Guter Glaube allein reicht nicht mehr

Politisches Kalkül um Hallenfreibad GmbH

Godshorn (gg). Die Aussprache zur prekären Situation der Hallenfreibad-GmbH in der jüngsten Ortsratssitzung ließ viele Fragen offen. Einwohner wollten wissen, ob die Schließung droht, womöglich in einigen Tagen. Ortsbürgermeister Willi Minne verwies auf die laufende betriebswirtschaftliche Prüfung seitens der Stadtverwaltung. „Der Bad-Betrieb hat Jahre lang gut funktioniert, wir waren in gutem Glauben“, kommentierte Ulrich Weyel, SPD-Ortsratsmitglied und TSV-Vorstandsmitglied. Er wies damit die Vorwürfe zurück, die Vereine, die Anteilseigner der GmbH sind, seien ihrer Kontrollfunktion nicht nachgekommen. Mit der Politik sei man sich einig, die Pforten des Bades für Schwimmer offen zu halten, wie geplant, bis das neue Bad fertig gebaut und eröffnet ist. „In welcher Form auch immer, das wissen wir noch nicht“, sagte Ulrich Weyel.
Seit 17 Jahren gewährt die Stadtverwaltung der Hallenfreibad-GmbH einen jährlichen Betriebskostenzuschuss – eine vertraglich verankerte Pflichtleistung in Höhe von 562.000 Euro. Der Bilanzgewinn ist laut Bundesanzeiger geschrumpft: Im Jahr 2013 lag dieser bei 93.664 Euro, im Jahr 2014 nur noch bei 45.444 Euro. Klar ist der Stadtverwaltung mindestens seit Juni, dass die GmbH Liqiditätsprobleme hat. Geschäftsführer Stefan Otte wendete sich mit einem entsprechenden Brief an Bürgermeister Mirko Heuer. Bestätigung gab sein Referent Roman Sickau aber erst am vergangenen Dienstag. Warum so spät? Hinter vorgehaltener Hand hat die Schieflage der GmbH längst die Runde gemacht. Zumal die Sportvereine GmbH-Gesellschafter sind und über die Bilanzen im Bilde, ist zu unterstellen, dass die prekäre Lage hinreichend bekannt war – frühzeitig auch dem Bürgermeister. Es ist ein in der Relation zum gewährten Betriebskostenzuschuss kleiner Betrag, der fehlt, um der GmbH über die Runden zu helfen. Gemunkelt wird eine Summe von rund 70.000 Euro. Konnte GmbH-Geschäftsführer Stefan Otte davon ausgehen, dass sich der Bürgermeister und die Politik wohlwollend zeigen und unbürokratisch aushelfen? Oder wurde er hingehalten und nun vorgeführt? Gerät das Hallenfreibad öffentlich in Verruf, unwirtschaftlich zu sein, relativiert sich die Kritik am neuen Bad mit erheblich höheren Eintrittspreisen.