Kein "Frauen und Gedöns"

Diskutierten eifrig: Bianca Beyer, FDP (von links), Rainer Fredermann, CDU, Christina Mundlos, Thela Wernstedt, SPD und Elke Twesten, Bündnis 90/Die Grünen. (Foto: O. Krebs)

Offene Fragen am Weltfrauentag diskutiert

Langenhagen (dl). Auch wenn die Zuschauerkulisse bei der Podiumsdiskussion anlässlich des Weltfrauentages noch recht übersichtlich blieb an diesem Abend, so könnte die Premiere im Ratssaal dennoch ein Anfang gewesen sein, künftig öfter und in ähnlicher Form nicht nur über das bisher Erreichte, sondern auch über die nach wie vor offenen Fragen zu sprechen. Neben der Gleichstellungsbeauftragten Christina Mundlos diskutierten die Politikwissenschaftlerin und zweite stellvertretende Vorsitzende der Liberalen Frauen, Bianca Beyer, FDP, dazu Rainer Fredermann als männlicher Verteter in der Runde und Landtagsabgeordneter für Burgwedel, Isernhagen und Langenhagen von der CDU, die Diplom-Finanzwirtin und frauenpolitische Sprecherin der Bündnis 90/Die Grünen im Landtag, Elke Twesten, sowie die Landtagsabgeordnete Thela Wernstedt, Fachärztin für Anästhesie und frauenpolitische Sprecherin der SPD über die gesellschaftlichen Herausforderungen in der Gleichstellungsarbeit. Gesprochen wurde unter anderem über den Sinn oder Unsinn einer Frauenquote, über ein nach wie vor festverwurzeltes Rollenverständnis in der Gesellschaft von Mann und Frau, das nach Meinung aller bereits in der Kindererzieheung aufgelöst werden sollte und nicht zuletzt über die ungleiche Entlohnung von Mann und Frau in vielen Berufszweigen sowie gleiche Karrierechancen und der damit verbundenen Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Erst seit rund 100 Jahren kämpfen die Frauen für ihre Rechte, für eine Gleichstellung auf sozialer, politischer, wirtschaftlicher Ebene. 1918 erkämpften sie für sich das aktive und passive Wahlrecht in Deutschland. Was Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder gerne noch „Frauen und Gedöns“ nannte, nämlich das Eintreten für eine wirkliche Gleichberechtigung von Mann und Frau, sei nicht zu teuer, wie vielfach behauptet wird, so Elke Twesten, sondern im Gegenteil unverzichtbar. Dazu gehöre es, bereits den Kindern diese Gleichberechtigung vorzuleben und ihr Selbstbewusstsein zu stärken, welches sie dazu befähigt, selbst für ihre Interessen einzutreten. Für eine gesicherte Kinderbetreuung beispielsweise oder gegen den alltäglichen Sexismus. Dass nicht alles als erledigt abgehakt werden kann, was bisher erreicht wurde, belegt allein die große Zahl der Fälle von Gewalt gegen Frauen. Ob am Arbeitsplatz oder im häuslichen Bereich, Frauen werden nach wie vor diskrinimiert und körperlich oder sexuell misshandelt. Ein Beleg dafür ist die sprunghaft gestiegene Nachfrage nach Beratungsterminen in der Frauen- und Mädchenberatungsstelle Ophelia in Langenhagen. Anstatt die öffentlichen Zuschüsse für die Frauenhäuser, die den Frauen und Mädchen Schutz vor prügelnden Ehemännern und Vätern bieten, zu kürzen oder einzufrieren, sollte vielmehr im Sinne der Betroffenen und angesichts der großen Nachfrage über eine Erhöhung nachgedacht werden. Da war sich die Runde einig. Hinzu kommt, dass besonders alleinerziehende Mütter, aber auch Väter, stärker von Armut betroffen sind. Es fehle generell an preiswerten Wohnungen und die oft desolate finanzielle Situation vieler Frauen führe häufig zu psychischen Problemen. Christa Röder vom Seniorenbeirat stellte fest, „dass wir seit 30 Jahren über die gleichen Themen sprechen. Viel hat sich schon bewegt, was die jungen Frauen heute als selbstverständlich wahrnehmen und für sich nutzen. Aber vieles bleibt noch zu tun.“