Gute Nachrichten für Kitas?

Fachkräfte für Sprachförderung sind schwer zu finden

Langenhagen. „Zwei Langenhagener Kindertagesstätten werden zukünftig vom Bund als Sprach-Kitas gefördert“, so die aktuelle Mitteilung der SPD-Bundestagsabgeordnete Caren Marks aus dem Bundesfamilienministerium. Die Kitas Stadtmitte und Veilchenstraße erhalten je eine halbe Fachkraftstelle für die Sprachförderung. Das ECHO fragte dazu bei Stephanie Emmel, städtische Fachberaterin „Kitas und Kinderschutz“, nach.

ECHO: Wie kam es, dass der Bund die Langenhagener Kitas ausgesucht hat?
Stephanie Emmel: „Das Bundesprogramm Sprach-Kitas richtet sich an Kitas, die von einem überdurchschnittlich hohen Anteil von Kindern mit besonderem sprachlichem Förderbedarf besucht werden. Die Einrichtungen mussten sich zunächst per Interessenbekundung bewerben und wurden dann vom Land ausgewählt. Danach erfolgte ein aufwendiges Antragsverfahren an den Bund. Das Bundesprogramm Sprach-Kitas baut auf den erfolgreichen Ansätzen des Programms `Schwerpunkt-Kitas Sprache & Integration` (durchgeführt in den Jahren 2011 bis 2015) auf und erweitert diese. Schwerpunkte des Bundesprogramms Sprach-Kitas sind neben der sprachlichen Bildung die inklusive Pädagogik sowie die Zusammenarbeit mit Familien. Die Sprach-Kitas erhalten im Bundesprogramm gleich doppelte Unterstützung: Die Kita-Teams werden durch zusätzliche Fachkräfte mit Expertise im Bereich sprachliche Bildung verstärkt, die direkt in der Kita tätig sind. Diese beraten, begleiten und unterstützen die Kita-Teams bei der Weiterentwicklung der alltagsintegrierten sprachlichen Bildung. Zusätzlich finanziert das Programm eine zusätzliche Fachberatung, die kontinuierlich die Qualitätsentwicklung in den Sprach-Kitas unterstützt. Sie qualifiziert die Fachkräfte innerhalb eines Verbundes von rund 15 Sprach-Kitas. Langenhagen bildet einen Verbund mit den Städten Uetze, Lehrte, Laatzen und Burgdorf."

ECHO: Werden die Fachkräfte neu eingestellt und wie werden die Fachkräfte gefunden?
Stephanie Emmel: "Die Einrichtungen Emmaus und die Kita Stadtmitte konnten das bewährte und qualifizierte Personal weiter beschäftigen. Die Kita Veilchenstraße war auch im letzten Programm ausgewählt worden, konnte aber kein Personal mit den für diese Stelle erforderlichen Qualifikationen finden. Die 19,5-Stunden-Stelle wird für dieses Programm neu ausgeschrieben."

ECHO: Welche Bedingungen sind an die Förderung gekoppelt?
Stephanie Emmel: "Es konnten sich ausschließlich Einrichtungen beteiligen, die am Stichtag 1. März 2015 mindestens 40 Kinder (ohne Schulkinder) betreuen.
Das Kriterium `überdurchschnittlich hoher Anteil von Kindern mit besonderem Bedarf an sprachlicher Bildung und Sprachförderung` wird entweder sozialräumlich durch die Länder bestimmt oder auf Grundlage der durchschnittlichen Landesquote der Kinder, in deren Familien überwiegend nicht deutsch gesprochen wird beziehungsweise der durchschnittlichen Landesquote der von der Kita-Beitragszahlung vollständig oder teilweise befreiten Familien.
Die Einrichtungen müssen bereit sein, sich mit anderen Kindertageseinrichtungen zu einem Verbund zusammenzuschließen, der von einer zusätzlichen Fachberatung angeleitet wird.
Mit der Umsetzung des Bundesprogrammes sind zusätzliche Aufgaben für die Einrichtungsleitung verbunden, wie beispielsweise Beteiligung an Inhouse-Schulungen, Teamentwicklung oder Weiterentwicklung der Einrichtungskonzeption.
Die Leitungskraft muss für Steuerungs-, Koordinierungs- und konzeptionelle Weiterentwicklungsaufgaben zur Verfügung stehen. Es muss in regelmäßigen Abständen die Umsetzung und Entwicklung in Form eines Monitoring Umsetzung und erfolgen."

ECHO: Was verändert sich für die Kita-Kinder?
Stephanie Emmel: "Frühe Bildung und Förderung sind die Grundlage für die Chancengleichheit von Kindern, insbesondere von Kindern mit ungünstigen Startbedingungen. Ein Schlüssel für Chancengleichheit liegt in der nachhaltigen Entwicklung pädagogischer Praxis und Qualität im Bereich der sprachlichen Bildung in diesen Kitas. Ziel ist es, das sprachliche Bildungsangebot in den teilnehmenden Einrichtungen systematisch zu verbessern. Mit dem Konzept der alltagsintegrierten sprachlichen Bildung wird der Kita-Alltag in seiner Gesamtheit darauf ausgerichtet, den Spracherwerb anzuregen und zu fördern. Für die Gestaltung der Lern- und Bildungsprozesse im Kita-Alltag ist es wichtig, dass sich alle Kinder und ihre Familien unabhängig von ihrer Herkunft und ihrer Lebenssituation wahr genommen und akzeptiert fühlen. Dazu braucht es eine Kommunikationskultur, die soziale Vielfalt wertschätzt und die Teilhabe aller unterstützt."