Israel ist ein buntes Land
Eine Annäherung mit den Mitteln des Theaters
Langenhagen (he). Was bleibt von einer zehntägigen Reise durch Israel? „Daten, Fakten, Orte“, verlangt der Versuchsleiter des Theaterexperiments in kategorischem Ton. „Bauen Sie Israel – Sie sollen handeln!“ Die vier Versuchsobjekte im hellen Scheinwerferlicht gehen zögernd an die Arbeit, errichten Wege und Mauern aus Steinplatten, geben Orten wie Jerusalem, Nazareth, Shibli und den Golanhöhen einen wie zufällig gewählten Ort. Nur Minuten später verweigern sie dem Versuchsleiter die Gefolgschaft, bringen ihn zum Schweigen – mit „Daten, Fakten, Orten“ werden sie dem, was diese Reise für sie bedeutet, nicht gerecht.
Das Theaterexperiment „Gesichter Israels“ in der Aula des Schulzentrums ist so etwas wie eine Fortsetzung – auch wenn es in sich abgeschlossen ist. Bereits im Juli hatten die vier „Versuchsobjekte“ Nicola Behrens, Inga Dreßler, Dalia Kellou und Paula Stöckmann unter der Regie von Hendrik Becker ihre Vorstellungen von Israel in ein Theaterexperiment einfließen lassen; spielerisch tastend und gleichzeitig sehr konzentriert hatten sie sich damals dem bekannten, unbekannten Land angenähert. Im Oktober reisten die vier Schülerinnen der IGS Langenhagen dann mit dem Langenhagener Verein für internationale Jugendbegegnungen selbst in die Kleinstadt Shibli nahe Jerusalem, lebten dort in palästinensischen Familien und erkundeten verschiedene Regionen des Landes. „Allein die Erfahrung zählt“, sind sie nach ihrer Rückkehr überzeugt, und so erscheint denn auch der zweite Teil des Theaterexperiments, wieder unter der Regie von Hendrik Becker erarbeitet, heiterer und zugewandter als die erste Aufführung, die allein auf Gelesenem und Gehörtem aufbaute.
Große Gastfreundschaft haben die Israelreisenden erlebt, offene Menschen und herrliche Gerüche in den Gassen Jerusalems, aber auch Händler, die sie in bester Freundschaft über den Tisch zogen, stinkende Müllberge in den Straßen und die unfassbare Monstrosität der Grenzmauer. Beeindruckt hat sie die Individualität der unter dunklem Stoff verborgenen Frauen ebenso wie die Modernität vieler junger Mädchen, die vielerorts wahrnehmbare militärische Präsenz ebenso wie das daraus resultierende Unwohlsein. Die theatralischen Mittel sind so einfach wie wirkungsvoll – ein paar Steine, die ebenso Wege und Städte wie Grenzmauern sind, breites Klebeband, das den Körper wie die Seele einschnürt und aus Angst, Bedrohung und Misstrauen gemacht ist, Wannen voller bunter Farbe, die zum Ende des Experiments Bühne und Versuchsobjekte prägen und die Erfahrung vermitteln, die für die Theatermacher wohl die entscheidende ist: „Israel ist ein buntes Land – manchmal gefährlich und immer unheimlich spannend.“ Die Zuschauer folgen dem Theaterexperiment wie gebannt, und am Ende gibt es großen Applaus für eine überzeugende Leistung.




