IGS als eine „gute Schule für alle“

Auf dem Podium (von links): Eberhard Brandt, Susanne Pavlidis, Wolfgang Kuschel, Frauke Heiligenstadt und Stefan Schostok.Foto: O. Krebs
 
Die IGS Langenhagen gehörte zu den ersten sieben Gesamtschulen in Niedersachsen.Foto: O. Krebs

Siebter Gesamtschultag: Wohin führt der Weg in der Zukunft?

Langenhagen (ok). Wohin geht die Reise an den Gesamtschulen? Eine Frage, die sich die Vertreterinnen und Vertreter beim siebten Gesamtschultag der Region Hannover stellten. In diesem Jahr standen in Langenhagen vor allen Dingen die drei Stichworte Integration, Innovation und Inklusion im Mittelpunkt; IGS-Schulleiter Wolfgang Kuschel blickte in seinem Eingangsreferat nicht nur zurück – die Integrierte Gesamtschule Langenhagen war 1971 eine der ersten im Land, sondern vor allen Dingen voraus, was eine „gute Schule für alle“ ausmacht. Forderungen, die im Raum stehen und heute wie damals aktuell sind, beispielsweise der Abbau ungleicher Bildungschancen und das soziale Lernen in der Ganztagsschule. Und natürlich auch die unbedingte Schülerzugewandtheit,die Schülerinnen und Schüler standen unverrückbar im Mittelpunkt, die Lehrerbedürfnisse hintenan. Die frühen Gesamtschulen seien Reformmotoren gewesen. Kuschel: „IGS-Pädagogik, das war und ist in der Summe nicht einfach eine Art, Unterricht zu gestalten. IGS-Pädagogik, das war und ist eine innere Haltung.“ Nach der Lockerung durch die Regierung Weil gibt es mehr als 69 Integrierte Gesamtschulen in Niedersachsen, im Sommer kommen acht oder neun hinzu, in Langenhagen die zweite. „Die weißen Flecken auf der IGS-Landkarte werden weniger“, so Wolfgang Kuschel. Darüber hinaus würden auch die Kooperativen Gesamtschulen wohl eher als Auslaufmodell gesehen; In Göttingen werde gerade eine KGS in eine IGS umgewandelt; dann gibt es in der südniedersächsischen Universitätsstadt nur noch Gymnasien und Integrierte Gesamtschulen. „Eine gute Gesamtschule ist immer auch ein Lebensraum, ein Erfahrungs- und Lernraum, der räumlich Voraussetzungen schafft und Anregungen bietet für vielfältige pädagogische und menschliche Erfahrungen. Ihr seid die IGS von Morgen und müsst definieren, wie die Gesamtschule Morgen aussehen soll. Ihr müsst entscheiden, ob ihr euch in die Tradition der Gesamtschulbewegung stellen und Gesamtschule als innere Haltung begreifen wollt“, gab Kuschel seinen Kolleginnen und Kollegen aus der Region Hannover vor den Workshops am Gesamtschultag mit auf den Weg.
Und bei der abschließenden Podiumsdiskussion mit Eberhard Brandt von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und Susanne Pavlidis vom Gesamtschulverband sowie Kultusministerin Frauke Heiligenstadt und Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok und Moderator Wolfgang Kuschel – so zu sagen eine „Diskussion unter Freunden“ waren sich alle Akteure einig, dass die Integrierte Gesamtschule gerade im Zeitalter der Inklusion eine „wahre Alternative“ zum dreigliedrigen Schulsystem darstellen müsse. Eine Zwei-Klassen-IGS-Gesellschaft mit einer Schule nach „altem Adel“ sei nicht sicher nicht erstrebenswert, so Susanne Pavlidis. In einem Plädoyer, für das sie viel Applaus bekam, forderte Elternvertreterin Susanne Wöbbekind die Politiker auf, die Gesamtschulen in ihrem Windschatten mitzunehmen. Diese Schulform, die eine „Schule mitten im Leben“ ist, habe immer kämpfen müssen. Alle waren sich auf jeden Fall einig: Die Gesamtschulen – vor allen Dingen die Neugründungen – brauchen mehr Unterstützung struktureller Art – zum Beispiel durch Organisationsänderungen im Kultusministerium, einen speziellen Gesamtschuldezernenten. Viele Steine, die durch die alte Landesregierung in den Weg gelegt worden seien, sollen von Rot-Grün weggeräumt, die Gesamtschule den Gymnasien gleichgestellt werden. Allerdings seien die 260 Millionen Euro, die in den nächsten Jahren in Niedersachsen in die Bildung investiert werden, nicht mehr als der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein. Ob die 7 in diesem Fall wirklich eine Glückszahl ist, wie es die didaktische Leiterin der IGS, Ulrike Bodenstein-Dresler, hofft, wird sich noch herausstellen. Fakt ist auf jeden Fall, dass die IGS die erfolgreichste Schulform Niedersachsens werden soll.