"Hier lässt sich Geld verdienen"

Bürgermeister Friedhelm Fischer (links) hatte die Konservenfabrik Sava in Bijeljina bereits im August besucht; jetzt kam Inhaber Milorad Krstic zum Gegenbesuch nach Langenhagen. Foto: A. Hesse

Unternehmer Milorad Krstic ist beim Business-Frühstück zu Gast

Langenhagen (he). Auf dem Balkan lässt sich für deutsche Unternehmer Geld verdienen – wenn sie es richtig anpacken. Diese Botschaft brachte Milorad Krstic jetzt mit zum Business-Frühstück des Wirtschaftsklubs, zu dem in dieser Woche die Stadt Langenhagen in den Ratssaal eingeladen hatte.
Krstic, im bosnischen Bijeljina geborener Unternehmer, der aufgrund seiner Biographie in Deutschland ebenso zuhause ist wie in Bosnien-Herzegowina, besitzt Fabriken verschiedener Branchen am Bodensee, in Serbien und in Bijeljina. Hier hat er im Dezember 2009 aus einer Insolvenzmasse die Konservenfabrik Sava gekauft – verwahrloste, heruntergekommene Produktionshallen auf einem weitläufigen Grundstück. Um den damaligen Zustand der Produktionsanlagen zu beschreiben, bemüht Krstic den Regisseur Alfred Hitchcock: Der hätte hier perfekte Bedinungen für die Inszenierung seiner Gruselfilme vorgefunden, so der Unternehmer.
1947 war der Gemüse und Obst verarbeitende Betrieb am Rande von Bijeljina gegründet worden; durch den Bürgerkrieg in Jugoslawien wurde die Unternehmenstradition unterbrochen. Mit dem Kauf durch Milorad Krstic kann jetzt an frühere Zeiten angeknüpft werden: Geschätzte 2.000 bis 4.000 Arbeitsplätze in der Landwirtschaft hängen heute wieder direkt oder indirekt an der Konservenproduktion der Firma Sava. Verarbeitet wird hier alles, was Felder und Obstplantagen hergeben: von Aprikosen über Gurken und Bohnen bis hin zur Roten Bete. Etwa 180 Menschen haben hier Arbeit gefunden, zum Teil allerdings nur als Saisonkräfte. Im kommenden Jahr sollen es nur noch etwa 150 sein: „Man muss automatisieren“, sagt Milorad Krstic.
Das Lohnniveau in Bosnien-Herzegowina ist mit dem in Mitteleuropa nicht zu vergleichen: 200 bis 300 Euro verdient ein Arbeiter, der Meister 400 bis 500 Euro, und selbst ein Ingenieur geht mit nur 500 bis 700 Euro nach Hause. Die Spitzengehälter in den Führungsetagen liegen bei höchstens 1.500 Euro: „Angesichts dieser Löhne können wir auf dem Balkan Geld verdienen“, sagt Unternehmer Krstic. Er will seine Investitionen in die Firma Sava auch nicht als sozialen Akt verstanden wissen – sollte die Sache mit dem Verdienen in Bijeljina nicht klappen, wird er das Werk ebenso schnell wieder verkaufen, wie er es im vergangenen Jahr erworben hat. Die Rahmenbedingungen lassen jedoch hoffen: Politik und Verwaltung seien sehr bemüht zu helfen, sagt Krstic; darüber hinaus hätten die Mitarbeiter alles getan, was in ihren Kräften liegt. Und das ist eine ganze Menge: Sechs Monate lang wurde bei Sava an sieben Tagen in der Woche jeweils zwölf Stunden gearbeitet – ohne einen einzigen freien Tag. „In Deutschland wäre das nicht möglich gewesen“, sagt Milorad Krstic, der für das Engagement und die Zuverlässigkeit seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Bijeljina nur lobende Worte findet. Dennoch hat er für die Frühstücksgäste im Ratssaal auch mahnende Worte parat: „Kaufen Sie auf dem Balkan niemals ein bestehendes Unternehmen“, empfiehlt er – kein Mensch könne ahnen, welche Altlasten in Sachen Lohnzahlung, Zinsen oder Umweltschutz daran hingen. „Gerade auf dem Balkan ist man in dieser Hinsicht sehr fantasievoll“, so Krstic. Doch der Unternehmer skizziert auch gleich einen Ausweg: „Sorgen Sie dafür, dass das Unternehmen pleite geht und kaufen Sie es dann aus der Insolvenzmasse – damit haben Sie einen unbelasteten Neuanfang“, lautet sein Rat. Auch die Firma Sava kam auf diesem Wege in seinen Besitz – und die landwirtschaftlich geprägte Region Semberija zur Chance auf einen wirtschaftlichen Neuanfang.