Großes Jubiläumskonzert zum 140-jährigen Bestehen

Die Liedertafel Kaltenweide mit ihrem Leiter Holger Pohl (links). Fotos: K.Raap
 
Der alte und der neue Vorsitzende: Fritz Wimbert (links), fast 30 Jahre im Amt und jetzt Ehrenvorsitzender, und sein Nachfolger Reinhard Brendel.

Liedertafel Kaltenweide am Sonnabend, 6. Juni, in der Liebfrauenkirche

Kaltenweide (kr). Mit einem großen Jubiläumskonzert am Sonnabend, 6. Juni, feiert der Männergesangverein Liedertafel Kaltenweide sein 140-jähriges Bestehen. Die Veranstaltung findet ab 16 Uhr in der Katholischen Liebfrauenkirche an der Karl-Kellner-Straße 67 statt. Der musikalische Leiter Holger Pohl hat die Liedertafel in intensiven Proben bestens auf das Großereignis vorbereitet und ein abwechslungsreiches Programm mit vielen populären Melodien erarbeitet. Er ist übrigens schon seit 15 Jahren als Dirigent dabei, auch das ein kleines Jubiläum. Der Gesangsverein hat sich für dieses Konzert auch interessante Gäste eingeladen. Dazu zählen die Sopranistin Stephanie Walter, Pianist Lei Zhang und das fünfköpfige Bläserensemble „5 auf Blech“. Durch das Programm führt Hartmut Gerberding. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten. Zum Programm zählen unter anderem Melodien wie „Ach die Weiber“, Santa Lucia“, der Jägerchor aus der Oper „Der Freischütz“ und „An der schönen blauen Donau“. Von Udo Jürgens erklingen unter anderem „Mit 66 Jahren“ und „Aber bitte mit Sahne“. Als echte Gassenhauer gelten „Was machst du mit dem Knie lieber Hans“, „Er heißt Waldemar“ und die „Juliska aus Budapest“.
Ein Blick zurück auf die bewegte Geschichte der Liedertafel, dem ältesten Verein Langenhagens. Es war der junge Gast- und Landwirt Heinrich Höhne, geboren 1839, ein begeisteter Sänger und Musikliebhaber, der die Initiative zur Gründung der Chorgemeinschaft hatte. Im Jahr 1875 lud er mit einem Aufruf alle sangesfreudigen Männer aus Kaltenweide und Umgebung in seine Gastwirtschaft ein, um mit ihnen einen der ersten Männerchöre der Region zu gründen. Elf gleichgesinnte Bürger folgten der Einladung und erweckten gleich an diesem Abend die Liedertafel zum Leben. Und Heinrich Höhne stellte nicht nur den Übungsraum zur Verfügung, sondern sich selbst auch als Dirigent. Wie jung der Verein damals im Altersdurchschnitt war, zeigt damals auch die Wahl des ersten Präsidenten: Mit diesem verantwortungvollen Amt wurde der erst 21-jährige Fritz Bostel betraut, der diese Position bis 1920 ausübte. Geprobt wurde jeden Freitag, immer mehr Sangesfreudige schlossen sich dem Verein an und stellten sich bald mit Konzerten der Öffentlichkeit vor. Die seit 1909 vollständig erhaltenen Protokollbücher und die später zur Hundertjahrfeier von Adolf Dedecke erarbeitete Vereinsgeschichte verraten über die nüchternen Berichte von Generalversammlungen hinaus vieles über die Höhenflüge aber auch Flauten, die der Verein in seiner wechselvollen Geschichte erlebte. Zu den Dirigenten zählte damals der frisch nach Kaltenweide versetzte Lehrer Matthies. Während des 1. Weltkriegs ruhte der Probenbetrieb, dennoch traf man sich regelmäßig, um den Chor am Leben zu halten. Als Wilhelm Gerberging dann Fritz Bostel, der bereits 44 Jahren im Amt war als 1. Vorsitzenden ablöste, ging es mit einigen Neuzugängen auch musikalisch weiter. Das 50jährige Jubiläum feierte der MGV am 21. und 22. Juni 1925 mit 23 Gastvereinen. Die rundum gelungene Veranstaltung gab dem Verein wieder einen neuen Schub. 1927 übernahm Fritz Bostel jun. die Führung der Sänger-Gemeinschaft. Mit dem Nazi-Regime musste die Liedertafel ab 1936 im Zuge der Gleichschaltung Mitglied im Deutschen Sängerbund werden. Und auch im Zweiten Welkrieg wurden die Sanges-Aktivitäten eingestellt. Die erste Generalversammlung nach dem Krieg ging am 12. Januar 1949 über die Bühne. Und mit Paul Tarras übernahm wieder ein Kaltenweider Lehrer die Chorleitung. Am 17. und 18. Juni 1950 traf sich die Liedertafel unter der Präsidentschaft von Heinrich Thürnau mit 20 Gastvereinen und unzähligen Bürgern zu einem großes Fest anlässlich des 75-jährigen Bestehens. In den nächsten Jahren gab es erhebliche Rückschläge, bewirkt von zu vielen Wechseln im Vorstand und Problemen mit einigen Mitgliedern. Mit den neuen Vorsitzenden Fridrich Wimbert, zunächst nur für ein Jahr im Amt, und dann Adolf Dedecke, ging es dann tatsächlich wieder bergauf. Das alle anderen Geschehnisse überragend Ereignis im Jahr 1975 war die Hunderjahrfeier mit einer Reihe vorzüglicher Gastchöre.
Frischen Wind in die Vereinsarbeit brachten Gunther Ehlers als Schriftführer und Friedrich Wimbert, der zum zweiten Mal zum 1. Vorsitzenden gewählt wurde und dieses Amt bis 2015 ausübte. Er bleibt dem Chor jedoch als Ehrenvorsitzender und als Sänger erhalten. Sein Nachfolger heißt Reinhard Brendel. Bereits im Januar 1969 hatte der Verein mit großer Mehrheit einen erneuten Chorleiterwechsel initiiert. Der neue Mann hieß Paul Laufenburg, seit zehn Jahren Bürger der Ortschaft. Diese Verpflichtung sollte sich für die Liedertafel als Glücksfall erweisen. Denn der Sohn eines nicht nur im „Kohlenpott“ hochgeschätzten Musikdirektors erwies sich auf Anhieb als begabter Chorleiter und talentierter Pianist, der die musikalischen Geschicke des Vereins über 30 Jahre lang fest in den Händen hielt und die Liedertafel zu beträchtlichen Leistungssteigerungen führte. Laufenburg erwarb sich ganz besondere Verdienste, als er beim Ausbau des Dachgeschosses durch die örtlichen Vereine des Zelleriehauses als Koordinator wirkte. Sein Nachfolger heißt seit dem 125-jährigen Jubiläum im Jahr 2000 Holger Pohl, auch ein Garant für die kontinuierliche Weiterführung des Klangkörpers. Nicht zu vergessen: 1976 wurde der Liedertafel Kaltenweide die Zelter-Plakette verliehen, allerdingst erst ein Jahr nach dem 100. Jubiläum. Diese als staatliche Auszeichnung gedachte Idee wurde 1956 von Bundespräsident Theodor Heuss gestiftet. Sie gilt als besonders hohe Ehrung für erfolgreiches Wirken eines Chores für die langjährige Pflege der Chormusik und des deutschen Volksliedes. Neben den zahlreichen Ständchen für besondere Jubiläen und Geburtstagsfeiern hat sich in den letzten Jahrzehnten für die Liedertafel ein bunter Reigen musikalischer Auftritt und Konzerte herausgebildet, in Kaltenweide, im übrigen Langenhagen, in Hannover und auch über die Grenzen der Landeshauptstadt hinaus.