Lebenskraft durch Taekwondo

Trainer Kabir Mojaddedi vermittelt den Kindern Körperbewusstsein.Foto: G. Gosewisch

Mehr als 30 Kinder beim Training im DRK-Familienzentrum

Kaltenweide (gg). Sehr erfolgreich laufen seit einigen Monaten die Taekwondo-Trainingsstunden für Kinder und Jugendliche im DRK-Familienzentrum in der Clara-Schumann-Straße. „Mehr als 30 Kinder sind dabei, und wir haben ständig weitere Nachfragen“, sagt Petra Rutz-Heikel, Leiterin des Familienzentrums, und weiter: „Wir sind sehr froh, dass es dieses Sport-Angebot hier gibt, wir sind darauf angewiesen.“ Nach ihrer Einschätzung entscheidet die Nähe zum Wohnort über die Teilnahme am Sportkursus. Berufstätige Eltern schafften es einfach nicht, ihre Kinder zum Training zu bringen. Das DRK-Zentrum ist für die Kinder zu Fuß zu erreichen. Zudem sei das ehrenamtliche Engagement von Kabir Mojaddedi als Trainer ein ganz Besonderes. Der aus Afghanistan stammende Ergotherapeut betreibt seit mehr als 20 Jahren Taekwondo für die eigene Fitness, hat daraus viel Lebenskraft schöpfen können. „Taekwondo hat mir in meinem Leben sehr geholfen. Letztlich habe ich wohl darüber auch viele Erlebnisse verarbeiten können, die ich in Afghanistan vor der Flucht nach Deutschland erlebt habe.“ Es war die Familienzugehörigkeit zu Mitgliedern der Regierung, die Kabir Mojaddedi im Bürgerkrieg in Afghanistan in den 70er Jahren zum politisch Verfolgten machte und zur Flucht zwang. „Teakwondo gibt Selbstsicherheit und bewirkt, dass Emotionen ausgeglichen werden können“, erklärt er. „Als Ergotherapeut arbeite ich mit jungen Menschen, die auffallend aggressiv oder depressiv sind oder auch Suchtprobleme haben. Ich habe gelernt, Ruhe zu bewahren.“
In der Trainingsgruppe im DRK-Familienzentrum zeigt sich, wie er die Kinder mit seiner ausgeglichenen Art erreicht. Je unruhiger die Kinder werden, desto ruhiger wird der Trainer. Petra Rutz-Heikel schätzt das sehr. „Auch bei meiner Arbeit, der Betreuung der Kita-Kinder, ist es sehr wichtig über die Körpersprache zu arbeiten. Zusätzlich ist es wichtig, die Kinder im Körperbewusstsein zu fördern. Dass die Fähigkeit zur Koordination des Körpers positiv für die Entwicklung von Denkfähigkeit ist, ist ja bekannt.“ Inzwischen gibt es für die Trainingsgruppe Taekwondo organisatorische Hilfe von Rabea Lachkham und Diana Skoray, die sich um neue Anmeldungen kümmern. Zehn Euro pro Monat kostet die Teilnahme. Kabir Mojaddedi hat sich entschlossen, die Einnahmen zu spenden. Einen Besuch in der Heimat – den ersten seit 29 Jahren – nahm er zum Anlass, Spiel- und Schreibmaterial in einem afghanischen Kinderheim zu überreichen. „Es ist nur ein kleines Zeichen, mir aber sehr wichtig“, ergänzt er.