Kosten entscheiden über Begräbnisse

Birgit Ehlers-Ascherfeld (von links), Caren Marks, Horst Rechter und Armin Kalbe beim Rundgang auf dem Friedhof Grnezheide. (Foto: G. Gosewisch)

Rundgang mit Caren Marks auf dem Friedhof

Langenhagen (gg). Mit regelrecht niedergeschlagenem Blick zeigt Friedhofsgärtnerin Birgit Ehlers-Ascherfeld beim Rundgang mit der Bundestagsabgeordnete Caren Marks auf dem Friedhof Grenzheide auf das anonyme Grabfeld und die Reihengräber. Sie sagt: „Nur Rasen, weithin. Hier finden 70 Prozent aller Bestattungen statt.“ Birgit Ehlers-Ascherfeld ist in ihrer Berufsvertretung stark engagiert. Als Vorsitzende des Bundes Deutscher Friedhofsgärtner begleitet sie nicht nur die Weiterentwicklung des Handwerks, sondern gibt neue Impulse, die bei den Präsentationen bei den Bundesgartenschauen zu bestaunen sind. Längst gibt es neben den klassischen Grabformen Alternativen, die regelrechte Kunstwerke sind. „Friedhöfe haben kulturhistorischen Wert, der wahrgenommen werden sollte“, bestätigte Caren Marks aus ihrer Sichtweise. Die Friedhöfe als parkähnliche Oase für Spaziergänger nutzbar zu machen, ohne die Belange der Trauernden zu stören, sei denkbar. Aus 30-jähriger Berufspraxis auf dem Friedhof Grenzheide kennt Birgit Ehlers-Ascherfeld die Not der Trauernden. Nicht selten gebe es Angehörige, die leiden, weil sie auf dem anonymen Grabfeld keinen persönlichen Ort der Trauer haben. Das bestätigt auch Horst Rechter beim Rundgang. Grabpflege leistet sein Betrieb auch in Hannover. Er ist Vorsitzender des Landesfachverbandes. Er sagt: „Trauer ist in der emotionalen Stärke nicht zu unterschätzen.“ Gemeinsam mit Birgit Ehlers-Ascherfeld ist er sicher, dass die städtische Gebührensatzung den Trend zur anonymisierten Beerdigung fördert. „Dabei müsste das Ausheben des Bodens doch bei allen gleich viel kosten“, so ihr Hinweis. Die politischen Fraktionen im Rat seien gefordert, der Stadtverwaltung entsprechende Vorgaben zu machen. Dass mit den Einnahmen aus den teuren Grabstätten die gesamte Friedhofspflege quer finanziert werde, sie ein Unding. Bezug auf die soziale Gerechtigkeit nahm Armin Kalbe, Geschäftsführer der Treuhandstelle für Dauergrabpflege in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt GmbH, im Gespräch. Er bat Caren Marks um Unterstützung auf Bundesebene bei der Unantastbarkeit von Vorsorge-Verträgen, bei denen Menschen für ihre eigene Bestattung im Vorhinein sparen können. Er sagte: „Obwohl die Rechtslage gegenteilig ist, drängen die Sozialämter wegen der Vermögensanrechnung immer wieder auf Auflösung.“