Kommentar

Opportunisten sind in der Pflicht

Es ist Wahlkampfzeit. Kandidaten wollen sich ehrenamtlich als Anwälte der Bürger betätigen, dem gebührt Lob und Dank. Aber sie sind auch Opportunisten. Wer dem Bürger hilft, bekommt als Lohn das Kreuz auf dem Stimmzettel. Da ist das Hemd näher als der Rock, wie man so sagt. So geschehen bei der Aussprache im Verkehrsausschuss bei den Themen „Grünphase für Fußgänger“ oder „Parkplätze am Pferdemarkt“. Vorgebracht wurde von den Fraktionen ein ungefiltertes Gemecker. Ja, Eltern sind genervt, wenn sie sich um Schulkinder kümmern, und ja, Autofahrer sind genervt, wenn sie keinen Parkplatz finden. Da muss sofort was passieren? Die Verwaltung, der Prügelknabe, hat Schuld? Nein. Kandidaten haben nicht nur die Aufgabe, den Alltagsärger der Bürger aufzunehmen, sondern auch, Aufklärung zu leisten, insbesondere über bereits geklärte Sachverhalte. Warum was wann geht oder nicht geht und hingenommen werden muss, kann dem Bürger direkt als Antwort gegeben werden. Die Ampelphasen werden nicht mehr umprogrammiert, denn das ist just optimiert worden, und wenn es eine Parkplatzlösung gäbe, hätte die Verwaltung sie bereits vor Jahren umgesetzt. Sicher, Schlechtlaunigkeit ist der Nährboden, auf dem Wahlkampfgefasel wächst, und viele Worte um nichts sind besser als ignorantes Schweigen. Aber es geht um nichts Geringeres als die Wahlbeteiligung am 11. September. Mit dem Gang zur Urne unterstreicht der Bürger sein Recht auf Demokratie. Die könnte glänzen, wenn sie von den Kommunalpolitikern, den Kandidaten, lebendig gehalten wird – mit ehrlicher Haltung, auch zu den eigenen Versäumnissen, denn die Verwaltung erfüllt nur die Vorgaben der Politik. (ECHO http://goo.gl/TjBaJ und http://goo.gl/TjBaJU)
Gabriele Gosewisch