Lange Wartezeiten bei Bildungsgutscheinen
Schulcaterer: „Das ist existenzgefährdend“
Langenhagen (he). Das Problem hat seinen Ursprung nicht in Langenhagen, seine Auswirkungen könnten aber durchaus auch im Schulzentrum an der Konrad-Adenauer-Straße zu spüren sein. Begonnen hat es Anfang dieses Jahres mit der Einführung des sogenannten Bildungs- und Teilhabepaketes, das Kindern aus einkommensschwachen Familien den Zugang zu Bildung und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erleichtern soll. Zu den Leistungen des Paketes gehört auch ein Zuschuss zu jeder warmen Mahlzeit, die berechtigte Kinder in einer Schulmensa zu sich nehmen. Um diesen Zuschuss für ihre Kinder zu erhalten, müssen Familien einen Antrag an diejenige Stelle richten, von der sie Leistungen beziehen: Jobcenter, Sozialamt oder Wohngeldstelle sind hier mit im Boot. Ausgezahlt wird der Zuschuss nach der Bewilligung durch die genannten Stellen von der Region Hannover direkt an den jeweiligen Betreiber der Schulmensa – und hier liegt der Hase im Pfeffer.
„Die Region benötigt für die Bearbeitung der Anträge zurzeit etwa vier Monate“, berichtet Andreas Wozny, Geschäftsführer der gemeinnützigen Gesellschaft „Alles Banane“, die in der Mensa der IGS Langenhagen täglich mehrere hundert Mittagessen zubereitet und ausgibt. Auch die Hermann-Löns-Schule an der Niedersachsenstraße wird von Alles Banane versorgt. In Hannover betreibt der Caterer, der auch Ausbildungsbetrieb ist, weitere Schulmensen, unter anderem an der IGS Roderbruch und der Hinrich-Wilhelm-Kopf-Schule, die mit Beginn dieses Schuljahres zur Offenen Ganztagsschule umgewandelt wurde. An diesen Schulen gibt es einen hohen Anteil von Kindern und Jugendlichen, die Anspruch auf Leistungen aus dem Bildungspaket haben – und mittlerweile seit einigen Wochen auf den Gutschein für ihren Zuschuss zum Schulmittagessen warten. „Das bedeutet, dass die Familien das Geld vorschießen müssen, dies aber oft gar nicht können, weil sie es nicht haben“, sagt Andreas Wozny. Als Folge haben viele Eltern, die den Zuschuss eingeplant und ihre Kinder verbindlich zum Essen angemeldet hatten, sich kurzfristig wieder abgemeldet. Andreas Wozny und Alles-Banane-Prokurist Gernod Hacke hatten aber längst ihre Finanz- und Personalplanung gemacht und Küchenpersonal eingestellt: „Soll ich die jetzt wieder entlassen?“, fragt Wozny. Er sieht seinen Betrieb langsam aber sicher in finanzielle Schieflage geraten: „Ich muss in diesem Monat erstmals privates Geld für meinen Betrieb vorschießen, weil sehr viele Gutscheine, die mit Schuljahresbeginn hätten vorliegen müssen, immer noch nicht da sind“, berichtete er am Montag.
„Uns ist nicht klar, wo das Problem liegt“, erklärte dagegen Regionssprecher Nils Meyer auf Nachfrage des ECHO. „Von anderen Caterern ist uns Derartiges nicht gemeldet worden.“ Allerdings mussten in den vergangenen zwei Monaten zwei Schulcaterer in der Region Insolvenz anmelden; ob es in diesen Fällen einen Zusammenhang mit der Auszahlung von Bildungsgutscheinen gibt, ist nicht klar. Nils Meyer räumt ein, dass es bei der Region einen Bearbeitungsstau gibt: Wegen der Vielzahl der Anträge könne es „mehrere Wochen“ dauern bis die Gutscheine ausgestellt und Zahlungen geleistet würden – „dann müssen die Familien das eben auslegen“, sagt Meyer lapidar. Den Anruf des ECHO nahm die Region zum Anlass, mit der Geschäftsführung von Alles Banane und den Schulleitungen ein Gespräch führen zu wollen; wann dieses Gespräch stattfinde, hänge von den Terminkalendern der Teilnehmer ab, so Nils Meyer. Andreas Wozny lag bis gestern Mittag allerdings noch keine Einladung zu einem Gespräch vor.
Wozny und Gernod Hacke überlegen zurzeit, sich aus einzelnen Schulen zurückzuziehen, um nicht ihren gesamten Betrieb zu gefährden – die IGS Langenhagen gehört allerdings nicht dazu. Wieder einmal, so Wozny weiter, habe die Politik die Musik bestellt, wolle sie aber nicht vollständig bezahlen: So muss der Caterer selbst jedes einzelne Mittagessen, das er an leistungsberechtigte Kinder ausgibt, mit zwei Stellen abrechnen. Den Gutschein – sofern es ihn irgendwann gibt – und eine detaillierte Rechnung muss er bei der Region einreichen, den Eigenanteil von jeweils einem Euro pro Essen bei der Familie einziehen. „Diesen zusätzlichen, enormen Zeitaufwand muss ich selber tragen“, sagt Wozny, „auf den Preis der Mittagessen kann ich ihn nicht aufschlagen.“ Im übrigen seien er und andere Caterer nie gefragt worden, ob der geplante Umgang mit den Gutscheinen praktikabel sei und wie die Preisgestaltung aussehen müsse: „Da wurde einfach über uns verfügt.“




