Konflikte mit persönlicher Komponente

Ratsmehrheit spricht sich für Grundstückskauf in Weiherfeld-Ost aus

Kaltenweide (ok). Es war eine Debatte voller Emotionen und gegenseitiger Vorwürfe. Von Verletzung des Bürgerwillens war die Rede, von Glaubwürdigkeit und sogar von Vetternwirtschaft und finanziellen Vorteilen einzelner Parteimitglieder durch den Verkauf der Grundstücke in Weiherfeld-Ost. Der Rat der Stadt Langenhagen hat sich in seiner jüngsten Sitzung am Montag wahrlich nicht von seiner besten Seite gezeigt, und vor allen Dingen Jens Mommsen (BBL) lief zu Höchstform auf, haute verbal um sich und griff Stadtbaurat Carsten Hettwer sowie die Erste Stadträtin Monika Gotzes-Karrasch direkt an, indem er ihnen Unfähigkeit vorwarf. Das brachte Bürgermeister Mirko Heuer auf die Palme, der sich schützend vor seine beiden Mitarbeiter stellte, sie vehement verteidigte. Und so richtig auf Zinne war der Hauptverwaltungsbeamte, als Mommsen ihm entgegenschleuderte: „Das ist dein Ende!“ Mommsen konnte Heuers Wut überhaupt nicht verstehen, habe er im Wahlkampf doch für ihn gekämpft bis zum Umfallen. Am Montag offensichtlich Schnee von gestern, wurde doch mit ziemlich harten Bandagen gekämpft. Und nicht nur zwischen Mommsen und Heuer, auch die anderen Ratsmitglieder schenkten sich nichts. Dirk Musfeldt sprach sich mit einem Änderungsantrag, der letztendlich aber in der Form mit einer bestimmnten zeitlichen Perspektive nicht durchkam, für Flächenbevorratung aus, musste sich dafür vom politischen Gegner sinngemäß anhören, dass er die Ideale der Grünen verkaufe. Der Fraktionsvorsitzende der Grünen argumentierte allerdings, dass ein Landschaftsschutzgebiet eben kein Heiligtum sei. Für Achim Hinz (AfD) ist es eine Milchmädchenrechnung, dass ohne konkreten Anlass Ackerland im Wert von 2,60 Euro für teure 37,50 Euro gekauft werde. Und Wolfgang Kuschel (SPD) fragt sich: „Droht etwa der Untergang Langenhagens?'“ Für ihn geht es bei der ganzen Debatte um grundlegende Konflikte mit einer persönlichen Komponente. Nach dem Motto: Soll der Umweltschutz über das Recht auf eine eigene Wohnung gestellt werden? Die Linke Felicitas Wcck machte sich für den Kauf der Flächen stark, Langenhagen brauche Wohnraum für Menschen mit geringem Einkommen. Die Politiker müssten über den Tellerrand hinausschauen, damit die Stadt zukunftsfähig werde. So müsse beispielsweise günstiger Wohnraum für Erzieherinen angeboten werden, wenn eine Erzieherschule in Langenhagen gebaut würde. Der Altenhorster Domenic Veltrup (BBL) sprach sich dagegen gegen eine Erweiterung aus, Fortschritt sei eben nicht gleich Wachstum. Die Infrastruktur fehle, Kaltenweide solle bitte nur in kleinen Schritten wachsen. Letzendlich fand er damit wie viele andere Kaltenweider Bürger allerdings kein Gehör. Die Langenhagener im Norden fühlten sich vom Rat schlecht vertreten, schließlich sei ihm Ortsrat gegen den Kauf gestimmt worden. Der unabhängige Ratsherr Wilhelm Behrens hielt dagegen, dass Langenhagen eine Stadt sei, dien Kaltenweider sich umgekehrt nicht für Belange der Kernstadt einsetzten. Im Endeffekt entschied sich der Rat der Stadt Langenhagen mehrheitlich für den Kauf der Flächen als Vorrat; eine Bebauung stehe noch in den Sternen. Ausgleich muss für die Entlassung aus dem Landschaftsschutzgebiet und für die Bebauung aber geschaffen werden.