"Kontakt zur Basis verloren"

Beförderungen, Verpflichtungen und Vereidigungen sowie Ehrungen standen bei der Orts- und Schwerpunkt-Feuerwehr-Langenhagen im Mittelpunkt der Jahreshauptversammlung. Foto: E. A. Nebig

Feuerwehr Langenhagen Tag und Nacht im Einsatz

Langenhagen (ne).Die Ortswehr Langenhagen ist die Schwerpunkt-Wehr in der Freiwilligen Feuerwehr Langenhagen. Die 83 aktiven Mitglieder, darunter elf ausgebildete Feuerwehrfrauen, haben ein ereignisreiches Jahr hinter sich. Zwischen dem 1. Januar und dem 31. Dezember egistrierte das Kommando mit Ortsbrandmeisterin Regine Rust-Wesener an der Spitze insgesamt 298 Einsätze. Das waren 26 mehr als 2009. Durchschnittlich rückte die Wehr zu 25 Einsätzen pro Monat aus. Sie wurde statistisch gesehen rund um die Uhr tagtäglich alarmiert, um in 144 Fällen Brände zu bekämpfen und in 154 Fällen technische Hilfen zu leisten.
Zusätzlich stellte die Wehr 22 Brandsicherheitswachen und nahm an zahlreichen Übungen teil. Außerdem sei von den Aktiven der wöchentliche Ausbildungsdienst geleistet worden und man habe mit gutem Erfolg an Wettbewerben teilgenommen. Etliche Wehrangehörige hätten zudem Lehrgänge an der Landesfeuerwehrschule Celle und weiteren Ausbildungszentren besucht. Diese Bilanz zog die Ortsbrandmeisterin in der Jahreshauptversammlung am vergangenen Sonnabend in der Feuerwache Konrad-Adenauer-Straße. In ihrem Bericht sparte sie nicht mit Lob und Tadel. Vor allem kritisierte sie die sehr mangelhaften Lehrgangsangebotean der Landesfeuerwehrschule. Das Platzangebot reiche einfach nicht aus. Sie habe den Eindruck, dass auf Landesebene die höhere Führung den Kontakt zur Basis und zur Praxis im täglichen Dienst, der zudem noch ehrenamtlich sei, verloren habe. Es habe mit Ausnahme des Hochhausbrandes am Hohen Felde, bei dem ein aufmerksames Mitglied der Wehr unter Lebensgefahr eine Katastrophe verhindert habe, keine weiteren Großschadensereignisse gegeben. Vielmehr hätten zahlreiche kleine Brandeinsätze mit Menschenrettungen oder zum Teil stundenlange Hilfeleistungen das Tagesgeschehen bestimmt. Nach den Alarmierungen habe das erste der Einsatzfahrzeuge mit Rettungskräften im Durchschnitt spätestens nach drei Minuten das Gerätehaus verlassen, stellte Ortsbrandmeisterin Regine Rust-Wesener in ihrem Rechenschaftsbericht weiter fest.
Die Ortsbrandmeisterin verwahrte sich dagegen, dass die Wehr häufig als "kostenloser Reinigungsbetrieb" missbraucht werde, zum Beispiel bei der Beseitigung kilometerlanger Ölspuren. Dafür habe man kaum noch Verständnis und es sei die Frage erlaubt, wann man von Seiten der Stadt damit aufhöre, mit solchen Hilfeleistungen freiwillige Feuerwehrangehörige auszunutzen. Das Ehrenamt werde auf diese Weise nicht gestärkt. Auch an Planungen für Straßen im Stadtgebiet und geplantem Wohnungsbau auf dem ehemaligen Schwimmbadgelände übte sie Kritik. Man müsse bei der geplanten Bebauung mehr darauf achten, dass Feuerwehreinsätze mit Lärmbelästigungen einhergingen. Straßen müssten so angelegt sein, dass bei Einsatzfahrten Zeitverzögerungen und Gefährdungen ausgeschlossen seien. Andererseits dankte sie der Stadt für die gute Unterstützung bei der Beschaffung von Ausrüstung und Einsatzfahrzeugen. In seinem Grußwort ging Bürgermeister Fischer auf die Kritik ein. Er dankte den Wehrangehörigen ausdrücklich für ihr ehrenamtliches Engagement, das der Stadt Ausgaben in mehrstelliger Millionenhöhe erspare, da sie keine teure Berufsfeuerwehr unter- halten müsse. Was die Kritik anbelange, wolle er mit dem Kommando gemeinsam Knackpunkte besprechen, um gemeinsam Lösungen zu finden. Personalprobleme – etwa beim Nachwuchs – habe die Schwerpunktwehr in der Stadtmitte, die im Notfall auch für alle Ortschaften zuständig sei, nicht. Es gebe 83 Aktive, von denen 47 Prozent jünger als 28 Jahre alt seien, das Durchschnittsalter betrage 31,9 Jahre. Zur Wehr gehörten außerdem zwei Fachberater und 29 Mitglieder in der Altersabteilung, 19 Jungen und fünf Mädchen in der Jugendwehr sowie die im Sommer gegründete Kinderfeuerwehr mit 20 Jungen und Mädchen und einer zusätzlichen Betreuerin, die aber kein Mitglied der Wehr sei. Die Nachwuchskräfte Marcel Buyx und Kevin Redeker wurden für den aktiven Dienst verpflichtet, Florian Bierschwale und Lars Sill feierlich vereidigt. Die Feuerwehrfrau Stefanie Günther wurde vom stellvertretenden Stadtbrandmeister Thomas Ajrumow zur Oberfeuerwehrfrau und die Feuerwehrmänner Ingo Lorek und Florian Twardawsky zu Oberfeuerwehrmännern befördert. Den neuen Dienstgrad Hauptfeuerwehrfrau beziehungsweise -mann erhielten Frauke Wegner sowie Martin Bombach und Benjamin Frede. Zum Löschmeister wurde Christian Elsner befördert. Für 25 Jahre aktiven Dienst wurde Michael Schreyer mit dem Niedersächsischen Feuerwehr-Ehrenzeichen in Silber ausgezeichnet. Ehrenzeichen des Landesfeuerwehrverbandes für 60, 50 und 40 Jahre Mitgliedschaft in der Feuerwehr erhielten Fritz Prelle, Hermann Sensing und Ehrenfried Wehrmann.