Laila - Die Chance der Nacht

Falk Wook, Pastor
Die Nacht ist dunkel und geheimnisvoll. Sie begleitet uns seit dem ersten Tag der Schöpfung, hilft uns zur Ruhe zu kommen, schenkt uns den Schlaf und die Träume. Zugleich verbreitet sie Unsicherheit. Ein Drittel unserer Lebenszeit verbringen wir mit ihr. Sie ist jemand die viele schätzen, manche fürchten, die seit Beginn der Schöpfung vorhanden ist. Laila heißt die schillernde Schöne im Alten Testament. Laila, dieses schöne Mädchen, dieser Name aus dem Hebräischen bedeutet übersetzt: die Nacht. Sie ist keine finstere Gestalt, nicht das grauenvolle Dunkel, sonder eine schillernde Persönlichkeit. Ihre Gegenwart erzeugt Spannung oder Entspannung. Lila, das ist die Farbe der Nacht. Sie verbreitet Angst und Schrecken in der Geschichte der Überfälle Morde und Kriege, Ungemach und Furcht, bei denen, denen es an den Kragen gehen könnte, sie gibt Kraft und Lebenslust, denen die mit ihr schlafen gehen, feiern oder träumen. Sie ist nicht das Nichts, nicht nur die andere, die dunkle Seite unseres Lebens ( the dark side of the moon). Sie ist auch das Geschehen und die Möglichkeit des neuen Tages. Die Nacht finden wir in der Bibel fast 300 Mal, von der Erschaffung der Erde bis zum Traum des Jakob auf der Himmelsleiter. Im Stammteil des Gesangbuchs wird sie 125 Mal erwähnt. Von der Schaffung der Erde über heimliche Angriffe und Morde bis hin zu amourösen Abenteuern, wie Lot und seinen Töchtern oder Bathsebah und David hin zum Hohelied der Liebe, aber auch dem Traum des Jakob auf der Himmelsleiter. Zur höchsten Ehre gelangt sie als die Zeit der Menschwerdung Gottes – in der Weihnacht. Damit ist die Nacht endgültig nicht mehr nur die Zeit in der die dunklen Kammer der Seele geöffnet werden und die skurrilen Geister unseres unbewältigten Lebens das Sagen haben, sondern hier ist Laila die Farbe des Lebens und der göttlichen Kraft. Schon das Wort Nacht in Weihnachten hat einen Hauch von Wunder bei sich – ist schon ein Versprechen: „Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen, die nacht ist da dass was gescheh´. Ein Schiff ist nicht nur für den Hafen da es muss hinaus, hinaus auf hohe See., wies in dem Lied von Otto Ernst Hesse mit der Musik von Theo Mackeben aus dem Jahre 1939 heißt. Wir versuchen heute, die Nacht durch künstliches Licht zu vertreiben, und mit ihr die Sorgen, mit denen sie uns konfrontiert, die Angst, die Trauer, die Einsamkeit. Damit verschwinden aber auch die Seiten der Nacht, die uns gut tun. Denn die Nacht ermöglicht Erfahrungen, die wir sonst nicht machen. Sie setzt Gegenakzente, stellt in Frage, was bei Tag klar und deutlich erscheint. Sie verbreitet etwas, das in unserer technisierten Welt immer seltener zu finden ist – eine Atmosphäre der Ruhe, der Stille. Die Nacht, sie ist die Zeit der Besinnung. Sie ist die Zeit der Begegnung mit Gott. Von Anfang an hat die Christenheit ihre Gottesdienste in der Nacht gefeiert. Am Übergang vom Tag in die Nacht, oder von der Nacht in den Morgen. Seit jeher ist die Nacht die Zeit des Gebets: „Am Tage sendet der Herr seine Güte, und des Nachts singe ich ihm und bete zu dem Gott meines Lebens“, dichtet der Psalm (Ps. 42,9).Auch die Kirche nutzt die Nacht und ihr ganz eigene Atmosphäre. Seit fünf Jahren laden die Kirchengemeinden in und teilweise um Hannover ein in eine andere Welt. Die Lange Nacht der Kirchen. Eine Welt, in der Spiritualität erfahrbar und erlebbar wird. Einer Nacht mit Spektakel und Ruhe, mit Musik und Theater, mit Kunst und Kultur. Ein neuer Zugang zum Glauben wird möglich. Die Nacht ist eine Chance. Nutzen wir sie.
Am 3. September ist es wieder so weit, die fünfte Lange Nacht der Kirchen in Hannover.

Falk Wook, Pastor