Heuschrecken sind Bioindikatoren

Jugendliche kartierten Heuschrecken auf der Kreyen Wisch. (Foto: K. Woidtke)

NAJU findet Westliche Dornschrecke in Krähenwinkel

Krähenwinkel. Mit diesem besonderen Fund hatte nicht einmal Projektleiter Ricky Stankewitz gerechnet: Im Rahmen ihres von der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung geförderten Projektes "Heuschrecken als Bioindikatoren" fanden NAJU-Mitglieder auf der NABU-Fläche Kreyen Wisch am Stucken-Mühlen-Weg die Westliche Dornschrecke, die in Niedersachsen in der Roten Liste als "stark gefährdet" eingestuft wird und nur vereinzelt zu finden ist. „Wir können mit Stolz berichten, dass wir mit Kreyen Wisch einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt geleistet haben und auch gefährdeten Heuschreckenarten eine neue Heimat bieten. Der Nachweis der Westlichen Dornschrecke bestätigt unsere Arbeit einmal mehr“, erklärt Ricky Stankewitz.
Mit einer Körperlänge von nur sieben bis zehn Millimeter zählt die Westliche Dornschrecke (Tetrix ceperoi) nicht unbedingt zu den Riesen unter den Heuschrecken. Sie ist auf offene Feuchtlebensräume (Gewässerufer mit wenig Vegetation) angewiesen und überwintert unter Wasser. Die flugfähige Art ist dafür bekannt, neue Lebensräume schnell zu besiedeln. Um absolut sicher zu sein, dass es sich bei der gefundenen Dornschrecke wirklich um diese seltene Art handelte, holte sich Stankewitz Rat bei Experten, die bei der exakten Bestimmung behilflich waren. Umso erfreulicher war es dann für die Jugendlichen um Projektleiter Stankewitz sowie die Betreuerinnen Christine Pracht und Silke Brodersen, dass sie tatsächlich auf die rare Art aus der Ordung der Kurzfühlerschrecken gestoßen waren.
Durch die Förderung der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung waren Kescher und Präzisionslupen angeschafft worden, die an diesem Nachmittag neben dem Bestimmungsbuch eine wichtige Hilfe für die Jugendlichen waren. Mit dem Kescher zogen sie über die Wiesenflächen, um anschließend ihre Funde in Becherlupen zu setzen. Einzeln wurden die Heuschrecken durch einen Bestimmungsschlüssel analysiert. Im dazugehörigen Buch konnte dann entsprechend nachgeschlagen werden und die exakte Bestimmung erfolgen. „Ohne die Präzisionslupen wäre das so nicht möglich gewesen“, sagt Ricky Stankewitz. Er war außerdem begeistert von dem großen Interesse, das die Jugendlichen an diesem Nachmittag wieder einmal zeigten.
Auf der Projektfläche Kreyen Wisch, die im Winter 2015/16 durch den NABU Langenhagen renaturiert wurde, konnten außer der Westlichen Dornschrecke noch zehn weitere Heuschreckenarten kartiert werden. Die Jugendlichen fanden das Große Grüne Heupferd (Tettigonia viridissima), das zu einer der größten bei uns vorkommenden Langfühlerschrecken zählt, die Langflügelige Schwertschrecke (Conocephalus fuscus), den Braunen Grashüpfer (Chorthippus brunneus), den Verkannten Grashüpfer (Chorthippus mollis), Roesels Beißschrecke (Metrioptera roeselii), die Große Goldschrecke (Chrysochraon dispar), den Feldgrashüpfer (Chorthippus apricarius), den Nachtigall-Grashüpfer (Chorthippus biguttulus), den Wiesengrafhüpfer (Chorthippus dorsatus) und die Säbel-Dornschrecke (Tetrix subulata).