Kampf gegen selbst gewählte Opferrollen

Die Diplom-Künstlerin Anne Brömme stellt ihre Bilder im VHS-Treffpunkt an der Konrad-Adenauer-Straße aus. (Foto: G. Gosewisch)

Seichte, harsche und humorvolle Töne beim Frauen-Abend

Langenhagen (gg). Überraschende Wendungen gab es nun beim VHS-Frauen-Kulturfest, gestaltet von Shirin Schikowsky, VHS-Bereich Kunst, Kultur, Kreativität, im Treffpunkt an der Konrad-Adenauer-Straße. „Wir wollen uns die Steine anschauen, die noch aus dem Weg geräumt werden müssen auf dem Weg zur Geschlechtergerechtigkeit“, sagte sie bei der Begrüßung und schloss sich damit den Grußworten von VHS-Leiterin Annette von Stieglitz an, die zudem die Kampagne „He for She“ empfahl, bei der Männer zu Botschaftern der Frauen-Interessen gemacht werden.
In bewährter Weise gab es beim VHS-Frauenkulturfest drei Themenabschnitte. Zunächst wurde eine Bilderausstellung eröffnet: „Gegenüber sein“ der Diplom-Künstlerin und Wahl-Hannoveranerin Anne Brömme widmet sich der Formensprache und arbeitet mit einer Steigerung von Struktur und Farbklang. „Es ist bei Weitem nicht nur Improvisation“, sagte sie ergänzend zu der verklärten Bilderbeschreibung der Kuratorin Anna Grunemann, die in der Arbeit von Anne Brömme die „maximale Offenheit mit Absichtslosigkeit“ sieht. Aus ihrer Sicht sind die Bilder ein Appell, der Intuition zu trauen. Überhaupt führe das Vertrauen auf die Intuition jedermann zum wahren Sein, was sie mit zahlreichen Zitaten klassischer Dichter belegte.
Diesem Schwärmen für die Kunst folgte im zweiten Themenblock des Abends ein Donnerwetter. Betriebswirtin Helma Sick und die ehemalige Familienministerin und SPD-Bundestagsabgeordnete Renate Schmidt stellten ihr Buch „Ein Mann ist keine Altersvorsorge“ vor und riefen Frauen zum eigenverantwortlichen Handeln auf. Nicht die Männer seien Schuld an der Opferrolle, in der sich viele Frauen befinden. Vielmehr liege es in der Macht der Frauen, ihre Interessen zu wahren und dafür einzustehen. Aber, „wer es zu bequem hat, protestiert nicht“, meint Renate Schmidt. So würden viele Frauen die Annehmlichkeiten in einer Partnerschaft nur zu gern annehmen, die Unannehmlichkeiten aber verdrängen. „Wer heute den Kopf in den Sand steckt, knirscht morgen mit den Zähnen“, so der Versuch der Autorinnen, Frauen wach zu rütteln, die noch nicht an die eigene Altersvorsorge und an die drohende Altersarmut gedacht haben. Renate Schmidt setzt sich vehement für die Abschaffung des Ehegatten-Splitting ein, Helma Sick bezifferte den volkswirtschaftlichen Schaden und die Belastung der Alleinerziehenden, die für die Hausfrauen-Ehen die staatliche Subventionierung erarbeiten.
Der dritte Themenabschnitt des VHS-Abends bot ausgefeilten Wortwitz. Die Kabarettistin Karin Berkenkopf alias Frieda Braun gab mit ihrem Programm „Rolle vorwärts“ im daunstärs kabarettistische Lösungen für Lebensfragen und -krisen und rundete den Abend mit beschwingter Leichtigkeit ab.