Keine Räume für Förderstunden

Marco Zacharias, schulpolitischer Sprecher der CDU-Ratsfraktion, Reinhard Grabowsky, CDU-Stadtverbands-Vorsitzender, Rainer Fredermann, CDU-Landtagsabgeordneter, Kai Seefried, bildungspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, wollen ein Zeichen mit ihrer Petition „Finger weg von unseren Schulen“ setzen. (Foto: C. Wurm)

CDU thematisiert Inklusion an Schulen

Langenhagen (cow). Welche Änderungen bringt das neue Schulgesetz der rot-grünen Landesregierung? Was passiert mit den Förderschulen? Wie kann Inklusion umgesetzt werden? Zu einer Debatte über "Inklusives Lernen in Niedersachsen - Aus für die Förderschulen?" lud die CDU-Langenhagen jetzt aus aktuellem Anlass Betroffene und Interessierte in das Dorfgemeinschaftshaus Krähenwinkel ein, um sich zu bisherigen Erfahrungen auszutauschen. Mit umfassendem Fachwissen begleitete Kai Seefried, bildungspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, als Gastredner die lebendige Diskussionsrunde.
Zum 1. August soll ein neues Schulgesetz in Kraft treten, das in der gegenwärtigen niedersächsischen Schullandschaft weitreichende Veränderungen mit sich zieht. Der Novellierungsentwurf der Landesregierung beinhaltet unter anderem den Wegfall der Förderschulen und der Wahlfreiheit an allen Bildungsangeboten. Eltern mit einem behinderten Kind könnten demnach nicht mehr wählen, ob ihr Sprössling eine Allgemeinbildende- oder Förderschule besuchen soll. Laut dem Schulgesetz soll die Förderschule Lernen auslaufen und die Förderschule Sprache – aufgrund massiver Elternproteste – einen Bestandsschutz erhalten. „Das Förderinstrument für Kinder wird Eltern weggenommen“, meint Seefried. Man dürfe funktionierende Fördermöglichkeiten nicht einfach zerschlagen. Es müssten vielmehr individuelle Lösungen vor Ort entwickelt werden. Inklusion ist seiner Ansicht nach, eine große gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die alle Beteiligten einbinde. Mit einer Online-Petition (cdunds.de/schulpetition) gegen die rot-grüne Schulpolitik setzt sich die CDU Niedersachsen aktiv für ein vielfältiges Schulsystem sowie das Elternrecht auf freie Schulwahl ein.
Kritik gab es vom bildungspolitischen Sprecher der CDU-Landtagsfraktion auch an der Ausstattung und der Qualifizierung der Lehrkräfte. Er fordert die Landesregierung auf „Fehler zu benennen und zu korrigieren“. Es müsse sich jetzt um die inhaltlichen Fragen gekümmert werden. Die Schließungsdiskussion überfordere Lehrkräfte, Eltern und Kinder gleichermaßen. Einer individuellen, gezielten Förderung von begabten oder beeinträchtigten Schülern könne unter diesen Rahmenbedingungen nur unzureichend Rechnung getragen werden.
Auch anwesende Lehrerinnen beteiligten sich interessiert an der Diskussion mit Schilderungen aus ihrem Berufsalltag. Eine Förderschullehrkraft beschrieb die akute Raumnot an Langenhagens Schulen. Es stünden keine Räume für Inklusion (sogenannte Differenzierungsräume) zur Verfügung, die als Rückzugsort genutzt werden könnten. Kolleginnen bestätigten, dass die Zimmer entweder zu klein oder die Klassen zu groß seien, um Kinder und Jugendliche mit Unterstützungsbedarf angemessen zu fördern. Auch baue sich für die sonderpädagogischen Lehrkräfte ein hoher Druck durch die zunehmende Mehrbelastung auf. Bürgermeister Mirko Heuer ist sich der ungenügenden Raumsituation bewusst und gibt zu, sich als Schulträger überfordert und alleingelassen zu fühlen. Inklusive Klassen benötigten mehr Ressourcen. „Es ist ein völlig neues Konzept, was auf die Schullandschaft übertragen werden muss. Für alle Beteiligten ist das eine mittlere Katastrophe“, macht es Heuer deutlich. Er wünsche sich, dass die von der CDU ins Leben gerufene Online-Petition greift. Rainer Fredermann, CDU-Landtagsabgeordneter, appellierte abschließend, die Forderungen der Partei zu unterstützen und bekräftigte die Anwesenden, die Petition zu unterschreiben, um so ein deutliches Signal an die Landesregierung zu setzen. „Jetzt heißt es lösungsorientiert zu denken und sich von einer sehr ideologischen Denkweise zu verabschieden“, sagt Fredermann. Der Landtag will das neue Schulgesetz zum 3. Juni beschließen.