Jagd nach der verlorenen Zeit

Bürgermeister Mirko Heuer gab den Startschuss für das Langstreckenrennen über sechs Runden. (Foto: D. Lange)
 
Gratulation für den Sieger Haftom Weldaj gab es von Verlagsleiter Thorsten Schirmer und ein Gutschein für ein Paar neue Laufschuhe. (Foto: D. Lange)

54. Silbersee-Lauf mit Teilnehmer-Rekord

Langenhagen (dl). Der Boden ist noch nass vom morgendlichen Regen, der See liegt im Dunst und trägt eine dünne Eisschicht. Bunt gewandete Menschen hasten durch den Sand an seinem Ufer entlang im Laufschritt auf dem Weg zu ihrer persönlichen Bestzeit, angefeuert von zahlreichen Fans und anderen Läuferkollegen, die gerade Pause haben. Bei Temperaturen von etwa sechs bis acht Grad ist es offenbar ein guter Tag zum Laufen und auch der Sand am gegenseitigen Ufer ist hinreichend fest und macht das Laufen nicht allzu beschwerlich, auch wenn das von den Läufern unterschiedlich bewertet wird. In seiner langen Geschichte hat sich der Silbersee-Lauf fast zu einem Massenevent entwickelt. Immer mehr Fans, immer mehr Teilnehmer kommen. Rund 600 Läufer hatten sich zur diesjährigen 54. Ausgabe des Traditions-Crosslaufs eingeschrieben. Das schafft logistische Probleme, über die seitens des Veranstalters LAC Langenhagen für das bevorstehende Jubiläum im nächsten Jahr bereits intensiv nachgedacht wird. Allein die Mannschaft des neu entstandenen Teams „Langenhagen läuft“ nahm mit über 60 Mitgliedern an dem Lauf teil, gilt dieser doch als eine wichtige Vorbereitung für das große Ziel: die Teilnahme am Zehn-Kilometer-Lauf im Rahmen des Hannover-Marathon im April. Bei diesem Rennen wird auch Haftom Weldaj aus Eritrea dabei sein, der Sieger des 7,8-Kilometer-Laufs. Für ihn, der für den TSV Pattensen startet und der in seiner kurzen Laufkarriere bereits alle 14 Volksläufe, an denen er bisher teilnahm, gewonnen hat, seien die sechs Runden um den Silbersee eine vergleichsweise leichte Übung gewesen. „Heute war es leicht“, sagte er. Wer ihn laufen sieht, ist geneigt, dem zuzustimmen. Scheinbar mühelos setzte sich er in der zweiten Runde in Führung vor dem 243 Läufer starken Feld und legte bald 70 Meter zwischen sich und dem nächsten Verfolger, Dirk Schwarzbach von Hannover 96. In dieser Reihenfolge gingen die beiden denn auch in das Ziel, dicht gefolgt vom acht Jahre jüngeren Henrick Wagner von der LG Braunschweig. Der Vorjahressieger Sven Kiene von Hannover 96 Triathlon musste sich diesmal mit Platz Fünf zufrieden geben. Schnellste Frau im Rennen war Gwendolyn Mewes vom LAC mit einer knappen 31er Zeit und damit deutlichem Abstand zur Zweiten, Maya Hildebrand vom TUS Bothfeld 04 sowie Mandy Krause von Post SV Lehrte als Drittplatzierte. Die Geschichte von Haftom Weldaj, dem Sieger des Hauptlaufs, kann durchaus als ein gutes Zeichen für eine gelungene Integration gelten. Weldaj kam 2015 als Flüchtling aus Eritrea nach Deutschland. Sein Weg führte ihn über Äthiopien, den Sudan und die Schweiz nach Pattensen, wo er von Friedrich Weber und seiner Familie quasi als ein neues Familienmitglied aufgenommen wurde. Sein sportlicher Werdegang begann sogar erst in Pattensen und zwar mit dem Sportabzeichen. Weber ist Stützpunktleiter Sportabzeichen in der Gemeinde südlich von Hannover und erkannte sehr bald Weldajs Lauftalent. Derzeit trainiert Haftom Weldaj für die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft. Wenn er nicht läuft, büffelt er Vokabeln in seinem Sprachkurs und strebt eine Ausbildung im Elektrohandwerk an.