„Langenhagen ist gut aufgestellt“

Über Generationen engagiert für das DRK: Martina Rust mit ihrer Mutter Mia Rust. Foto: G. Gosewisch

Ehrenamt: Landestrend findet sich hier wieder

Langenhagen (gg). Die Meldung aus der Niedersächsischen Staatskanzlei in der vergangenen Woche überraschte mit erstaunlichen Zahlen. Ministerpräsident David McAllister hatte gemeinsam mit dem Forschungsleiter von tns infratest München, Thomas Gensicke, eine Landesstudie zur Entwicklung des ehrenamtlichen Engagements in Niedersachsen vorgestellt. „In Niedersachsen sind 2,8 Millionen Menschen bürgerschaftlich aktiv. Das sind 41 Prozent der Bevölkerung über 14 Jahren. Im Vergleich zur ersten Erhebung 1999 ist das ein Plus von zehn Prozentpunkten. Einen vergleichbaren Anstieg hat es in keinem anderen Bundesland gegeben“, so die Erklärung. Zur Begründung heißt es, dass die in den vergangenen Jahren geschaffenen Rahmenbedingungen diesen Trend begünstigt haben. Einrichtungen wie der Freiwilligenserver, ein verbesserter Versicherungsschutz für Ehrenamtliche, der Niedersachsenpreis für bürgerschaftliches Engagement, die landesweite Ehrenamtskarte sowie die Möglichkeit für Ehrenamtliche, sich einen Kompetenznachweis in Form einer Urkunde ausstellen zu lassen, gehören nach Einschätzung der Staatskanzlei dazu.
Auf Nachfrage des ECHO bei der Stadt Langenhagen zur Einschätzung der Situation rund um das ehrenamtliche Engagement von Bürgerinnen und Bürgern gab Stadtsprecher Roman Sickau eine positive Auskunft: „Langenhagen ist gut aufgestellt.“ Es gebe zwar keine Zahlen aus Bürgerbefragungen, aber eine Einschätzung sei trotzdem möglich.
Christel Kolossa-Saris aus dem Büro für Bürgerengagement meldet, dass pro Woche mindestens eine Person vorstellig wird, um ehrenamtliches Engagement anzubieten – das sei weit mehr als in vergleichbaren Gemeinden. Mehr als 100 Frauen und Männer sind in Langenhagen als Lesementoren ehrenamtlich tätig, und es gibt 20 aktive Ausbildungspatinnen und -paten, die berufliche Orientierungshilfe für Schüler leisten. Große positive Resonanz und viele engagierte ehrenamtliche Helfer gibt es bei Institutionen, die von der Stadt Langenhagen finanziell gefördert werden; dazu gehört auch das Mehr-Generationen-Haus mit seinen vielfältigen Projekten. „Hier sehen wir, dass Ehrenamtliche zahlreich sind und in ihre Aufgaben hineinwachsen. Fortbildungen für die Ausübung der Leseförderung werden sehr gut angenommen“, sagt Roman Sickau. Nach seiner Einschätzung ist dieses Engagement von Bürgerinnen und Bürgern geprägt und begründet durch menschliche Beziehungen, die offensichtlich motivierender seien als traditionelle Rahmenbedingungen, wie sie in Vereinen vorgegeben werden. Die Stadt Langenhagen bemühe sich um die Unterstützung der Vereine, doch bekannt sei ein Schwund derer, die sich für ein Ehrenamt im Verein auf lange Zeit festlegen lassen.
„Unsere erfolgreichen Angebote wie der Vereinsstammtisch und das Fest der Vereine werden weitergeführt, weil wir große Beteiligung hatten“, stellt Sickau fest. „Vereine bemühen sich, mit neuen Ideen zu motivieren.“ Frauke Engel bestätigt für die Johanniter-Unfall-Hilfe, dass die Zahl der Ehrenamtlichen kaum zu steigern ist: „Langfristiges und verlässliches Engagement ist eine Herausforderung im Bereich des Bevölkerungs- und Katastrophenschutzes.“ Gesine Saft erklärt als Vorsitzende des DRK-Ortsvereins Langenhagen: „Wir laufen Gefahr, die Generation der jetzt 30-Jährigen nicht ausreichend ehrenamtlich gewinnen zu können, obwohl wir genug Menschen ansprechen.“ Sie ist froh, dass jüngere Frauen wie Martina Rust in der DRK-Ortsgruppe Ämter übernehmen und so die Brücke zwischen den Generationen geschlagen werden kann. Seit einem Jahr ist Martina Rust Schatzmeisterin. Ihre Mutter Mia Rust war mehr als 30 Jahre im DRK ehrenamtlich tätig und erklärt: „Das Ehrenamt gehört für uns zum normalen Alltag. Mein Mann Will war über 20 Jahre Ortsbrandmeister, da zählt man nicht die Stunden, die man für das Amt investiert. “ Vielfältig sind nach ihrer Einschätzung die Angebote, die die DRK-Ortsgruppe für die Menschen anbietet, fast mehr als noch vor 20 Jahren. Dass moderne Angebote gut angenommen werden, bestätigt die Vielzahl der Teilnehmer beispielsweise in der DRK-Ortsgruppe Kaltenweide. Christina Wolkenhauer hat sich als berufstätige junge Frau mit zwei Kindern vor zwei Jahren bewusst für das Amt der Vorsitzenden entschieden, weil sie es nicht mit ansehen konnte, dass die Institution mangels Verantwortlicher auseinander zu brechen drohte. Ihre Erfahrung: „Unsere moderne Ausrichtung mit den Familienangeboten kommt sehr gut an. Wir haben viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer, aber bei der Verpflichtung auf feste Aufgaben oder Ämter haben auch wir große Probleme.“