Leserbrief

Keine Grenzen menschlicher Dummheit

Zum Bericht "Erweiterung des Weiherfelds" in der ECHO-Ausgabe vom 17. Oktober, Seite 3, erhielt die Redaktion folgenden Leserbrief: "Und in der fünften Klasse: Grundmoräne, Endmoräne, Sander, Urstromtal -Niederungsbereiche durchsetzt mit Hochmooren als Ergebnis der Eiszeit/-in der hannoverschen Moorgeest mit dem Referenzgebiet Brelinger Berge, Bissendorfer Moor und Wietze-Urstromtal. Das Thema Moor haben nicht nur wir, sondern auch Stadtplaner längst abgehakt und mitten in diese glaziale Serie das Weiherfeld gesetzt.
Was machts dann noch 82.000 Quadratmeter vom Landschaftsschutzgebiet Wietzetal für Wohnbebauung zu opfern? Unterhält man sich mit stadtnah abgewanderten Ex-Langenhagenern über die Entwicklung seit Millenium, höre ich zumeist die Antwort: Das neue CCL ist prima, aber ansonsten möchte ich da nicht mal mehr tot über den Zaun hängen! Vielleicht übertrieben, aber man kann dies hilfsweise mit Zahlen belegen. Nach Trends und Fakten 2015 der Region Hannover steuert Langenhagen auf eine doppelte Vollbeschäftigung zu, hat aber überdurchschnittlich viele Arbeitslose. Die Arbeitnehmer wohnen auch oft nicht mehr hier, wie die täglich 26.278 Einpendler beweisen (Auspendler 14.221). Da erklärt sich der riesige Kaufkraftabstand pro Einwohner im Umfeld (Isernhagen 29.482 Euro/Person, Langenhagen 21.491 Euro/Person)!
Noch deutlicher im Steueraufkommen: Im Jahr 2011 lag die Gewerbesteuer bei 72,5 Millionen Euro, Einkommensteueranteil 16 Millionen Euro, Grundsteuer 12 Millionen Euro! Trotzdem wird dummdreist über Steuererhöhungen diskutiert, weil ja die Regionsumlage den Haushalt ruiniert und Wohnattraktivität nur durch immer neue Wohngebiete funktioniert. Aufgrund der Nähe zu Hannover kann ja jeder Quadratmeter vermarktet werden, nur lockt man damit nicht die gewünschten Zielgruppen an. Das Weiherfeld ist dafür ein Fanal.
Eine Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten!
Und man opfert mit dieser Fläche auch kein strukturarmes Ackergebiet, sondern wichtige Teile des bereits über Jahrzehnte offen gehaltenen letzten Biotopkorridors zwischen Hochmoor und Urstromtal.
Allen Dingen hat Gott Grenzen gesetzt, leider nicht der menschlichen Dummheit.
Hoffentlich knickt die Region Hannover hier nicht ein und erteilt zügig eine endgültige Absage."
Wolfgang Dranga, Langenhagen