Klima der "Fairness und nicht der Angst"

Diskutierten intensiv (von links): Magwan Mohammad, Bernhard Döhner, Mirko Heuer, Ulrike Jagau und Marco Brunotte; Selina Pudwell moderierte gekonnt. (Foto: O. Krebs)
 
Interessierte verfolgten die Zuhörerinnen und Zuhörer in der Aula der IGS die Statements in Sachen Integration der Flüchtlinge. (Foto: O. Krebs)

Podiumsdiskussion an der IGS über das Zusammenleben mit Flüchtlingen

Langenhagen (ok). 1,1 Millionen Flüchtlinge sind im vergangenen Jahr nach Deutschland gekommen, 600 haben eine neue – zumindest vorläufige – Heimat in Langenhagen gefunden. Und es werden im nächsten Jahr noch mehr erwartet; wie viele, steht in den Sternen. Selina Pudwell, Linda Stoepper, Carolin Giese, Borebardha Gashi und Cihan Erdem aus der 13.3 der IGS Langenhagen wollten viele offene Fragen klären und hatten deshalb zur Podiumsdiskussion „Umgang mit Flüchtlingen aktuell und Zukunftsvision“ eingeladen; Bürgermeister Mirko Heuer stand ebenso wie die Politiker Ulrike Jagau (Grüne), Marco Brunotte (SPD) und Bernhard Döhner (CDU) Rede und Antwort. Ebenfalls mit von der Partie: die Schülerin Magwan Mohammad aus dem Jahrgang zwölf an der Integrierten Gesamtschule. Alle waren sich einig, dass sich Deutschland in den nächsten Jahren und Jahrzehnten sicherlich verändern werde, begreifen dies aber auch als Chance für unsere Gesellschaft, gerade auch, was den Fachkräftemangel auf dem Arbeitsmarkt anginge. So hatte Marco Brunotte als Beispiel eine aktuelle Zahl mitgebracht, die diese Integrationsbemühungen verdeutlicht. So stellt die Malerinnung für das nächste Jahr 500 Ausbildungsplätze für Flüchtlinge zur Verfügung, um den Engpass zu beheben. Auch Bernhard Döhner denkt, dass viele Zugewanderte, die aus Staaten wie Syrien, Iran und Irak in das traditionelle Zuwanderungsland Deutschland kommt, nicht wieder in ihre Heimat zurückkehren werden. Mit deutscher Hilfe müssten diese Länder wiederaufgebaut werden. Das sieht auch Marco Brunotte als unsere Pflicht an, zumal sich Deutschland nicht zuletzt wegen der Waffenexporte auch Vorwürfe gefallen lassen müsse. Was die Frage des Zusammenlebens angehe – und das könne nach Meinung aller nur auf Basis des Grundgesetzes über die Bühne gehen – dürfe es nach Ansicht Ulrike Jagaus nur ein Klima der Fairness und nicht der Angst geben. Und Bürgermeister Mirko Heuer, der die Kommune im „Wettlauf mit den Zuweisungsquoten“ an der Kapazitätsgrenze angelangt sieht, verdeutlichte, dass der Spracherwerb der Schlüssel zur Selbstständigkeit und zur Integration sei. Das gelte natürlich auch für die Mädchen und Jungen, für die eine Schulpflicht gelte. Da werde auch räumlich nachgebessert werden müssen. Der Verwaltungschef machte auch unmissverständlich klar: „Es sind keine Verbrecher, sondern Flüchtlinge, die vertrieben worden sind, die zu uns kommen.“ Integration, die aber nach Ansicht des IGS-Lehrers Björn Schrämmer nicht Assimilation, also das völlige Aufgehen der zugewanderten Gruppen in unserer Gesellschaft bedeuten. Er stellte sich die Frage: „Inwieweit werden wir uns verändern müssen, um nicht als Modernisierungsverweigerer dazustehen?“ Ulrike Jagau ist ebenfalls der Meinung, dass wir viel von den Flüchtlingen lernen könnten, aber Marco Brunotte sagte auch, dass wir die „Teile der Gesellschaft“ deshalb nicht vergessen dürften. Für ihn stellt sich die Frage nach einer Obergrenze nicht, solange sich Europa über das weitere Vorgehen nicht einig sei; nach dem Grundgesetz habe Jede und Jeder Anspruch auf Asyl. Für den Landtagsabgeordneten Marco Brunotte ist es am wichtigsten, zunächst einmal aus dem Krisenmodus rauszukommen. Im Klartext: Die Flüchtlinge müssen die Notunterkünfte möglichst schnell verlassen, um eine eigene Wohnung und eine feste Arbeit zu bekommen. Die Wohnungspolitik müsse in staatlicher Hand bleiben und mit Belegungsquoten geregelt werden, um den Spekulationen der Immobilienhaie nicht Tür und Tor zu öffnen. In Sachen Kultur seien wir mit dem Grundgesetz gut aufgestellt. Ein Grundgesetz, an das sich nach der Ansicht der Zwölfklässlerin Magwan Mohammad auch die Allermeisten halten. Ihr Kommentar zu den Ereignissen der Silvesternacht in Köln, in der es zu Übergriffen auf Frauen gekommen ist: „Es dürfen nicht immer gleich die Flüchtlinge beschuldigt werden.“