einen großen Nachholbedarf. Sein Bundesland gehöre in dieser Sache zu den drei deutschen Schlusslichtern. Eine Platzierung, die er als Ministerpräsident sicher verbessern will. Ob er allerdings den Freistaat regieren darf, hängt nicht zuletzt vom Abschneiden der Grünen und der Freien Wähler ab. Denn „seine“ SPD kommt nach jüngsten Umfragen lediglich auf 19 Prozent, die CSU dagegen auf 47 Prozent.