Kleinkunstfestival Mimuse im 35.Jahr

Die Andrew Sisters lassen grüßen. „Sweet Sugar Swing“ auf der Mimuse-Bühne. (Foto: D. Lange)
 
„Wildes Holz“ spielte Rockmusik auf Holz in der Aula des Schulzentrums. (Foto: D. Lange)

Resümee einer durchwachsenen Saison

Langenhagen (dl) Das Motto der 35. Ausgabe des Langenhagener Kleinkunstfestivals Mimuse hätte auch heißen können: Zurück zu den Wurzeln. Nicht unbedingt freiwillig, sondern eher dem Umstand geschuldet, dass der Theatersaal in der Robert-Koch-Schule derzeit saniert wird und deshalb ein Jahr lang nicht zur Verfügung steht. Vorher aber musste erst einmal sämtliches technisches Material des Mimuse-Veranstalters an andere Orte umgelagert werden. Das geschah mit tatkräftiger Unterstützung der Langenhagener Firma "Holtmann Messe+Event", die dem Verein Klangbüchse nicht nur mit Transportleistung zur Seite stand, sondern auch einen Teil ihres Lagers zur Verfügung stellte. Aufgrund der Theatersaalsanierung sahen sich die Veranstalter der Mimuse gezwungen, nach geeignetem Ersatz Ausschau zu halten. Verschiedene Ausweichmöglichkeiten wurden angedacht und wieder verworfen. Nach Hannover auszuweichen, kam nicht in Frage. Schließlich ist die Mimuse ein Kind aus Langenhagen. Keine Regel ohne Ausnahme: Im November 2015 gastierte Herbert Knebels Affentheater im nahezu ausverkauften Theater am Aegi und am 24.Sep.2016 kommt Knebel, der renitente Ruhrpott-Rentner und diesmal solo, ins Schulzentrum Mellendorf. Franz Gottwald, Programmchef und Vorsitzender der Klangbüchse, gelang es, in Absprache mit der IGS, dem Gymnasium und der Stadtverwaltung, den Saal des Schulzentrums mit seinen 326 Plätzen an zwei Wochenenden für vier der insgesamt 18 Mimuse-Veranstaltungen 2015 zu nutzen. Dem Ort, an dem im Frühsommer 1981 die erste Mimuse über die Bühne ging. Ein kleines Festival für Pantomime, Kabarett, alternatives Theater und Musik. Unter den Künstlern ein unauffälliger junger Mann aus Stuttgart namens Matthias Richling. Das Schulzentrum blieb bis 1991 neben dem daunstärs, der alten Mensa und dem Theatersaal lange Zeit der wichtigste Spielort für die Mimuse. In der Zwischenzeit war aus der Schulaula in der Robert-Koch-Schule ein schicker Theatersaal mit 560 Plätzen geworden. Ab 1992 wurde er neben dem daunstärs zur zweiten Heimat für die Mimuse. Schon damals, in den Anfangstagen, hieß es nicht unbescheiden, aber auch nicht falsch: Wir zeigen ihnen die Künstler, die in drei Jahren berühmt sein werden. Die lange Liste der Künstler, die ihre ersten kabarettistischen Gehversuche auch auf der Bühne im daunstärs machten und heute große Säle füllen, ist endlos: Matthias Brodowy, Matthias Deutschmann, Volker Pispers, Urban Priol, Georg Schramm, Dieter Nuhr, Rüdiger Hoffmann, Ingo Appelt, Götz Alsmann, Gerd Dudenhöffer und viele mehr. Zurück zum Schulzentrum: Auch wenn sich die Technik seinerzeit im Vergleich zu heute eher bescheiden ausnimmt: Für die Veranstaltungen musste erst einmal alles dorthin transportiert werden und später wieder zurück, denn am Montag ist ja wieder Schule. Die altgedienten Klabüs kennen es noch und wie damals hieß es auch jetzt wieder: erst schleppen, dann lachen. Die Bühnentechnik musste installiert werden, Stühle aufgestellt und nummeriert werden und für die Künstler richtete man im Keller eine provisorische Garderobe ein. „Kein Raum, sondern eher eine Räumlichkeit“, so der Kommentar von Matthias Brodowy. Bis es aber soweit war, mussten noch etliche Fragen geklärt und Probleme aus dem Weg geräumt werden. Von vielen Seiten erhielten die Veranstalter Unterstützung. Die Abstimmung mit der IGS und dem Gymnasium und deren freundliche Hilfe, auch von den Hausmeistern, verlief ohne Probleme. Der Förderverein der IGS, die Grundschule Godshorn und sogar der Betreiber der neuen Mensa: sie alle boten ebenfalls ihre Hilfe an und selbst die Zusammenarbeit mit den zuständigen Fachdiensten in der Stadtverwaltung führte nach einer schwierigen Vorbereitungsphase am Ende zum gewünschten Ergebnis. Alles in allem zeigte sich Gottwald zufrieden mit dem Verlauf der Mimuse-Veranstaltungen in der Aula. „Schade nur, dass nicht mehr Zuschauer gekommen waren. Nur eine der vier Shows war wirklich ausverkauft“. Ähnliches gilt für die Veranstaltungen im daunstärs. Auch da blieben gelegentlich Plätze frei. Dabei war das Programm keineswegs frei von Höhepunkten. Im Gegenteil. Konrad Stöckel faszinierte sein Publikum mit Experimenten aus der wunderlichen Welt der Wissenschaft und führte seine Gäste auch nach draußen vor die Tür, weil es drinnen zu gefährlich wurde. Juliano Rossi dagegen verzauberte sein Publikum mit Jazz- und Swingklassikern. Offenbar so sehr, dass sich ein weiblicher Fan gleich zweimal von ihm wegen Kreislaufschwäche aus dem Saal führen ließ. Das gabs noch nie. Nachdem die zu Hilfe geeilten Sanitäter das zweite Mal gerufen wurden, nahmen sie die kreislaufgeschwächte Frau schließlich mit und brachten sie sicher nach Hause. Der Preis für den größten Lacherfolg aber geht an Stephan Graf von Bothmer mit seinem Stummfilm-Konzert. Bei den zwerchfellerschütternden Slapstick-Klassikern des Komiker-Duos Stan Laurel und Oliver Hardy, begleitet von Bothmers eigens dafür komponierter Piano-Livemusik, blieb absolut kein Auge trocken. Selten so gelacht. Noch ein Novum in der Geschichte des daunstärs: „Der unglaubliche Heinz“ Gröning spielte am 12. Dezember gleich zweimal hintereinander sein Kultprogramm „Verschollen im Weihnachtsstollen“. Die Saison 2016 beginnt im daunstärs bereits am 21. Januar mit dem – ausverkauften - Programm „Kopfsalat“ von und mit Matthias Brodowy, der dort 1999 das erste Mal auf der Bühne stand. Ebenfalls ausverkauft ist am 5.Februar der Abend mit der Band „Wildes Holz“, den Überraschungsgästen der Nikolaus-Show. Sie kommen aber am 22. Mai noch einmal zurück ins daunstärs und für diesen Termin gibt es auch noch Karten. Als Sensation muss man sicher das- ebenfalls ausverkaufte - Konzert von Bodo Wartke 29. März im daunstärs betrachten, Wartke, der im November 2000 das erste Mal auf der Kabarettbühne im Keller stand, geht anlässlich seines 20-jährigen Bühnenjubiläums mit seinem „Klavierkabarett in Reimkultur“ auf eine kleine Jubiläumstour in die Clubs seiner Anfangstage. Die Flamenco-Freunde können sich gleich zwei Termine im Kalender notieren. Das Antonio Andrade Gitarrenduo kommt am 23.1. ins daunstärs und „Tablao Flamenco“ steht am 2.4. auf dem Programm. Martin Zingsheim, Thilo Seibel, Kai-Magnus Sting und Katie Freudenschuss, die Sachen sagt, wo andere Geschichten erzählen, sind weitere Namen, die es im daunstärs zu entdecken gilt. Am 12. März geht es wieder ins Schulzentrum. Dort steht mit Florian Schroeder die „Speerspitze des jungen Kabaretts“ auf der Bühne der Aula und am Sonntag, 13. März wird an selber Stelle Deutschlands Vorzeige-Polizist Herr Holm, alias Dirk Bielefeld, für Ruhe und Ordnung sorgen. Matthias Deutschmann, einer der profiliertesten Protagonisten des politischen Kabaretts, gastierte 1986 zum ersten Mal in Langenhagens Kellerkabarett und ist seit seinen Anfangstagen der Mimuse immer treu geblieben. Am 16. April kommt Deutschmann mit seinem neuen Programm ins Schulzentrum: „Wie sagen wir`s dem Volk?“ Nach der Sommerpause soll es dann am 15. Oktober im frischrenovierten Theatersaal endgültig wieder heißen: Bühne frei für Spaß, Spott und Satire.
Wer bei all dem jetzt neugierig geworden sein sollte und gerne dabei mitarbeiten möchte, weil - Er oder Sie - ein gesteigertes Interesse an Kleinkunst und Kabarett hat, der sollte sich bei einer der Veranstaltungen einfach mal mit den Klabüs, den Mitgliedern der Klangbüchse unterhalten. Kenntnisse in Bühnentechnik und Gastronomie wären von Vorteil, sind aber nicht Bedingung.
Zu guter Letzt noch dies: Der Verein Klangbüchse feiert in diesem Jahr seinen 40. Geburtstag.
Mal sehen, wer mit der Geburtstagstorte kommt.