Kommentar

Viel zu weit weg!

Es war eine Chance auf dem Silbertablett. Politiker bekommen wenige Wochen vor der Wahl die Gelegenheit, die volle Aufmerksamkeit von Schülern der Oberstufe nutzen zu dürfen. Die Schulleitung der IGS hatte diese Chance serviert. Die überwiegend 18-jährigen in der bis auf den letzten Platz gefüllten Aula waren hoch motiviert und hatten knackige Fragen mitgebracht, um an der Podiumsdiskussion für die Landtagskandidaten teilzunehmen. Stefan Baufeld (Linke), Rainer Fredermann (CDU), Christiane Hinze (FDP), Wolf Liebetrau (Piraten) und Michael Stobbe (Grüne) zeigten vor allem eins: Sie sprachen nicht die Sprache der Schüler. Sie boten Bandwurmsätze mit politischen Worthülsen, die auch für ältere Zuhörer eine Zumutung gewesen wären. Statt auf die guten Fragen prägnant zu antworten, sorgten sie für Politikverdruss. Einzig dem Landtagsabgeordnete Marco Brunotte (SPD) gelang es, den richtigen Ton zu treffen. Fredermann, Hinze und Stobbe merkten, wie dünn das Eis auf dem Podium vor Schülern ist und passten sich im Verlauf etwas an. Eigentore schoss insbesondere Baufeld mit Sprüchen wie „Ich weiß, wem ich das Geld aus der Tasche ziehen würde. Wer viel hat, muss viel geben!“ (in Bezug auf eine von ihm empfohlene Steuererhöhung). Statt Applaus sorgte das für peinlich berührte Verwunderung. Schüler sind nicht blöd. Wer glaubt, mit platten Parolen ihre Gunst zu gewinnen, irrt. Da hilft auch kein schnoddriges Outfit. Wer in seine eigene Rolle verliebt ist, verliert den Blick für andere.
Mit Respekt und Wertschätzung für die junge schnelle Denkweise der Schüler hätte Begeisterung für Politik geweckt werden können. Stattdessen wurde nur klar, dass manche Kandidaten starr auf ihre Selbstdarstellung fokussiert und von den Wählern viel zu weit weg sind.
Gabriele Gosewisch