Immer hautnah dabei

Dr. Edda Zessin und Praktikantin Aleksandra hören Jan Gundelach gründlich ab. Foto. S. Matthias
 
Ihm gefällt das Praktikum: Nico Bittner. Foto: J. Gundelach
 
Bekommt die Probleme in den Griff: Yannick Ruße. Foto: J. Gundelach

Zehntklässler des Gymnasiums sammeln Erfahrungen im Praktikum

Langenhagen (jg). „Es ist schon eine Umstellung, dass ich jetzt um 5.30 Uhr aufstehen muss, doch man gewöhnt sich daran“, erzählt Nico Bittner, der in der Produktion von RICOH in Hannover sein Praktikum absolviert. So wie Nico erleben auch ungefähr 150 andere Schülerinnen und Schüler des zehnten Jahrgangs des Gymnasiums aktuell zwei Wochen lang viel Neues und haben einiges an Erlebnissen zu berichten. Neben Nico erzählen noch vier weitere Gymnasiasten der Klasse 10C, wie es ihnen im Praktikum ergeht. Er ist bei RICOH an der Vahrenwalder Straße in der Vorinstallation der Multifunktionsgeräte (unter anderem Kopieren, Drucken und Faxen), die er an die individuellen Wünsche der Kunden anpasst, in der ersten Schicht bis 14 Uhr tätig. Ihm gefällt seine Arbeit. „Ich bin handwerklich interessiert und will anpacken“, sagt Nico. „Ich habe mir das Praktikum auch so vorgestellt und die Arbeit mit den Druckern macht mir Spaß, auch wenn ich mir manchmal wünsche, an die teureren Modelle gehen zu dürfen.“ Besonders gefalle ihm der zwischenmenschliche Umgang bei RICOH, denn es bestehe bei allen eine große Hilfsbereitschaft. Er brauche nur jemanden zu fragen und schon werde ihm geholfen. Das bestätigt auch sein Mitschüler Yannick Ruße, der ebenfalls bei RICOH – jedoch wegen seines Interesses an Computerarbeit in der Supportabteilung – sein Praktikum absolviert. Dort befasst sich Yannick mit spezieller Software, um bei fertiger Ware auftretende Probleme digital in den Griff zu bekommen. „Dabei haben mir meine Programmierkenntnisse auch schon ein wenig geholfen. Ich bin meistens aufmerksamer Beobachter und deshalb nicht immer ausgelastet, aber ich lerne trotzdem Einiges und die Arbeit ist entspannt und macht Spaß.“ Auf die Frage, was mehr Spaß mache, Schule oder das Praktikum, antwortet Nico wiederum: „Das Praktikum macht mehr Spaß, weil es sich mit den eigenen Interessen deckt. In der Schule gibt es immer Fächer, die einem nicht so gefallen.“ Beide sehen ihre Erwartungen bestätigt und sind sich einig, was die Berufsvorstellungen angeht: „Die Richtung stimmt.“
Auch Jule Lichtenberg, Praktikantin im Architekturbüro Schulze & Partner in der Nähe des Zoos, glaubt mit der Architektur einen durchaus geeigneten Berufzweig gefunden zu haben. Zu ihren Aufgaben gehören der Entwurf eines Traumhauses, das damit verbundene maßstabgerechte Zeichnen sowohl mit Bleistift, als auch im Laufe der Zeit am Computer, Baustellenbesuche und die Teilnahme an dortigen Besprechungen. „Ich habe nicht gewusst, dass dieser Beruf so vielseitig ist“, gesteht Jule. „Mir ist erst vor Kurzem klar geworden, wie oft Absprachen untereinander und mit den anderen Produzenten nötig sind.“ Der betreuende Architekt betont, dass Architekten keine Künstler, sondern Dienstleister seien, die bei Privatkunden oft auch als Fachmann für Gestaltung eine beratende Funktion einnehmen würden. Es gebe viele Schritte zwischen der Idee und dem Bau. „Es ist interessant, auf den Baustellen die unterschiedlichen Stadien des Baus mitzuerleben“, meint Jule, die das Entwickeln von Ideen und das Zeichnen mag. „Mich macht die anspruchsvolle Arbeit glücklich, aber besonders freue ich mich schon auf das Zeichnen am Computer.“
Ebenfalls anspruchsvoll ist das Praktikum von Franziska Richter an der Friedrich-Ebert-Schule. Dort begleitet sie meistens die Grundschullehrerin Rosmarie Beckmann in ihren Unterricht und assistiert dort als Ansprechpartnerin der Schüler, wenn diese Schwierigkeiten mit Aufgaben haben. Sie übernimmt Verantwortung sowohl beim Probealarm als auch beim Ausflug in den „Park der Sinne“ in Laatzen am Mittwoch. „Es ist schon ziemlich stressig. Ich habe bereits mit den Schülern einen Tanz einstudiert und darf am Donnerstag sogar eine eigene Schulstunde zum Thema Schmecken organisieren. Dabei habe ich gemerkt, dass auch viel zuhause gemacht werden muss, um eine Schulstunde gut vorbereiten zu können“, erkennt Franziska. Der Umgang mit Kindern gefalle ihr und sie seien schon richtig anhänglich geworden. Es mache ihr grundsätzlich Spaß aber sei auch anstrengend und sie wisse noch nicht, ob Lehrerin ein passender Beruf für sie darstelle, aber auf jeden Fall sei diese Zeit nicht nur für die Schüler, sondern auch für sie lehrreich. Zum Abschluss ihres Praktikums ist bereits ein zusammen bereiteter Obstsalat in Planung.
In der Arztpraxis von Dr. Edda Zessin an der Walsroder Straße ist Aleksandra Trojan unterdessen wortwörtlich hautnah dabei. Sie hat in ihrer ersten Woche von morgens um 7.30 Uhr an bis abends das Spektrum der Allgemeinmedizin kennen gelernt und miterlebt, indem sie bei fast jeder Untersuchung dabei sein durfte. Sie begleitet die Hausärztin auch bei Hausbesuchen oder in das Altenheim. „Am ersten Tag war es schon ziemlich viel auf einmal, aber ich bin froh über die zahlreichen Aufgaben, die ich schon übernehmen durfte, wie das Reflextesten, das Messen des Blutdrucks, das Fühlen des Pulses, das Inspizieren des Rachens oder das Arbeiten mit einem Stethoskop oder einer Urinprobe. Ich konnte mir vorher gar nicht vorstellen, was Ärzte alles machen müssen oder zu beachten haben. Mir war nicht klar, dass sie an vielen Stellen an das Gesetz gebunden sind. Auch einige Vorurteile, wie zum Beispiel, dass Ärzte nur teure Autos fahren, wurden nicht bestätigt.“
Edda Zessin versucht ihre Praktikantin und auch viele andere für die Medizin zu begeistern, weil qualifizierter Nachwuchses aus den eigenen Reihen gebraucht werde. Sie ist sich mit Aleksandra einig, dass ihr Beruf nicht langweilig aber auch unkalkulierbar ist. „Man erlebt dabei auch Krankheits- oder Lebensgeschichten, die berühren. Und durch die Kommunikation und die Untersuchung fühlt man sich den Menschen sehr verbunden“, stellt Aleksandra fest. Sie ist begeistert von den Behandlungen und begegnet Neuem nicht ängstlich, sondern mit Neugier, jedoch weiß sie noch nicht, ob sie sich der großen Verantwortung einer Ärztin später gewachsen fühlt. Nach der aufregenden ersten Woche hat die Praxis nun vorläufig geschlossen, um das Betriebssystem der Computer zu modernisieren. In dieser Zeit wird Aleksandra nun auch vermehrt mit dem Management einer Praxis konfrontiert werden.
Diese fünf aufregenden Praktika und alle anderen haben alle eines gemeinsam: Sie machen klar, was mit diesem Beruf einhergeht und hinterlassen Erinnerungen, die lange im Gedächtnis bleiben.