Gymnasium will Klassenfahrten streichen

Lehrer drohen Landesregierung wegen Verpflichtung zur Mehrarbeit

Langenhagen (ok). Die Gymnasiallehrer haben die Faxen dicke, setzen sich gegen die Landesregierung zur Wehr. Im Klartext geht es um die Entscheidung des Kultusministeriums, die Unterrichtsverpflichtung um eine Stunde auf 24,5 heraufzusetzen und die versprochene Altersermäßigung bei der Stundenzahl zu kappen. „Wir sind alle sehr motiviert im Kollegium, aber mit der Stunde Mehrarbeit ist es unmöglich, dass große Angebot, das außerhalb des regulären Unterrichts und im Freizeitbereich läuft, aufrecht zu erhalten“, sagt Lehrerin Ute Neuhaus vom Personalrat. Ihr Kollege Felix Thren rechnet vor: „Durch die Sparzeit in sechs Jahren habe ich etwa ein halbes Zeitjahr kostenlos gearbeitet.“ Bei der Personalversammlung hat sich die überwiegende Mehrzahl der Lehrerinnen und Lehrer – 62 von 65 Anwesenden, dem Kollegium gehören insgesamt etwa 80 Pädagoginnen und Pädagogen an – dafür ausgesprochen, auf die Anordnungen aus Hannover zu reagieren. Die Spitze des Eisbergs sei erreicht. Daher drohen die Lehrerinnen und Lehrer des Gymnasiums jetzt damit, mehrtägige Klassenfahrten ab dem kommenden Schuljahr zu streichen, falls das Land seine Pläne in die Tat umsetzen sollte. Austauschprogramme und Workshops sollen davon allerdings nicht betroffen sein, der Schulalltag in normalen Bahnen weiterlaufen. Die Schüler sind nicht gerade begeistert von den Absichten ihrer Lehrer, äußern aber auch Verständnis. Schließlich hätten diese als Beamte wenig Möglichkeiten, ihrem Unmut Luft zu machen. Ob sie selbst protestieren wollen, können sie noch nicht sagen. Schülervertreter Maximilian Nussbaum aus Jahrgang 12: „Da mache ich mir in den Herbstferien Gedanken drüber.“ Die Kollegen des Gymnasiums sehen die Ankündigung von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt als eklatanten Vertrauensbruch, gerade die älteren Lehrerinnen und Lehrer würden um die Erstattung ihrer geleisteten Mehrarbeit betrogen. Die Androhung der Streichung der Klassenfahrten sei unumgänglich, die Lehrerinnen und Lehrer bitten in einem Elternbrief um Verständnis und hoffen auf eine Solidarisierung der betroffenen Eltern- und Schülerschaft. Das kann er zumindestens vom CDU-Landtagsabgeordneten Rainer Fredermann erwarten. Die CDU-Landtagsfraktion habe seit Beginn der Legislaturperiode vor einer Benachteiligung der Gymnasien gewarnt. Die wegfallenden Stundenreduzierungen seien ein ganz klarer Vertrauensbruch; Gesamtschulen würden bevorzugt und bei der Lehrerausstattung deutlich besser berücksichtigt. Lehrer suchten nach Wegen, um ihre Befürchtungen artikulieren zu können. Die Drohung, Klassenfahrten ausfallen zu lassen, sei allerdings der falsche Weg, hier könnten wertvolle Erfahrungen gesammelt werden, der Konflikt dürfe nicht auf dem Rücken der Schülerinnen und Schüler ausgetragen werden. Das sieht sein SPD-Kollege Marco Brunotte natürlich genauso; der Protest gehe in die falsche Richtung, das Gespräch mit Landesregierung und Parlament solle stattdessen gesucht werden. Für die „Zukunftsoffensive Bildung“ würden bis 2017 420 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung gestellt werden; für Bildung insgesamt mehr als eine Milliarde. „Umschichtungen im Haushalt“ seien daher unerlässlich. Daher die Beschlüsse, die das Gymnasium betreffen. Denn: „Auch nach dieser Erhöhung befinden sich die Lehrkräfte an Gymnasien im Vergleich zu anderen Schulformen in Niedersachsen und im Ländervergleich am unteren Ende der Regelstundenzahlen.“