Kinder keinen Stempel aufdrücken

Stephanie Emmel: „Inklusion kann nicht verordnet werden“

Langenhagen (ok). Inklusion muss gelebt werden; Kinder mit Verhaltensoriginalitäten früh gefördert werden. Auf keinen Fall darf ihnen ein Stempel aufgedrückt werden. „Unsere Gesellschaft ist einfach zu sehr defizitorientiert“, sagt Stephanie Emmel, die als Supervisorin für die Stadt Langenhagen arbeitet, und ihre Eindrücke von zwei Vorträgen wiedergibt. Diplom-Sozialpädagoge Klaus Kokemoor und Psychologe Michael Lichtblau haben ihre Erfahrungen beim Vortrag „Inklusion – Eine Chance zur Neuorientierung“ wiedergegeben. Kinder mit besonderem Förderungsbedarf verkörpern natürlich auch eine Vielfalt von Eigenschaften, Verhaltensweisen, Möglichkeiten, Einschränkungen und Temperamenten. Diese Vielfalt ist jedoch von sich heraus noch kein Motor für wechselseitige Anerkennung, Interaktion und Entwicklung. Damit Inklusion gelingt, braucht es in unserer Gesellschaft eine Haltung, die Vielfalt und Unterschiedlichkeit als Normalität anerkennt. In den Bildungseinrichtungen ist darüber hinaus ein individuelles und sehr spezifisches Handeln erforderlich, das auf Teilhabe und Kooperation ausgerichtet ist und zum Ziel hat, jedes Kind in seinem individuellen Reifungsprozess zu unterstützen.
Viele Erzieherinnen haben sich bei dem Vortrag darüber informiert, wie sie in den richtigen Dialog mit dem Kind treten können, um dessen zweifelsohne vorhandenes Potenzial wecken zu können. Stpehanie Emmel sagt aber auch: „Ein guter Erzieher hält sich zunächst zurück und beobachtet, bevor er handelt.“ Behutsamkeit sei gefragt, Inklusion könne nicht verordnet werden. Wir steckten in einem Etikettendilemma, stünden in Deutschland noch auf der Stufe der Integration, nicht der Inklusion. Inklusion biete in unserer noch vorhandenen Separationsgesellschaft auch eine Chance zur Neuorientierung. In „Kinder mit Verhaltensoriginalität“ steckten viele Ressourcen, die im derzeitigen System nicht erkannt würden. „Wir müssen lernen, diese Kinder zu verstehen."