"Kampf“-Grillen für die Beschäftigten von UPS

Vertreter der Politik, Abgeordnete der IG Metall und Mitglieder anderer Betriebsräte solidarisierten sich mit den Ver.di-Aktion. (Foto: D. Lange)

Event der Gewerkschaft Ver.di vor den Toren von UPS Langenhagen

Langenhagen (dl). Der US-amerikanische Logistikriese UPS mit Hauptsitz in Atlanta/Georgia beschäftigt weltweit etwa 435 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 220 Ländern und Gebieten. Ein Gesamtzustellvolumen von 4,6 Mrd. Paketen und Dokumenten und einem Gesamtumsatz von 48,8 Milliarden US-Dollar im Jahr 2014 macht UPS damit zum Branchenprimus auf dem Weltmarkt. Am Standort Langenhagen sind rund 1.100 Mitarbeiter beschäftigt, die Mehrzahl von ihnen in den Bereichen Umschlag, Be- und Entladung und Sortierung. Während die angestellten Fahrer noch in Vollzeit übertariflich entlohnt werden, sieht es bei den, überwiegend nichtdeutschen, Beschäftigten in den genannten Arbeitsbereichen anders aus. Hier überwiegen befristete Verträge mit einer vertraglich festgeschriebenen Arbeitszeit von lediglich dreieinhalb Stunden am Tag. Aus diesem Grund sind die Beschäftigten geradezu darauf angewiesen, möglichst regelmäßig viele Überstunden zu machen, womit sie wiederum zu einer jederzeit beliebig manipulierbaren Verfügungsmasse für das Unternehmen gemacht werden. Und die Arbeit ist nicht leicht. Eine körperlich schwere und anstrengende, einseitig belastende Arbeit, die auf Dauer, Untersuchungen von Arbeitsmedizinern belegen das, die Gesundheit der Beschäftigten akut gefährdet, denn die Pakete können durchaus schon mal bis zu 50 Kilo und mehr wiegen. Hinzu kommt, dass befristete Verträge beliebig oft verlängert werden. Die Gewerkschaft Ver.di hat, nach eigener Aussage, angesichts solcher Praktiken bundesweit bereits etliche Kämpfe gegen das Logistikunternehmen UPS ausfechten müssen. Ver.di wirft dem Paketdienstleister einen eklatanten Mangel an sozialer Verantwortung gegenüber seinen Beschäftigten vor sowie eine undemokratische Unternehmenskultur nach dem Prinzip Befehl und Gehorsam. Dazu gehört weiter eine systematische Behinderung gewerkschaftlicher Arbeit im Unternehmen, fadenscheinige Abmahnungen gegenüber gewerkschaftlich organisierter Mitarbeiter bis hin zu Kündigungen und Klagen als weitere Punkte auf einer langen Liste von Vorwürfen gegen das UPS-Managment. Im Vorfeld der Wahlen zum Betriebsrat vor drei Jahren am Standort Langenhagen hatte es bereits eine ganze Reihe von Vorfällen mit anschließenden Klagen vor dem Arbeitsgericht gegeben. Mangelnde Informationen des Wahlvorstands, auch und vor allem für die überwiegend nicht Deutschsprachigen Mitarbeiter waren seinerzeit der Grund für die Klagen, denen letztendlich sowohl das Arbeitsgericht wie auch in zweiter Instanz das Landesarbeitsgericht in allen Anklagepunkten stattgegeben hat. Zusätzlich übte die Geschäftsleitung massiven Druck aus gegen Ver.di, die organisierten UPS-Mitarbeiter und gegen die geplante Einsetzung eines gewerkschaftsnahen Betriebsrates. Inzwischen hat Ver.di auch die letzte Anfechtung der damaligen Betriebsratswahlen vor dem Landesarbeitsgericht gewonnen, woraufhin der zuletzt amtierende Betriebsrat zurückgetreten war. Vor dem Hintergrund der in Kürze anstehenden Neuwahlen veranstaltete Ver.di ein gemeinsames „Kamp“Grillen mit Informationen, kostenlosen Würstchen und Getränken vor der UPS-Niederlassung am Rehkamp, von 12 Uhr mittags bis 6 hr am nächsten Morgen. Möglichst viele der UPS Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf diesem Weg mit ihrer Ver.di-Liste „Frischer Wind“ für einen gewerkschaftsnahen und arbeitnehmerfreundlichen Betriebsrat zu gewinnen, war dabei das vordringliche Ziel der Aktion. Es passt dabei durchaus ins Bild, dass das Unternehmen die vor seinem Betriebsgelände, aber auf öffentlichem Grund und Boden stattfindende und von der Stadt genehmigte Aktion mit allerlei fragwürdigen Mitteln zu verhindern suchte. Letztlich aber erfolglos. Begleitet wurde die Aktion unter anderem von einigen Bundestags- und Landtagsabgeordneten wie Jutta Krellmann, Die Linke, Thomas Schremmer, Die Grünen, Marco Brunotte, SPD, sowie Mitgliedern anderer Betriebsräte, die sich mit der Ver.di-Aktion und deren Zielen solidarisierten. Von der Geschäftsführung in Langenhagen gab es keine Stellungnahme.