Le Mans als „Mutter aller Reisen“

Die Langenhagener freute sich über die vielen Zuschauer beim Umzug durch Le Mans.

Bei der ersten Tournee 1966 gab es gleich einen ersten Preis

Langenhagen (kr). Als „die Mutter aller Reisen“ bezeichnet Ernst Müller in seiner Autobiografie die erste Konzert-Tournee des Blasorchesters der Stadt Langenhagen, die 1966 nach Le Mans führte. „Hier fing alles an“, so Müller, „dort bekamen wir schon einen Vorgeschmack auf Lust und Strapazen solcher Tourneen.“ Niemand hätte damals gedacht, auch der Langenhagener Musikdirektor nicht, dass noch 54 Auslandsreisen folgen sollte. Eine wichtige Initialzündung, weitere Unternehmungen in Angriff zu nehmen, gab natürlich der tolle Erfolg beim Orchesterwettbewerb. Das schweißte das Orchester so richtig zusammen. Das Ganze lief unter dem Titel „Sommerkarneval“. Mit von der Partie eine Reihe internationaler Kapellen. Der Wettstreit lief auf einer Freilichtbühne vor 10.000 Zuschauern. Während die Musiker noch ein wenig Lampenfieber hatten, war der positiv denkende Ernst Müller schon auf Sieg eingestellt. Sein Rezept: „Die Wahl der Stücke macht es, wir müssen das spielen, die gerade für das französische Publikum einen Willkommensgruß darstellten.“ Müller entschied sich für Wagners „Einzug der Gäste“, die Ouvertüre zur Oper „Tannhäuser“, den französischen Konzertwalzer „Souvenir de Val de See von Treves, den Carmen-Marsch von Bizet und das virtuose Trompetensolo „Die Teufelszunge“, das der herausragende Solist Helmut Oetken bravourös meisterte. „Als wir dann noch ein tolles Potpourri von Jaques Offenbach interpretierten“, so erinnert sich Ernst Müller, „war das hellauf begeisterte Publikum voll auf unserer Seite.“
Der nächste Tag bewies, dass die Franzosen in punkto Marschfreudigkeit den Deutschen nicht nachstehen. Der über vier Stunden dauernde Umzug „Le Grand Defilee du Carneval d´Eté führte durch unglaubliche Menschenmengen, und die Zuschauer bewarfen die Musiker mit Unengen Konfetti. Das alles geschah bei hochsommerlichen Temperaturen, und die dicken Uniformen, samt unbequemer Mütze, machten den Umzug nicht gerade zu einem Vergnügen. Geblasen werden musste ja auch reichlich. Dass das schon so etwas wie Hochleistungssport war, kann auch der Verfasser dieser Zeilen vollauf bestätigen, denn er war als Posaunist bei dieser Parade aktiv dabei. Auch am nächsten Tag musste sich das deutsche Blasorchester noch einmal mit den britischen, schweizerischen und französischen Militärkapellen auseinander setzen. Und dann gab es bei den Langenhagenern nur noch Jubel: Der Wertungsausschuss, das Publikum und die Journalisten erklärten das Blasorchester der Stadt Langenhagen zur besten Kapelle des Wettbewerbs und sprachen ihm den begehrten „Prix d´Exellence zu. Das Fazit von Ernst Müller: „Wir nahmen zwar eine attraktive Auszeichnung mit nach Hause, aber genauso wichtig war die erlebte Gastfreundschaft und Offenheit der Franzosen und die Herzlichkeit unter den Musikern.“ Abgerundet wurde das Programm durch eine sehr informative Rundfahrt in der 120.000 Einwohner zählenden Stadt, die auch die malerische Altstadt und die Autorennstrecke, beinhaltete, die berühmt ist durch ihre 24-Stunden-Rennen.
Mit dieser erfolgreichen Tournee hatte das Orchester den Grundstein gelegt für weitere besondere musikalische Aktivitäten. Und die nächsten Konzertreisen führten dann auch bald nach Skandinavien, zur Steubenparade in New York nach England und erneut zur Steubenparade. 1973 dann ein besonderer Höhepunkt: Das Langenhagener bereisten als erstes Orchester die UdSSR und dufrten unter anderem auf dem Roten Platz in Moskau ein Konzert geben.