In Godshorn hängt der Haussegen schief

Detlef Euscher ergriff in der Sitzung erbost das Wort. Nicht zuletzt wegen der Diskussion um die Flüchtlingsunterkunft Am Moore hatte der frühere Ortsbürgermeister nach 45 jahren sein SPD-Parteibuch abgegeben. (Foto: D. Lange)

Wütende Proteste der Anwohner gegen Flüchtlingsunterkünfte

Godshorn (dl). Ihr gemeinsamer, geharnischter Protest gegen das Vorhaben von Stadt und Region, auf der Ausgleichsfläche an der Straße Am Moore eine Reihe von Flüchtlingsunterkünften zu bauen, trieb die Godshorner am Montag in Scharen zur Bürgerversammlung ins Dorfgemeinschaftshaus, das dem Ansturm kaum gewachsen war. Für die Meisten von ihnen blieben da nur noch Stehplätze übrig. Ihr Widerstand, der gelegentlich auch schon mal die Grenze zur Polemik überschritt und ins Persönliche abdriftete, richtete sich nicht nur gegen das Vorhaben an sich, sondern auch gegen die, in ihren Augen, mangelhafte Informationspolitik des Ortsrates und der Stadtverwaltung. Für die Stadt dagegen wird es langsam eng. Auf Grund der aktuellen Zahlen an Flüchtlingen, die Woche für Woche in Langenhagen ankommen und die die Stadt unterbringen muss, werden geeignete Grundstücke wie auch die Plätze in den vorhandenen Unterkünften knapp, zumal sie nach wie wie auf eine dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge setzt, wo sie, zur Vermeidung von sozialen Konflikten, von den ehrenamtlichen Helfern und den städtischen Sozialarbeitern, besser betreut werden können. In diesem Zusammenhang hat die Verwaltung 60 Standorte im ganzen Stadtgebiet auf ihre Eignung und Verfügbarkeit überprüft, von denen sich elf in Godshorn befinden. Nebenbei gesagt, gab es dagegen an allen 60 untersuchten Standorten Proteste von den jeweiligen Anwohnern. Vielerorts wurden Anwälte bemüht und Interessengemeinschaften gegründet gegen die Bauvorhaben. „Wenn darüber hinaus weitere Grundstücke dazukommen sollten, dann nicht als Alternative für bereits vorhandene, sondern zusätzlich“, betonte die die erste Stadträtin und Sozialdezernentin Monika Gotzes-Karrasch. In diesem Punkt sind die Kommunen angesichts des Zustroms von Flüchtlingen und Asylbewerbern, und das nicht nur in Langenhagen, mittlerweile zu Getriebenen geworden. Zunächst hatten sich die Standorte Am Moore und Grenzheide als diejenigen mit den besten Grundvoraussetzungen gezeigt, denn gleichzeitig haben Kommunen auch den politischen Auftrag, nachhaltig bezahlbaren und ausreichenden Wohnraum für Menschen mit geringem Einkommen zu schaffen. Auf der Freifläche Am Moore sollen Modulbauten für die Dauer von etwa zehn Jahren für zunächst 68 Asylbewerber entstehen. Zu den Wohnungen mit 58 und 89 Quadratmeter für drei und fünf Personen gehört ein Gemeinschaftshaus mit einem großen Gruppenraum sowie ein Außengelände mit Spielmöglichkeiten für Kinder. Beschafft und gebaut werden die Unterkünfte, deren Beschaffenheit und äußere Gestaltung noch nicht in allen Einzelheiten bekannt ist, von der Region und betrieben werden sie von der Stadt. Der Ausgangspunkt des Konflikts ist das Projekt der Region zur Beschaffung von Flüchtlingsunterkünften zur Unterstützung der Kommunen. Die Beschaffungsvereinbarung ging am 10. März an die Stadt und wurde am 15. März mit der Region abgeschlossen. Daher wies Bürgermeister Heuer auch den Vorwurf mangelnder Informationen zurück und fragte: „Was hätten wir denn bekanntgeben sollen, wenn wir die Informationen von der Region selber erst am 10. März erhalten haben. Jetzt liegen die Pläne auf dem Tisch und jetzt können wir Sie auch darüber informieren. Würden sich Ihre Argumente dagegen denn ändern, wenn wir Sie hätten früher informieren können?" Eher nicht, denn nach dem Willen der Anwohner sollten an dieser Stelle, wenn überhaupt, nur hochwertige Häuser gebaut werden, die sich in ihrer Größe und äußerem Erscheinungsbild der bereits vorhandenen Bebauung angleichen und keine gesichtslosen Flüchtlingsheime. Ein weiterer Vorwurf, den einer der Anwohner äußerte, zielt in die gleiche Richtung. Darin geht es um die strengen Vorgaben im damaligen Bebauungsplan bezüglich der äußeren Gestaltung ihrer Häuser und den zwangsläufig damit verbundenen, hohen Kosten für die Bauherren. „Und jetzt werden die Bauvorschriften aufgehoben, um überall solche Flüchtlingsheime zu bauen“, empörte er sich. Der Ortsrat in Godshorn sprach sich mehrheitlich gegen das Vorhaben aus, votierte aber für eine Beibehaltung der Beschaffungsvereinbarung mit der Region und forderte weitere Prüfungen der Standorte,