Konventionell in Sachen Energie

Keine Geothermie fürs neue Schwimmbad

Langenhagen (dl/ok). Jeder Bauherr weiß das: Bevor gebaut werden kann, muss zuvor der Baugrund untersucht werden. Das ist beim Schwimmbadneubau an der Theodor-Heuss-Straße nicht anders. Im Verlauf der Baugrunduntersuchungen wurde klar, dass der Grundwasserspiegel teilweise über dem Niveau der Sohle des mUntergeschosses liegen wird. Hier muss also während der Bauzeit, zumindest solange, wie die Bodenwanne mit den Kellergeschossen nicht mehr aufschwimmen kann, das Grundwasser ferngehalten und abgeleitet werden. Dieser mit dem etwas sperrigen Begriff „bauzeitliche Wasserhaltung“ bezeichnete Vorgang bedarf zudem eines wasserrechtlichen Genehmigungsverfahrens unter Einbeziehung möglicher Auswirkungen auf den Eichenpark und die umliegende Wohnbebauung, hier insbesondere die Wohnsiedlung „Neue Bult“. Die in einem Zeitraum von März bis September 2015 geplante Ableitung des Grundwassers geschieht zum einen über den nördlich des Grundstücks gelegenen Graben, der bis hin zur Wietze führt, zum anderen über Einleitungen in die vorhandenen Wasserrückhaltebecken. Für die Untersuchungen und Berechnungen zur Mengenermittlung des anfallenden Wassers ist vor allem die Durchlässigkeit des Bodens im Bereich der Versickerungsflächen von großer Bedeutung. Einige der Hausbesitzer aus der Siedlung Neue Bult machten im Verlauf der Infoveranstaltung in der VHS ihre Sorgen deutlich, durch die Baumaßnahmen mit hohen Grundwasserständen und damit verbundenen Feuchtigkeitsproblemen in ihren Kellern konfrontiert zu werden. Sie fordern von den zuständigen Stellen eine ständige Kontrolle und Dokumentation im Hinblick auf die anfallenden Wassermengen und ihre möglichen Auswirkungen. Die mineralogische Untersuchung des Grundwassers ergab zudem einen erhöhten Anteil an Eisen und Mangan, daher müssen diese Bestandteile vor einer Einleitung des aus der Wasserhaltung geförderten Wassers in andere Gewässer herausgefiltert werden. In Sachen Nickel sollen noch einmal genauere Proben gezogen werden, ohne dabei die Kiesschicht zu beschädigen. Die Bohrungen sollen rund 1,50 Meter weniger als vor der Kiesschicht enden. Der weitere Zeitplan: wasserrechtliche Genehmigung zwischen September und November; nach der Genehmigung soll noch ein Infoveranstaltung für die Anwohnerinnen und Anwohner angesetzt werden. Bis März folgen dann noch verschiedene Vergabewellen.
Klarheit herrscht jetzt auch in Sachen Energiekonzept, Geothermie ist zum Leidwesen von Jens Mommsen (BBL) und dem zukünftigen Bürgermeister Mirko Heuer (CDU) wohl endgültig vom Tisch. Heuer hätte diese Variante gern weiter verfolgt – gerade wegen der Nachhaltigkeit trotz höherer Investitionskosten zu Beginn– gab aber selbstkritisch zu, dass der zuständige Betriebsausschuss des Eigenbetriebes Bad vielleicht die falschen Prioritäten gesetzt habe. Jens Mommsen dagegen wetterte heftig gegen Betriebsleiter und Stadtbaurat Carsten Hettwer sowie das zuständige Ingenieurbüro, dass die ihre Hausaufgaben nicht gemacht hätten. Die Arbeitsweise sei “unseriös“ gewesen; die falschen Akzente zur falschen Zeit gesetzt worden. Sein vernichtendes Urteil: zweimal ungenügend. Ein Verhalten, dass SPD-Fraktionschef Marc Köhler als „oberlehrerhaft und unangemessen“ bezeichnete. Mommsen entgegnete im Ausschuss , dass es freie Meinungsäußerung gebe und er sich den Mund nicht verbieten lasse. Auch Carsten Hettwer machte deutlich, dass die Verwaltung sich an die Vorgaben des Rates gehalten habe: Programm, Investitionskosten, Betriebskosten, Fertigstellung Ende 2016. Wäre der Gedanke Geothermie weiterverfolgt worden, hätte das eine Zeitverzögerung von etwa drei bis sechs Monaten bedeutet, zudem hätte das Grundstück, auf dem die Probebohrungen über die Bühne gehen, nicht mehr vermarktet werden können. Nun aber läuft alles auf ein Erdgas-Blockheizkraftwerk mit Nahwärmeversorgung und Eigenstromnutzung mit einem Strommix raus. Bei der konventionellen Lösung soll es aber die Möglichkeit geben, eine Photovoltaik-Anlage bis zu einer Größe von 1.800 Quadratmetern und eine Solarthermie-Anlage bis zu einer Größe von 300 Quadratmetern geben. Eine weitere Option bei entsprechenden technischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen: eine Batteriespeicher-Anlage, die nachgerüstet werden kann. Darüber hinaus hat sich der Ausschuss mit neun Ja-Stimmen bei zwei Enthaltungen der CDU für eine Contracting-Lösung in Sachen Wärme- und Eingestromversorgung entschieden.