Hagelfeiertag…

Während ich diese Zeilen schreibe, höre ich draußen den Donner. Heute gingen die Nachrichten vom Unwetter in Nordrhein-Westfalen durch Funk und Fernsehen. Bilder von entwurzelten Bäumen, Schlammlawinen auf den Straßen und beschädigten Dächern sind auf den Nachrichtenseiten im Internet zu sehen. Auch in Niedersachsen gab es massive Schäden. Da klingt Hagelfeiertag doch eher zynisch.
Wahrscheinlich haben nur die Älteren von uns von einem Hagelfeiertag im kirchlichen Jahreskreis gehört. In vielen ländlichen Gegenden wurde im Frühsommer der Hagelfeiertag begangen. In älteren Zeiten war es eine Erinnerung an schlimme Unwetter und Überschwemmungen und die Bitte an Gott, das Land von solchen Unwettern zu verschonen. Die Abhängigkeit der Menschen vom Wetter und folglich einer guten Ernte war überlebenswichtig. An diesem Tag wurde ein Gottesdienst gefeiert bei dem für eine gute Ernte gebetet wurde. Also ein Bittgottesdienst, indem es eher darum ging, dass der Hagel, das Unwetter, die Dürre oder die Überschwemmung die Ernte nicht zerstört. Uns heute liegt ein solches Bitten um eine gute Ernte fern. Die Versorgung mit Lebensmitteln und allen anderen Gütern ist eine solche Selbstverständlichkeit, dass wir schon das Wissen um die Produktion und Herkunft dieser Grundlagen unseres Lebens vergessen haben. Unwetterschäden? Nicht schlimm, so eine Betroffene im Radio, zahlt ja die Versicherung. Alles scheint für uns wohlgeordnet und Not ist uns fremd. Das ist auch gut so.
Und dennoch: Es muss uns wieder bewusst werden, dass sich dieses Leben auch ganz schnell ändern kann. Deshalb ist es auch gut, wenn wir uns erinnern und uns klar ist: Selbstverständlich ist hier gar nichts. Die Unwetter der letzten Tage machen sehr deutlich, dass die Naturkräfte von uns Menschen vielleicht gelindert werden können aber nicht beherrschbar sind. Hier heißt erinnern, sich auch an Gott zu erinnern und sich nicht nur auf die Technik und Chemie zu verlassen. Auch in Zeiten, wo die Naturwissenschaft uns alle Phänomene erklärt, ist die Bitte an Gott, unsere Lebensgrundlage zu erhalten, wegweisend: Die Lebensgrundlage ist nämlich mehr als das Essen: Dazu gehören auch Freunde, Wohnung, Kleidung. Alles nicht so selbstverständlich wie ich es in meiner täglichen Arbeit mit Menschen, die auf der Straße leben müssen, erlebe. Deshalb Hagelfeiertag: Danke dass es uns gut geht (Von der Not sind wir verschont) und Bitte das es auch in Zukunft gut bleibt.

Holger Hornbostel, Diakon