Krankenhauskooperation angestrebt

Angeregter Austausch: Wang Shenggao (2. von rechts) wurde von Birgit Krukemeier (5. von rechts) und Björn Schilter (3. von rechts) durch die Langenhagener Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie geführt. Foto: O. Krebs

Medizinische Delegation aus Luan besucht das Klinikum Region Hannover

Langenhagen (sch). Das Klinikum Region Hannover steht mit seinen zwölf Krankenhäusern, zu denen auch die Psychiatrie und Geriatrie in Langenhagen gehören, bundesweit in der ersten Reihe der kommunalen Klinikverbände. Dass in der chinesischen Partnerregion Luan alles noch ein wenig größer ausfällt, führte am Donnerstag eine medizinische Delegation der Luan Krankenhaus Holding bei einem Besuch in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie den Vertretern der Klinikleitung vor Augen. Nicht weniger als 20 Krankenhäuser zählen zu dem Verbund der kommunalen Kliniken Luans. Die Präfektur im Westen der niedersächsischen Partnerprovinz Anhui hat 7,1 Millionen Einwohner auf einer Fläche von der ungefähren Größe Sachsens zu versorgen. Im vergangenem Jahr ratifizierte die Region Hannover eine Partnerschaft mit Luan, bereits seit 2009 wird ein regelmäßiger Austausch gepflegt. Zum zweiten Mal nach 2011 besuchte nun eine medizinische Delegation der Luan Krankenhaus Holding das Klinikum Region Hannover, um Möglichkeiten und Perspektiven einer Zusammenarbeit auszuloten. Unter anderem Stand auch die Besichtigung der Langenhagener Fachklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des KRH auf der Wunschliste der chinesischen Gäste. Die dreiköpfige Gruppe wurde vom designierten ersten Direktor der Krankenhaus Holding, Wang Shenggao, angeführt, der bereits 2011 in einem der Holding angeschlossenen Krankenhäuser für den Neubau einer modernen Psychiatrieabteilung verantwortlich zeichnete. Die medizinische Erfahrung und Kompetenz im KRH schätzt er hoch ein und freute sich demnach sehr, die traditionsreiche Langenhagener Fachklinik besuchen zu können. Pflegedirektorin Brigit Krukemeier verwies in ihrer Begrüßung der chinesischen Gäste mit Stolz auf die exponierte Stellung, die ihr Haus in der Entwicklungsgeschichte dieser Fachrichtung einnehme und bezeichnete den 150 Jahre alten Standort Langenhagen als „eine Wiege der Sozialpsychiatrie“. Der Versorgungsbereich erstrecke sich laut Krukemeier auf rund 300.000 Bürgerinnen und Bürger in der nördlichen Region Hannover. Oberarzt Björn Schilter bezifferte die mittlere Verweildauer der Patienten mit 20 bis 25 Tagen. „Die westliche Welt ist bei der psychiatrischen Behandlung weit vorn“, lobte Wang Shenggao die Langenhagener Klinik mit Blick auf die medizinischen Standards in China. Dort erhalten schwerkranke Psychiatriepatienten im Rahmen eines neuen Förderprogramms nun immerhin staatliche Unterstützung. Zudem wurde den Krankenhäusern eine Versorgungspflicht für psychisch Kranke auferlegt. Beeindruckt zeigte sich Wang nicht zuletzt von der wunderschönen Lage der Klinik im Eichenpark sowie der Zertifizierung als umweltfreundliches Krankenhaus.
Wenn auch der Bereich der Psychiatrie und Psychotherapie in China noch großen Entwicklungsbedarf hat, kann die Luan Krankenhaus Holding in anderen Bereichen der Schulmedizin bereits mit westlichen Standards agieren. Fundamentaler Unterschied zwischen den medizinischen Versorgungssystemen in China und Deutschland ist die Ausrichtung der chinesischen Krankenhäuser auf Ambulanzbehandlungen. Im Vergleich zu Deutschland werden in China nur wenige Patienten stationär versorgt. Wo immer es geht, wird ambulant gearbeitet. Dies liegt nicht zuletzt auch an dem noch in der Entwicklung befindlichen Krankenversicherungssystem. Die meisten Menschen müssen in China eine ärztliche Behandlung aus eigener Tasche bezahlen, sodass die Bevorzugung von ambulanter gegenüber stationärer Behandlung auch mit ungleich höhreren finanziellen Belastungen der Patienten zu erklären ist. Besonders ist in Luan auch die Vernetzung zwischen westlicher Schulmedizin und der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Jedes schulmedizinisch ausgelegte Krankenhaus verfügt auch über eine eigene TCM-Abteilung, die TCM-Fachkliniken ebenfalls über schulmedizinisches Knowhow. Durch diese enge Verflechtung beider Lehrrichtungen gelingen in einigen Bereichen beachtliche Erfolge. So werden in Luan zum Beispiel bei Schlaganfallpatienten oder Bandscheibenvorfälle mit der Unterstützung traditioneller Therapiemethoden ausgezeichnete Behandlungserfolge erzielt. Auf diesem Weg kann die Luan Krankenhaus Holding nach Einschätzung von Wang Shenggao dem Klinikum Region Hannover interessante Einblicke gewähren und neue Impulse liefern. Wang ist selbst Facharzt für TCM und weiß um die komplexe Lehre, die sich hinter den auch bei uns zunehmend populären Behandlungsmethoden wie beispielsweise der Akupunktur verbirgt. Auf diesem Gebiet steht der Westen noch weit hinter der in Jahrtausenden zählenden Erfahrung Chinas zurück.
Neben der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Langenhagen besuchte die Delegation auch den Siloah-Neubau, informierte sich über die im KRH entwickelte innovative Narcotrend-Technik für Anästhesie und tauschte sich mit der Geschäftsführung und führenden Chefärzten über Perspektiven einer weiteren Zusammenarbeit aus.